_

Subventionskürzung: Keine Panik bei deutschen Solaraktien

von Martin Gerth

Weil die Bundesregierung die Subventionen für Sonnenenergie kürzen will, geraten Solaraktien unter Druck. Anleger sollten dennoch Ruhe bewahren.

WirtschaftsWoche Redakteur Martin Gerth
WirtschaftsWoche Redakteur Martin Gerth

Bundesumweltminister Norbert Röttgen macht Ernst. Schon zum 1. April könnten die garantierten Abnahmepreise für Solarstrom um 15 bis 17 Prozent sinken. Diese Nachricht schickte deutsche Solarwerte am vergangenen Freitag in den Keller: SMA Solar büßte 12,6 Prozent und Q-Cells 9,1 Prozent gegenüber den Höchststand vom Vortag ein. Schon warnte der Lobbyverband der Solarwirtschaft vor dem Verlust von 50.000 Arbeitsplätzen. Europa wäre als Produktionsstandort unwirtschaftlich.

Anzeige

Kürzung vorhersehbar

Für Panik ist aus Anlegersicht allerdings kein Anlass. Dass die neue Bundesregierung die Abnahmepreise für Solarstrom senken wird, war absehbar. Die meisten Investoren haben dies schon eingerechnet. Dass Röttgen mehr kürzen will als zunächst befürchtet, hat die Kurse der Solaraktien auf breiter Front bröckeln lassen. Allerdings trennen die Anleger schon wieder nach Spreu und Weizen. Nach dem ersten Schock erholten sich SMA und SolarWorld wieder.

Sicher ist Deutschland noch immer einer der wichtigsten Märkte weltweit. Allerdings wächst er inzwischen langsamer als das europäische Ausland, Asien oder die USA. Wenn die Subventionen auf dem deutschen Markt weniger üppig fließen, dann ist die noch kein Todesurteil für deutsche Solartechnikhersteller. Das wäre es nur, wenn die Bundesregierung den Rotstift zu radikal ansetzt. Noch steht aber weder das Datum der Kürzung, noch das genaue Ausmaß fest. 

2013 konkurrenzfähig

Allerdings werden sich die Anleger künftig die einzelnen Unternehmen noch genauer anschauen müssen: Wer verdient wie viel in hoch subventionierten Märkten? Das Zittern um die Subventionen wird aber nur noch wenige Jahre von Bedeutung sein. Stimmen die Prognosen der Solarbranche, dass bereits 2013 Solarstrom auch ohne Subventionen konkurrenzfähig sein könnte, wird der politische Einfluss auf die Kurse der Solaraktien ohnehin abnehmen.

4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 21.01.2010, 16:54 UhrAnonymer Benutzer: herbert klein

    Es ist längst an der Zeit, diese Subventionen zu kürzen. Dies entnimmt man den bilanzen der Deutschen Solarfirmen, die hoch
    Eu- und Germany subventioniert wurden und von den Gewinnen
    (siehe QCells und Solarworld usw.) im Ausland große Fabriken
    bauen. Wer das nicht bemerkt muss als Steuerzahler und Wähler
    schon recht blind sein.

  • 20.01.2010, 11:42 UhrAnonymer Benutzer: nicolo

    Die Grid-Parity wird kommen, ob 2013 oder zwei Jahre später ist unwichtig! Der 2009 im EEG eingeführte Tarif für den Eigenverbrauch hat gezeigt, dass 50-70% des PV-Stroms bereits vorort auch verbraucht wird! Sicher, für einen höheren Eigenverbrauch werden dann auch Speicher im EFH benötigt. Diese sind aber bereits in der Entwicklung und werden in wenigen Jahren auch verfügbar sein. Das Entscheidende aber ist: ein Ende der (noch) benötigten Förderung ist absehbar! Die Steinkohleförderung hat uns ein Vielfaches gekostet, und wird uns vorallendingen auch noch in hundert Jahren durch die Ewigkeitskosten einen weiteren dreistelligen Milliardenbetrag kosten! Da ist es schlicht unverständlich, jetzt bei der Photovoltaik in Hektik auszubrechen. Allein die (unsinnige) Absenkung des Mehrwertsteuersatzes verursacht einen Steuerausfall in Milliardenhöhe, ein Vielfaches dessen, was jetzt bei den Handwerkern wieder eingesammelt wird! Toll!

  • 18.01.2010, 22:05 UhrAnonymer Benutzer: Photonen fürchten keinen Wettbewerb

    Ja, China hat eine vielleicht weltweit führende Solarindustrie. Sicher ist, dank deutscher Verbraucher. Sunshinestate Deutschland ist weltgrösster Absatzmarkt für Solartechnik.

    Die installierte (Nenn-)Leistung in D ist etwa genauso gross, wie die Leistung einiger anderer industriealisierter Sonnenstaaten zusammen (Kalifonien, Spanien und italien, zusammen ca. 7000 MW). Also alle Sonnenstaaten zusammen 14000 MW punktgenau mittags am 21. Juni für 1 Minute (vereinfacht angenommen gleiche Ortzeit).

    China hat ca. 200 MW Solarmodule installiert (Stand 2008). Auf der Wiwo Grafik kommen sie gar nicht vor.

    Prognose bis 2020: Solarrentabilität ist konstant 3 Jahre weit weg.

    bessere Masszahl: volkswirtschaftliche Cashburnrate = 0, dann ist Photovoltaik in Deutschland gerade so rentabel (schwarze null). bis zu dieser Phase waren seinerzeit die dotcom Anleger auch ganz easy.

    Wenn Solarstrom nach Nutzwert vergütet würde und nicht nach EEG in welcher Form auch immer, müsste man an manchen Tagen sogar Geld für die Einspeisung bezahlen. Aber demnächst pumpen wir mit unseren Eigenheimdachmodulen ja das Wasser in den norwegischen Fjorden nach oben. Dann wird alles besser.

Alle Kommentare lesen

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche