Währungsturbulenzen: Deutschlands Krisenbewältigung im Rückblick

Währungsturbulenzen: Deutschlands Krisenbewältigung im Rückblick

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Wallstreet, 1929: Weltwirtschaftskrise wird zur Blaupause eines Horrorszenarios

von Anton Riedl

Schulden, Inflation, Depression – wie die Deutschen durch die Wirtschaftskrisen des 20. Jahrhunderts kamen.

Die politischen Umwälzungen nach den beiden Weltkriegen zogen jeweils auch gewaltige ökonomische Turbulenzen nach sich. Damit verglichen, muten die Folgen der Finanzkrise beherrschbar an. Wie kamen Anleger durch die Jahrhundertkrisen?

Hyperinflation

Wie viele andere Länder auch hatte Deutschland die Aufrüstung und den Krieg 1914/18 vor allem über Anleihen finanziert, also mit dem Geld privater Sparer und Anleger. Nach der Niederlage stand dem überbordenden Geld- und Wertpapiervolumen keine intakte Wirtschaft mehr gegenüber. Reparationsleistungen an die Siegermächte kamen hinzu. Der Staat konnte seinen Verpflichtungen nur durch ungebremste Geldschöpfung nachkommen. Im November 1923 war ein Dollar 4,2 Billionen Mark wert. Der Währungsschnitt zur Rentenmark und später zur Reichsmark stabilisierte zwar die Wirtschaft, vernichtete aber Spareinlagen, Anleihen und Lebensversicherungspolicen. Mit der fast vollständigen Entwertung des Geldes wurde uraltes Vertrauen zerstört und ersetzt durch Furcht und Zynismus, resümierte der Historiker Golo Mann: „Auf was war noch Verlass, auf wen konnte man bauen, wenn dergleichen möglich war?“. Dass Aktionäre trotz wilder Schwankungen einen Teil ihres Vermögens retten konnten und Besitzer von Immobilien und Gold gut durch die Inflationsjahre kamen, war für die meisten ein schwacher Trost.

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Weltwirtschaftskrise

Mehr als sechs Millionen Arbeitslose, ein Rückgang der Produktion um fast die Hälfte und große Pleiten wie die der Danat-Bank lassen die Weltwirtschaftskrise von 1929 bis 1932 zur Blaupause eines Horrorszenarios werden. Dennoch, Sparer und Anleger kamen in Deutschland vergleichsweise glimpflich davon, da es Ende der Zwanzigerjahre, anders als 1923, nicht zu einem generellen Währungsschnitt kam. Während in den USA die Aktien nach dem Oktober-Crash von 1929 rund 90 Prozent verloren, hielten sich die Kursrückgänge hierzulande mit gut 50 Prozent in Grenzen. Von Herbst 1932 an drehten die Kurse nach oben. Spargelder, Anleihen und Versicherungen blieben, gestützt durch staatliche Maßnahmen, weitgehend erhalten.

Währungsreform

In Deutschland ist der Begriff, der Sparern anderswo Angst macht, positiv besetzt – mit der D-Mark begann der Wiederaufstieg Deutschlands in den Fünfzigerjahren. Der Tag der Währungsreform selbst, der 20. Juni 1948, war zunächst aber ein extremer Einschnitt in die Vermögen der Deutschen. Bankguthaben, Versicherungen, Aktien und Anleihen verloren 90 Prozent und mehr an Wert. Für die Zeitgenossen waren diese Verluste real, weil Preise, Mieten, Löhne und Gehälter nicht in gleicher Weise umgestellt wurden. An den Börsen beunruhigte zudem die Annahme, dass Aktionäre später noch zu einem Lastenausgleich herangezogen werden sollten. Erst der lange Kursanstieg von 1948 bis 1960 ließ Aktionäre zu den großen Gewinnern nach der Währungsreform werden.

Geldwert als Anker

Vor den Währungsschnitten 1923 und 1948 hatten sich die Staatsschulden jeweils binnen weniger Jahre verzehnfacht. Dafür verantwortlich waren aber keine Wirtschaftskrisen. Beide Finanzkatastrophen waren jeweils die finanzielle Rechnung für einen verlorenen Weltkrieg. Für Anleger lässt sich daran eine Hoffnung knüpfen: Solange die Währung hält, besteht die Aussicht, dass auch die schwerste Krise überwunden wird.

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