
PARIS/DÜSSELDORF. Nach Einschätzung von mit den Verhandlungen vertrauten Kreisen dürfte es auf einen Zweikampf mit dem französischen Stromkonzern Electricité de France (EDF) hinaus laufen - wobei Eon gute Trümpfe in der Hand hält. Erzrivale RWE scheiterte dagegen schon bei der Vorauswahl.
Der Verkauf des Anteils von 57,3 Prozent an Distrigaz ist Teil der Auflagen, die die EU-Kommission Suez für die geplante Fusion mit Gaz de France (GDF) gemacht hat. Das Unternehmen importiert Gas und vertreibt es an Industriekunden, Kommunalversorger und Kraftwerksbetreiber. Zuletzt setzte Distrigaz 4,6 Mrd. Euro um.
Eon könnte durch eine Übernahme nicht nur seine Kundenbasis ausbauen. Der Energiekonzern könnte vor allem seine Gasbezugsquellen breiter streuen und unabhängiger von Russland werden. Distrigaz bezieht das Gas vor allem aus den Niederlanden, Norwegen und Algerien und ist auch im Handel mit verflüssigtem Gas (LNG) aktiv.
Allerdings dürfte ein Einstieg nach Berechnungen von Analysten nicht billig werden. Der zum Verkauf stehende Anteil ist über 1,9 Mrd. Euro wert. Die Marktkapitalisierung von Distrigaz liegt derzeit bei 4,2 Mrd. Euro. Zieht man die Schulden ab, ergibt sich laut Bloomberg ein Unternehmenswert von 3,3 Mrd. Euro. Das entspricht dem 11,6-fachen des für 2009 erwarteten Ebitda. Zum Vergleich: Eon weist einen Unternehmenswert auf, der dem 6,7-fachen des Ebitda entspricht, bei EDF liegt die Kennziffer bei rund 7,5.
Suez will jetzt konkrete Verhandlungen mit den Interessenten aufnehmen und nach eigenen Angaben bis Ende Juni entscheiden, wer der drei verbliebenen Bieter den Zuschlag erhält. "Die Auswahl des Käufers erfolgt nach zwei Kriterien", erläuterte ein Sprecher. Zunächst gehe es zwar um den gebotenen Preis. Wichtig sei aber auch, welche Aktiva der Bieter im Tausch anbietet.
Ein Pariser Analyst erklärte, aus strategischer Sicht wäre es für GDF Suez am sinnvollsten, Eon oder dem italienischen Energiekonzern den Zuschlag zu geben, um an Energie-Aktiva in den betreffenden Ländern zu kommen: "Sowohl in Deutschland als auch in Italien ist der Konzern bisher nur schwach vertreten." Ein Tauschgeschäft mit EDF sei dagegen weniger sinnvoll, denn in Frankreich ist GDF-Suez bereits die Nummer zwei im Strommarkt und Nummer eins im Gasgeschäft.
Eon selbst hält sich zum Verkaufsprozess zwar bedeckt. Der Konzern kann aber lukrative Tauschobjekte bieten. Zum einen hat er sich jüngst gegenüber der EU-Kommission verpflichtet, zahlreiche Kraftwerke in Deutschland abzustoßen, um im Gegenzug laufende Kartellverfahren beizulegen. Zum anderen prüft Eon -Chef Wulf Bernotat derzeit den Verkauf der Tochter Thüga, in der Eon Beteiligungen an über 120 kommunalen Versorgern gebündelt hat. Teile davon dürften für Suez ebenso attraktiv sein wie Kraftwerke.
EDF wiederum kann auf die Unterstützung der französischen Regierung hoffen, da Frankreich sowohl EDF als auch GDF-Suez kontrolliert. Andererseits stößt EDF in Belgien auf Widerstände; und der belgische Staat hat eine so genannte Goldene Aktie bei Distrigaz, könnte also den Einstieg von EDF verhindern.
In Suez -Kreisen wird aber betont, dass politische Erwägungen letztlich keine Rolle spielen dürften. "Der Verkaufsprozess wird von der EU-Kommission überwacht", heißt es. "Die Kommission wird einen unabhängigen Treuhänder einsetzen, der die Transparenz des Verkaufsprozess überwacht." So sei ausgeschlossen, EDF zu bevorzugen, auch wenn Eni oder Eon einen höheren Preis böten.









