Weblog Boom and Bust: Lähmende Rituale der Tarifpolitik beenden

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Ende der Bescheidenheit bei den Tarifrunden

Die Tarifparteien zanken sich über Prozente, dabei muss eine wachstumsfreundliche Tarifpolitik auf erfolgsabhängige Einmalzahlungen setzen. Und die dürfen durchaus üppig sein.

Die IG Metall darf frohlocken: Der am Donnerstag in Nordrhein-Westfalen erzielte Pilotabschluss für die Eisen- und Stahlindustrie bringt den 85 000 Beschäftigten ab März stolze 5,2 Prozent mehr Gehalt. Das ist der bislang höchste Tarifabschluss in diesem Jahr – und ein willkommenes Signal für die warnstreikenden Beschäftigten im öffentlichen Dienst und alle anderen Branchen, die 2008 neue Tarifverträge aushandeln wollen.

Der Streit um die Prozente, die Analyse von Inflationsraten, Produktivitätssprüngen, Lohntabellen und Verteilungsfragen verhüllt aber leider die zentrale Frage, vor der die deutsche Tarifpolitik steht: Wie müssen sich die Tarifparteien in Zeiten von Globalisierung und wachsendem Konkurrenzdruck aufstellen, um einerseits die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu erhalten, und anderseits den berechtigten Anspruch der Arbeitnehmer auf angemessene Beteiligung zu erfüllen?

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Das traditionelle System der Lohnfindung gibt mit all seinen lähmenden Ritualen da nur unzureichende Antworten. Warum vereinbaren Arbeitgeber und Gewerkschaften nicht mal eine zeitlich befristete Lohnerhöhung, die in Krisenzeiten teilweise abgeschmolzen werden kann? Warum eiern die Gewerkschaften immer noch herum, wenn es um konjunkturabhängige Bonuszahlungen geht?

Eine Kombination von reversiblen oder niedrigen tabellenwirksamen Lohnzuwächsen mit hohen Einmalzahlungen hat einen unschlagbaren Vorteil. Eine solche atmende Tarifpolitik verhindert, dass die Tarifparteien in Boomzeiten massive Zuwächse vereinbaren, die im nächsten Abschwung als neuer Kostenblock wie ein Klotz am Bein hängen. Gleichzeitig haben die Arbeitnehmer mehr Geld in der Tasche: Bescheiden sie sich bei den tariflichen Lohnzuwächsen, muss die Einmalzahlung der Arbeitgeber, zumal in guten Zeiten, natürlich üppig ausfallen.

Die Stahlkocher, die jetzt 5,2 Prozent mehr Geld bekommen, sollten sich darüber nur solange freuen, wie der Boom in der Branche anhält. Sobald die Weltkonjunktur abkühlt und die Stahlnachfrage schrumpft, werden sich die Konzerne ihre Kostenstruktur ansehen – und nicht wenige Beschäftigte dürften ihr Geld danach von der Bundesagentur für Arbeit erhalten.

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