
HB NEW YORK/LONDON. Eine Reihe schlechter Nachrichten aus Europa, die vom in Deutschland kurzfristig erlassenen Verbot bestimmter Leerverkäufe bis hin zur Lage in Griechenland reichten, verunsicherten die New Yorker Märkte weiterhin zutiefst. Bei den Anlegern setze einfach Angst und Panik ein, sagte BTIG-Marktstratege Mike O'Rourke. "Eines der Probleme ist, dass die europäischen Politiker im Umgang mit der gesamten Krise einen sehr schlechten Job gemacht haben." Die schwache Antwort auf die Turbulenzen habe das Vertrauen der Investoren zusätzlich untergraben.
Der Dow-Jones-Index der Standardwerte rutschte 3,6 Prozent ab auf 10 068 Punkte. Im Verlauf pendelte er zwischen 10 065 und 10 440 Stellen. Der breiter gefasste S&P-500-Index brach 3,9 Prozent ein auf 1071 Zähler. Der Technologie-Index Nasdaq stürzte 4,1 Prozent ab und notierte bei 2204 Punkten. In Frankfurt schloss der Dax zwei Prozent tiefer mit 5867 Punkten.
Die mit dem deutschen Vorstoß verbundenen Regulierungssorgen trafen vor allem den Banken- und den Rohstoffsektor. Der KBW-Banken-Index büßte mehr als fünf Prozent ein, der S&P-Energie-Index 4,4 Prozent. "Die Leute haben Angst, dass es zu einer neuen Liquiditätskrise kommen könnte, die allen weh tun würde, von Aktien bis Rohstoffen", sagte der Chef von John Thomas Financial, Thomas Belesis.
Für schlechte Stimmung sorgte auch die erstmals seit Anfang April wieder eingetrübte Lage am US-Arbeitsmarkt. Insgesamt meldeten 471 000 Menschen in der Woche zum 15. Mai zum ersten Mal Ansprüche auf Arbeitslosengeld an. Das sind 25 000 mehr als in der vorangegangenen Woche. Analysten hatten aktuell mit 440 000 gerechnet.
Zu den Dividendenpapieren, die im Dow am meisten Federn lassen mussten, zählten Industrie-Schwergewichte. Die Titel von Caterpillar verloren 4,5 Prozent, die von 3M 3,5 Prozent. Hart getroffen wurden die Aktien von Sears Holdings mit einem Minus von knapp elf Prozent. Börsianer stießen das Papier ab, nachdem der Einzelhändler einen Gewinnrückgang um 38 Prozent ausgewiesen hatte. Der weltgrößte Chipausrüster Applied Materials machte zwar trotz Rückschlägen beim Verkauf von Solar-Produkten wieder Gewinne. Dennoch entwickelte sich die Aktie mit dem Markttrend und gab 2,5 Prozent nach.
Als einer der wenigen Gewinner entpuppten sich die Papiere der Haushaltswaren-Kette Williams-Sonoma mit einem Aufschlag von 2,7 Prozent. Die Firma übertraf mit ihrem bereinigten Ergebnis für das erste Quartal die Markterwartungen deutlich.
An der New York Stock Exchange wechselten rund 2,12 Mrd. Aktien den Besitzer. 160 Werte legten zu, 2983 gaben nach und 32 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 3,31 Mrd. Aktien 221 im Plus, 2524 im Minus und 50 unverändert.
An den US-Kreditmärkten stiegen die zehnjährigen Staatsanleihen um 43/32 auf 102-13/32. Sie rentierten mit 3,216 Prozent. Die 30-jährigen Bonds kletterten 84/32 auf 104-26/32 und hatten eine Rendite von 4,094 Prozent.
Preissturz bei Rohöl beschleunigt
Auch der Kurssturz bei Rohöl beschleunigte sich wegen der europäischen Schuldenkrise am Donnerstagabend. Der Preis für ein Fass Rohöl der Sorte WTI zur Lieferung im Juni brach zeitweise um fast acht Prozent auf 64,24 Dollar je Barrel (159 Liter) ein, erholte sich dann aber wieder bis auf 66,60 Dollar. Der Kontrakt läuft an diesem Donnerstag aus. Händler sagten, die Schuldenprobleme einiger europäischer Länder hätten die Nachfrage nach Öl und die Risikobereitschaft der Investoren gedämpft.
Anfang Mai hatte Rohöl noch 87,15 Dollar gekostet. Schwache Arbeitsmarktdaten weckten zudem Sorgen, die USA als weltgrößte Ölverbraucher könnten mittelfristig weniger von dem Rohstoff benötigen. Brent kostete mit 71,07 Dollar 3,6 Prozent weniger als am Vortag.










