Wall Street: US-Analysten hinken hoffnungslos hinterher

Wall Street: US-Analysten hinken hoffnungslos hinterher

Den US-Unternehmen drohen Gewinneinbrüche, doch die Aktienanalysten stecken wieder mal den Kopf in den Sand.

Die enttäuschenden Ausblicke aus den US-Unternehmen häufen sich und ziehen viele Kurse steil nach unten. Yahoo schmierte in wenigen Minuten um zehn Prozent ab, weil die Online-Anzeigen schwächeln. Anzeigen sind ein verlässlicher Frühindikator für die Stimmung in den Unternehmen: Wer erwartet, dass die Leute kaufen, schaltet Werbung. Ebenfalls zehn Prozent verloren McDonald’s, die gute Zahlen, aber eine nur verhaltene Prognose ablieferten.

Als international aufgestellter Konzern ist der Fast-Food-Riese nicht nur auf das US-Geschäft angewiesen, gilt aber doch als Signalgeber für den US-Konsum. Der weltgrößte Paketauslieferer United Parcel Service UPS, dessen Geschäft weltweit noch brummt, steigerte die Nervosität an den Märkten mit dem Hinweis, in der US-Wirtschaft sei deutlich mehr Unsicherheit als vor einem Jahr.

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Logistiker wie UPS und FedEx gelten ebenfalls als wichtige Trendindikatoren. Weiter: Höhere Preise für Rohstoffe wie Milch und Getreide quetschen die Margen von Nahrungsmittelproduzenten wie Kellog’s und Kraft Foods. Sie kündigten Preiserhöhungen an und lieferten damit ein Indiz für die unterschätzte Gefahr, die hinter der nächsten Ecke lauert: die steigende Inflationsrate.

Viele Bankanalysten hinken wieder mal der Realität hoffnungslos hinterher. Ihre Gewinnschätzungen basieren häufig noch auf den viel optimistischeren Erwartungen von vor wenigen Wochen. Jetzt kommen sie mit den Korrekturen kaum nach. Enttäuschungen sind programmiert. Und Blamagen: So stufte ein Analyst der Deutschen Bank das Kursziel für VMware, ein US-Software-Unternehmen, am Dienstag von 90 auf 75 Dollar zurück, behielt aber seine Bewertung „Halten“. Schon das war bizarr, denn der aktuelle Kurs lag bei 83 Dollar. Warum soll ich eine Aktie halten, von der selbst ein notorisch optimistischer Analyst erwartet, dass sie um weitere zehn Prozent fällt? Doch es kam noch schlimmer: Am nächsten Tag knallte der Kurs gleich um mehr als 30 Prozent nach unten. Konsequenterweise müsste der Analyst die Aktie jetzt auf „Kaufen“ stellen. Mal sehen.

Die Vorstände vieler US-Unternehmen, welche die dunklen Wolken am Horizont vielleicht schon klarer wahrnehmen, stecken in einer Zwickmühle: Geben sie den Analysten allzu deutliche Hinweise, dass die für 2008 erwarteten Gewinne möglicherweise viel zu hoch liegen, könnte das ihren Aktienkurs drücken. Warten sie weiter ab, könnte der Kurssturz später umso schlimmer ausfallen. Das Dilemma wird noch eine Weile dauern.

Daran ändert auch die erneute Zinssenkung von US-Notenbankchef Ben Bernanke nichts.

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