Weblog Boom and Bust: Trügerische Hoffnung auf den Konsumboom

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Die Sparquote in Deutschland steigt seit 2000 deutlich an

Die Deutschen wollen ihre Kaufzurückhaltung nicht ablegen. Der Konsum war zuletzt schwach wie lange nicht. Das wird auch so bleiben – denn es gibt gute Gründe dafür.

Wer gehofft hatte, die Deutschen würden endlich ihre Kaufzurückhaltung aufgegeben, sah sich eines Besseren belehrt: Das Statistische Bundesamt meldete vergangene Woche, dass der private Konsum im Schlussquartal 2007 saisonbereinigt um 0,8 Prozent zum Vorquartal zurückgegangen sei – das schlechteste Ergebnis in einem vierten Quartal seit sechs Jahren. Dass die Wirtschaft überhaupt noch gewachsen ist, verdanken wir wieder einmal dem Export, der um 1,3 Prozent zulegte, und den Investitionen. Für Ausrüstungen wie Maschinen oder Autos gaben die Unternehmen 3,4 Prozent mehr aus.

Auf beides können wir uns aber nicht mehr verlassen: Der Export dürfte angesichts eines hohen Euro-Kurses von 1,50 Dollar und einer schwächelnden Weltkonjunktur 2008 an Kraft verlieren. Und die Investitionen haben im vergangenen Quartal nur deshalb so stark zugelegt, weil Abschreibungsvergünstigungen zum Jahreswechsel ausliefen.

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Also wird 2008 der Konsum die Wirtschaft über Wasser halten müssen. Aber wie? In den vergangenen Jahren haben die Deutschen ihr Geld verstärkt auf die hohe Kante gelegt statt es auszugeben – die Sparquote ist kräftig gestiegen und liegt wieder auf dem Niveau von Mitte der Neunzigerjahre. Und der Konsumklimaindikator der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zeigt, dass sich dieser Trend wohl erst einmal fortsetzen wird: Sein Wert für März dümpelt bei 4,5 Punkten, vor allem die Anschaffungsneigung ist geradezu eingebrochen – von minus 8,8 auf minus 15 Punkte. Die meisten Deutschen halten es derzeit also nicht für ratsam, neue Schrankwände oder Autos zu kaufen.

Und sie haben recht, trotz der Chance auf hohe Lohnabschlüsse: Weil steigende Preise einen Gutteil der Zuwächse auffressen werden. Weil kräftige Lohnsteigerungen gerade in schwierigen Zeiten die Wettbewerbsfähigkeit der Jobs bedrohen – was aktuell durch die Schockmeldungen vom Abbau Tausender Arbeitsplätze bei BMW, Siemens oder Henkel unterstrichen wird. Und weil ohne zusätzliche Vorsorge vielen Altersarmut droht. Die Liste ließe sich fast beliebig fortsetzen. Konsumparadies Deutschland? So lange der Staat sich nicht zurücknimmt und den Menschen netto mehr in der Tasche lässt, wird das nie was.

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