
Der 75-jährige Senator aus Massachusetts, letzter der drei Kennedy-Brüder und eine Instanz in der demokratischen Partei, hatte darin dem Ex-Präsidenten eröffnet, dass er nicht dessen Frau Hillary, sondern Barack Obama unterstützen werde. Und dies nicht nur hinter verschlossenen Türen, sondern ganz öffentlich bereits am nächsten Tag auf einer Großveranstaltung in der US-Hauptstadt Washington.
Wochenlang hatten die Clintons Kennedy gedrängt, im Wahlkampf neutral zu bleiben. Doch Ted Kennedy hat sich anders entschieden. Und er hatte seine Gründe dafür. Denn ebendas, was Kennedy zu einem Votum gegen das demokratische Establishment bringt, ist auch das, was viele Liberale in diesen Wochen bewegt. Die Partei und ihre Anhänger durchzieht mit jeder weiteren Wahlkampfwoche ein stetig sichtbarer werdender Riss.
Tatsächlich ist die Entscheidung für oder gegen Hillary oder Obama nicht mehr nur eine Entscheidung über die beste Kandidatin, den besten Kandidaten. Es geht zunehmend mehr um einen grundsätzlichen Politikansatz. Barack Obama hatte dies bei seiner Rede nach dem Erdrutschsieg in South Carolina auf die Formel "Zukunft oder Vergangenheit" gebracht. Und wirklich drängt in diesen Wahlkampfwochen immer mehr die Vergangenheit nach vorn, allerdings sind es die eher negativen Erinnerungen an die Clinton-Präsidentschaft. Und wer erheblich hierzu beiträgt, ist der Ex-Präsident selbst: Bill Clinton.
Clinton, inzwischen 61 Jahre alt, wird regelmäßig von seinem politischen Ego davongetragen, wenn er auf öffentlicher Bühne steht. Bill redet gern und ausführlich, dabei am liebsten über sich und seine Leistungen während seiner Präsidentschaft, er liebt die Pointen, die fein gesetzten Spitzen. Und er weiß die Nadelstiche so geschickt zu platzieren, dass sie viel Raum für Interpretation lassen. Etwa, wenn er zuerst Obama lobt, dann aber beiläufig erwähnt, dass in South Carolina schon früher ein schwarzer demokratischer Präsidentschaftskandidat gewonnen habe, Reverend Jesse Jackson. Was er nicht erwähnt, aber jeder weiß: Jackson hatte zwar zweimal, 1984 und 1988, South Carolina gewonnen, aber die Nominierung jeweils verloren.
Obamas Sieg wird damit so gründlich entwertet, wie es nur geht. Das ist "Clinton-Speak", wie man es aus der Vergangenheit kennt. Aber nicht jeder liebt das. Tatsächlich wird er dafür von vielen gehasst.
Noch mehr Wellen schlug die von beiden Clintons verdrehten Obama-Äußerungen zu Ronald Reagan. In einem Gespräch mit der Zeitung Reno Gazette-Journal hatte Obama den nachhaltigen Einfluss von Reagan auf die amerikanische Politik herausgestellt - und dabei erwähnt, dass lange vorher und nicht mehr seither ein Präsident so sehr die Weichen gestellt habe. Bill und Hillary machten daraus eine Hommage an den Republikaner Reagan durch den Demokraten Obama - um den Senator aus Illinois bei den Parteifreunden zu diskreditieren.
Bill und Hillary sind beide so sehr "political animals", dass sie für ihr Projekt, die zweite Eroberung des Weißen Hauses, alle Register ziehen. Doch viele Beobachter fragen sich inzwischen, was den USA denn für ein Wahlkampf ins Haus steht, sollte Hillary für die Demokraten nominiert werden. In einem Schlagabtausch etwa mit dem alten Schlachtross John McCain könnte es ziemlich unappetitlich werden. Der scharfzüngige Kolumnist Frank Rich von der New York Times prophezeit daher, dass der polarisierende Politikstil des Tandems "Billary" den Republikanern erneut den Weg ins Weiße Haus ebnen könnte.
Die Unterstützung für Obama von Ted Kennedy hat deshalb viel mehr als nur taktisches Gewicht. Gerade vor dem wichtigen Super Tuesday nächste Woche kommt es für Obama darauf an, jenes demokratische Stimmenpaket zu gewinnen, das normalerweise Hillary zufallen würde. Das Wort von Kennedy kann hier eine Tür öffnen. Die Kennedys wollen zweierlei: die Rückkehr der Demokraten ins Weiße Haus und die Überwindung der Spaltung des Landes. Doch so, wie sich Bill und Hillary in den letzten Wochen geben, kann am Ende beides misslingen.






