Weblog Berlin intern: Der Schwund der CDU-Stammwähler

Weblog Berlin intern: Der Schwund der CDU-Stammwähler

Während die SPD ein Problem mit der Linkspartei hat, leidet die CDU unter der Partei der Nichtwähler. Mit einer Kampagne wollen einige Christdemokraten gegensteuern.

Dass sich CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla auch über kleine Erfolge riesig freut, ist bekannt. Zuletzt bejubelte er das Abschneiden der CDU bei der Hamburger Bürgerschaftswahl als „großen“ Sieg. Allerdings verschwieg er geflissentlich, was der CDU-Spitzenkandidat und Hamburger Bürgermeister Ole von Beust am vergangenen Montag selbstkritisch im Präsidium seiner Partei berichtet hatte: Den Christdemokraten gelinge es nicht, den Schwund ihrer Stammwähler zu stoppen. 16 Prozent der Selbstständigen und Unternehmer, die bei der Bürgerschaftswahl 2004 noch CDU gewählt hätten, seien jetzt ins Lager der Nichtwähler abgewandert, sagte von Beust.

Damit setzt sich ein bedrohlicher Trend fort, und es ist nur ein schwacher Trost, dass die SPD von diesem Prozess noch stärker betroffen ist. Als Lebenslüge ist damit die Behauptung der Stammwähler-Verächter in der CDU-Parteizentrale entlarvt, wonach bürgerlich-konservative Wähler ihr Kreuzchen letztlich brav an der richtigen Stelle machen, unabhängig davon, wie sehr sie sich über die Partei ärgern.

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Immer mehr marktwirtschaftlich und werteorientierte Wähler machen überhaupt kein Kreuzchen mehr. Für sie gibt es zwar keine Alternative – aber wenn das Problem bei der SPD Linkspartei heißt, dann ist es bei der Union die Partei der Nichtwähler. Womöglich droht hier weiteres Ungemach.

Denn inzwischen gibt es einen noch kleinen und verschworenen Kreis ehemaliger CDU-Funktionsträger, die über neue Organisationsformen nachdenken. Sie wollen zwar keine neue Partei gründen, etwa eine Friedrich-Merz-Gruppierung, rechts von der Mitte. Solche Versuche werden schnell mit dem Killer-Etikett „rechts“ belegt.

Aber diese CDU-Anhänger überlegen mit Blick auf die nächste Bundestagswahl, eine Art Bewegung für „Bewusste Nichtwähler der CDU“ ins Leben zu rufen. Dieser Idee zufolge würden am Wahlsonntag enttäuschte bisherige Unions-Wähler ihre Stimm-Unterlagen in einem alternativen Wahlbüro abgeben, um zu dokumentieren, wer alles Union gewählt hätte, wenn die Partei sich nicht so weit von ihrem marktwirtschaftlichen und konservativen Markenkern entfernt hätte.

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