Umwelttechnik: Personalfragen gefährden die Hightech-Industrie

Umwelttechnik: Personalfragen gefährden die Hightech-Industrie

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Montage von Photovoltaikmodulen

Die deutsche High-Tech-Industrie hat in der Umwelttechnik großes Potenzial – doch Finanzierung und Personalfragen gefährden es.

Was ist bloß los mit der deutschen Hightech-Industrie? Der Chiphersteller Infineon steckt in der Dauerkrise und streicht in Deutschland 2000 Arbeitsplätze; Nokia hat seine Handyfertigung in Bochum dichtgemacht; Softwarehäuser verlagern ihre Entwicklung nach Osteuropa und Indien. Dunkle Schatten liegen über dem für seine Erfinder und Ingenieure weltweit so bewunderten Standort Deutschland.

Allerdings trügt das Bild. Die wahren Perlen der Hochtechnologie glänzen im Verborgenen. Die Stärken der deutschen Industrie liegen nicht in der Unterhaltungselektronik, sondern im Geschäftskundenmarkt. Statt den verpassten Chancen etwa in der Handyfertigung nachzutrauern, „sollten wir uns auf unsere Stärken fokussieren“, sagt Claudia Funke, Leiterin des High-Tech-Bereiches der Managementberatung McKinsey. „Es gibt große Wachstumschancen an den Schnittstellen von High Tech zu traditionell starken Branchen, wie der Automobilbranche, dem Maschinenbau oder der Medizintechnik.“

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In dieser industriellen Hightech-Industrie sind deutsche Unternehmen mit einem Anteil von 18 Prozent Weltmarktführer. Und das Segment ist mit einem Umsatzvolumen von 57 Milliarden Euro für 2006 auch größer als die Computer- oder Softwarebranche. Großes Potenzial hat vor allem Cleantech – also Technologie rund um das Thema Umweltschutz, hier sind viele deutsche Firmen Vorreiter.

Das vorerst letzte deutsche Hightech-Unternehmen, das zum Weltkonzern aufstieg, war die 1972 gegründete Softwareschmiede SAP. Die Walldorfer entwickelten als erste standardisierte Programme zur Steuerung von Geschäftsabläufen – im Fachterminus Enterprise Resource Planning. Analog dazu müssten nun deutsche Unternehmen „weltweit Lösungen zum Ecological Resource Planning anbieten“.

Große Wachstumschancen

Große Wachstumschancen

Doch der Erfolg ist kein Selbstläufer, asiatische und amerikanische Unternehmen investieren auch massiv in Ökofirmen. „Wir müssen aufpassen, den Vorsprung bei der Cleantech nicht zu verspielen“, warnt Funke, „die Gefahr ist sehr groß, dass uns andere Länder überholen.“ Die Herausforderungen lägen vor allem beim Recruiting und der Finanzierung junger Firmen.

„Deutschland muss beim Kampf um die Top-Talente aggressiver sein“, sagt Funke. Ausländischen Talenten müssten unbürokratischer Arbeitsplätze angeboten und die Berufschancen von Frauen verbessert werden. Durch den Fokus auf Geschäftskunden fehlt der deutschen Hightech-Szene auch die Emotionalität. „In Kalifornien werden manche Unternehmer gefeiert wie Popstars, hier betrachtet man erfolgreiche Unternehmer eher kritisch.“ Dieses Manko im Kampf um Talente, könnten auch die Ökotechnologien beheben: „Hier können Sie als Mitarbeiter helfen, die Welt zu retten und damit gleichzeitig Geld verdienen“, sagt Funke.

Die Wertschöpfung der deutschen Hightech-Unternehmen stieg zwischen 1990 und 2006 zwar von 71 auf 124 Milliarden Euro, doch das jährliche Wachstum von 3,5 Prozent lag unter der weltweiten Rate von fast fünf Prozent. Eine Bremse sind die schlechteren Finanzierungsmöglichkeiten. In den USA waren 2007 die Investitionen von Wagniskapitalgebern siebenmal so hoch wie in Europa. Viele Unternehmen bekommen hier Schwierigkeiten, sobald sie eine gewisse Größe erreicht haben. „Wenn sie die Grenze von 100 Millionen Umsatz überschritten haben, sind mehr Investitionen nötig“, sagt Funke.

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Wenn die Unternehmen ihre Chancen ergreifen und die Politik die Rahmenbedingungen verbessert, wäre nach einer Prognose von McKinsey bis 2020 ein jährliches Wachstum der Wertschöpfung von 4,8 Prozent möglich. Die Zahl der Arbeitsplätze im High-Tech-Sektor könnte um 400.000 auf 1,78 Millionen ansteigen. Doch Deutschland muss einen grundlegenden Standort-Nachteil wettmachen: Denn sowohl kleinere Nationen, wie die skandinavischen Länder, als auch sehr große sind generell im Vorteil. Die USA zehren von ihrem riesigen Binnenmarkt; in kleinen Ländern sind die Unternehmen früh gezwungen, sich auf den Weltmärkten zu beweisen. Das ist in der Hochtechnologie besonders wichtig, sagt Funke, „denn diese Märkte funktionieren oft nach dem Prinzip the-winner-takes-it-all“. Und der lokale Champion wird früher oder später zum Übernahmeziel.

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