Umweltschutz: Führend bei klimafreundlichen Kohlekraftwerken

Umweltschutz: Führend bei klimafreundlichen Kohlekraftwerken

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Kohlekraftwerk: Bald auch in klimaverträglich?

Forscher schaffen die Voraussetzungen für klimaverträgliche Kohlekraftwerke. Deutsche Wissenschaftler sind dabei weltweit führend.

Im nächsten Jahr werden deutsche Ingenieure einen entscheidenden Beitrag zum Klimaschutz leisten. Sie wollen erstmals das Treibhausgas Kohlendioxid aus den Abgasen eines normalen Kohlekraftwerks abspalten. Damit kommen die Wissenschaftler dem Ideal eines CO2-freien Kohlekraftwerks einen großen Schritt näher.

Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht das RWE-Braunkohlekraftwerk Niederaußem bei Köln. Schon in wenigen Wochen geht dort eine Pilotanlage in Betrieb. Erstmals ist es damit möglich, bis zu 70 Prozent des CO2 aus dem Abgas eines ganz normalen Kohlekraftwerks abzutrennen. Andere Techniken funktionieren nur bei speziellen Kraftwerkstypen – bei Anlagen beispielsweise, die Kohle zunächst in Synthesegas umwandeln. Rund 80 Millionen Euro lassen sich die Partner RWE, BASF und Linde die Pilotanlage in Niederaußem kosten.

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Im Grunde ist die Anlage eine gigantische Waschmaschine, in der die Abgase von CO2 reingewaschen werden. Diese Maschine wurde vom Münchner Anlagenbauer Linde errichtet. Das Reinigungsmittel ist eine Waschlauge aus der Familie der Amine, die sich aus unterschiedlichen Wasserstoff-, Stickstoff- und Kohlenstoffatomen zusammensetzt, die die Kohlendioxidmoleküle festhalten. Wenn die Lauge gesättigt ist, wird sie erhitzt. Dabei wird CO2 in reiner Form frei, sodass es in unterirdische Lagerstätten gepresst werden kann.

Schadstoffe in den Abgasen bereiten Probleme

Probleme bereiten den Forschern allerdings noch die Schadstoffe in den Abgasen. Obwohl die Rauchgase vor der Kohlendioxid-Waschanlage durch eine Reinigungsanlage geleitet werden, ist der Gehalt an Stickstoffoxiden und Schwefeldioxid noch sehr hoch. Die Folge: Die Waschflüssigkeit wird auf Dauer zerstört und muss ausgetauscht werden.

Eine Lösung könnte REAplus sein, die effektivste Rauchgasreinigungsanlage der Welt. Sie soll Mitte 2009, ebenfalls in Niederaußem, an den Start gehen. Die neue Anlage soll mehr als 99 Prozent der Schadstoffe und 95 Prozent des Staubs aus den Abgasen filtern. Gebaut wird sie von der Austrian Energy & Environment (AE&E) in Raaba bei Graz. Der Preis: rund 5,5 Millionen Euro.

Was im Braunkohlerevier vor den Toren der Domstadt stattfindet, ist ein Test von gewaltigem Ausmaß. Gelingt es den Forschern, erst Schadstoffe wie Schwefeldioxid und Stickoxide zu entfernen und anschließend das Kohlendioxid abzutrennen, könnten viele weitere Kohlekraftwerke mit der neuen Technik nachgerüstet werden.

Doch derartige Maßnahmen zum Klimaschutz haben auch ihre Schattenseiten: Zwar hat die Rauchgaswäsche kaum Einfluss auf den Wirkungsgrad der Kraftwerke. Dieser reduziere sich um weniger als 0,5 Prozentpunkte, sagt AE&E-Manager Georg Gasteiger.

Die Abtrennung von CO2 wird den Wirkungsgrad der Kraftwerke dagegen drastisch verringern. Experten erwarten Verluste von anfangs bis zu zehn Prozentpunkten. Damit fielen die heute modernsten Anlagen der Welt in puncto Energieeffizienz auf das Niveau der Sechzigerjahre zurück.

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