Summer School : Pharmabranche lässt Chancen ungenutzt

Summer School : Pharmabranche lässt Chancen ungenutzt

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Wertschöpfung und Beschäftigte im detschen Gesundheitswesen

Die Gesundheitswirtschaft boomt, doch Pharmakonzerne und Kliniken lassen Innovationschancen ungenutzt.

Die Gesundheitswirtschaft ist Deutschlands größter Arbeitgeber und einer der wichtigsten Sektoren der Volkswirtschaft: Auf 240 Milliarden Euro Jahresumsatz kommt die Branche in ihrer Gesamtheit, 4,6 Millionen Beschäftigte arbeiten bei Pharmaunternehmen und Krankenversicherungen, in Kliniken, Arztpraxen und Apotheken. Das Image hinkt der Bedeutung der Branche allerdings hinterher: „Die Gesundheitswirtschaft wird immer noch vorwiegend als Kostenbereich angesehen. Dabei bietet sie exzellente Wachstumschancen“, sagt Axel Baur, der bei McKinsey die Beratung des Gesundheitswesens leitet. Nötige Reformen vorausgesetzt, könnten, so schätzt Baur, bis 2020 eine Million neue Jobs entstehen; reale jährliche Wachstumsraten von über drei Prozent sind möglich.

Noch bleiben viele Innovationschancen ungenutzt. Den Arzneimittelherstellern fehlen vor allem neue Medikamente. Die Konzerne stehen unter dem verstärkten Druck der Generikakonkurrenz. Damit ihre Medikamente von den Kassen erstattet werden, müssen die Hersteller vermehrt Kosten-Nutzen-Bewertungen vorlegen – hierzulande spielt das Iqwig (Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen) eine entscheidende Rolle.

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Unübersichtliche Konglomerate statt Forschung

Die Zahl der Blockbuster – Medikamente, die es auf Milliardenumsätze bringen – wächst nicht mehr so stark . Die Komplexität in Forschung und Entwicklung steigt, die Zulassungsbehörden sind strenger geworden. „Die Forschungseinrichtungen der Unternehmen sind in vielen Fällen zu großen, unübersichtlichen Konglomeraten geworden“, sagt Baur. Er hält kleine Forschungs- und Entwicklungseinheiten für effizienter, da Entscheidungen dort schneller fallen und Mitarbeiter motivierter arbeiten. So haben GlaxoSmithKline, Novartis und viele Biotech-Unternehmen ihre Forschung in Abteilungen von überschaubarer Größe aufgeteilt.

Baur fordert eine stärkere Teamkultur in den Unternehmen und Veränderungen bei den Anreizsystemen: „Die Prämien dürfen nicht nur vom Ergebnis abhängig sein. Sie müssen auch berücksichtigen, wie der Forscher mit anderen Entwicklerkollegen zusammenarbeitet und Erfahrungen austauscht.“ Wenn die Unternehmen ihr Forschungsmodell entsprechend auf den Prüfstand stellen und auch dort Innovationen wagen, hält Baur weiterhin hohe Wachstumsraten für möglich.

Zwar wächst in Deutschland der Krankenhausmarkt nicht mehr, doch gibt es noch Potenzial für Klinikketten. Rhön, Helios, Asklepios oder Sana betreiben heute etwa acht Prozent der 2150 deutschen Akutkrankenhäuser. „Es gibt noch etwa 200 bis 300 interessante Übernahmekandidaten“, sagt Baur. Aktuell stehen nur wenige Kliniken zum Verkauf, da sich die Finanzlage vieler Kommunen verbessert hat. Wer aber nur auf Deutschland blickt, verkennt die großen Chancen im Ausland. Dort engagieren sich bisher aber nur wenige. „Die Klinikketten müssen ihr Know-how internationalisieren“, sagt Baur. Die Ketten wüssten im internationalen Vergleich, wie sie die Klinikabläufe gestalten müssen, um Häuser gut und profitabel zu betreiben.

Service liegt im Trend

In Deutschland erschließen die Kliniken gerade einen neuen Markt. „In Zukunft werden sie zunehmend medizinische Versorgungszentren gründen, die direkt an die Klinik angedockt sind und in denen Patienten ambulant behandelt werden“, sagt Baur. Mehr als 1000 solcher Zentren sind in Deutschland seit 2004 entstanden. Vom Internisten bis zum Chirurgen arbeiten hier Ärzte unter einem Dach zusammen. Die Wege sind kurz, Doppeluntersuchungen und unnötige Kosten werden vermieden. Die Kliniken erhalten so neue Patienten und lasten ihre teuren Geräte besser aus.

Auch für die Krankenversicherer sind die Versorgungszentren ein Wachstumsfeld. Der Trend geht auch dort zu mehr Service; die Zusatzversicherungen boomen. Die Versicherer wandeln sich vom Payor zum Player. „Gesetzliche wie private Versicherer wollen nicht mehr nur derjenige sein, der zahlt, sondern zum Partner im Gesundheitswesen werden“, sagt Baur.

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