Unternehmensführung: Warum ein harter Hund als Chef oft besser ist

Unternehmensführung: Warum ein harter Hund als Chef oft besser ist

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Flucht vor dem Chef: Die miese Beziehung zum Boss ist der häufigste Grund, die Mitarbeiter zu kündigen

von Jochen Mai

Jeder zweite Angestellte ist mit seinem Chef unzufrieden. Doch das Verhältnis von Mitarbeitern und Vorgesetzten leidet unter falschen Erwartungen. Und ein harter Hund ist im Zweifel besser als ein Kuschelchef.

Mitarbeiter und Chefs sind wie geladene Teilchen: Manchmal ziehen sie sich an, manchmal stoßen sie sich ab – und manchmal kommt es zur Kernschmelze.

Letzteres geschieht in Büros erstaunlich häufig. Weit über die Hälfte der deutschen Arbeitnehmer ist mit ihrem Boss unzufrieden – in kleinen Unternehmen sogar noch mehr, ergab eine Umfrage des Instituts für Mittelstandsforschung an der Universität Lüneburg.

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Keine deutsche Besonderheit. Der Verhaltensforscher Brad Gilbreath von der Indiana-Universität fand etwa heraus: Jeder Zweite hat ein gestörtes Verhältnis zum Chef. Und eine Gallup-Untersuchung zeigt: Die miese Beziehung zum Boss ist der häufigste Grund dafür, dass Mitarbeiter kündigen.

Die Medaille hat jedoch zwei Seiten. Man kann sich darüber mokieren, dass Chefs zu viel tadeln und zu wenig loben, was 61 Prozent der Beschäftigten laut einer Umfrage der Initiative Neue Qualität der Arbeit tun. Doch nicht selten basiert diese Aversion auf zu hohen Erwartungen. Der Chef soll uns fordern und fördern, uns viel bezahlen und im Büro für Spiel, Spaß und Spannung sorgen. Aber welcher Mensch ist dazu in der Lage?

Wer dauerhaft betont, dass er seine Arbeit nur dann erledigen könne, wenn der Boss ihn richtig motiviert, gibt damit indirekt zu, letztlich ein antriebsloser Strolch zu sein.

Mit einem Kuschelchef fährt man keinen Deut besser

Bedrohen, bestrafen, bestechen – all das sind klassische Indizien einer Misstrauenskultur, denn sie basieren, wie der Managementberater Reinhard Sprenger sagt, auf „Fremdsteuerung und Manipulation“. Folglich degradiert die Aussage, dass einer mehr gelobt werden möchte, den Jammerer zugleich zum Esel, der seine Möhre vor der Nase vermisst.

Natürlich soll das keine Entschuldigung sein für wiederkehrende Demütigungen. Machen Sie sich aber umgekehrt klar: Mit einem Kuschelchef fährt man keinen Deut besser.

Es gibt Führungskräfte, die jeder Konfrontation aus dem Weg gehen. Sie verstecken sich hinter einem unbestimmten „man sollte vielleicht…“, statt Klartext zu reden: „Ich erwarte von Ihnen, dass…“ Auf den ersten Blick finden das viele sehr sympathisch. Aber bei genauerem Hinsehen wird klar: Diese Chefs führen nicht, sie verwalten höchstens einen Zustand und dividieren Freundlichkeit von Verantwortung.

In einer Arbeitswelt, die auf Teamplay, Kommunikation und Kreativität basiert, ist ehrliches Feedback aber unverzichtbar. Wie sollen sich die Leute sonst entwickeln können?

Stellen Sie sich eine Gruppe vor, in der ein Mitarbeiter ständig große Reden schwingt, aber kaum etwas umsetzt, während alle anderen für ihn mitschuften. Angenommen, der Boss schweigt – wie lange geht das gut? Über kurz oder lang wird die Luft zum Schneiden sein, und die wahren Leistungsträger werden sich mindestens innerlich verabschieden.

Sowohl Führungskräfte als auch Mitarbeiter sollten sich klarmachen, dass Chefs nun mal nicht dafür bezahlt werden, einen Sympathiewettbewerb zu gewinnen. Natürlich ist gegenseitige Achtung eine Voraussetzung. Aber Mitarbeiter respektieren ihren Boss auch noch, wenn er ihre Leistung ehrlich und fair bewertet. Wenn sie spüren, dass er das aus Verantwortungsgefühl tut und um sie zu fördern, werden sich die Leistungen nachhaltig verbessern – und auch der Chef an der Auseinandersetzung gewachsen sein.

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