Weblog: Buchtipp. Und sie bewegt sich doch

Weblog: Buchtipp. Und sie bewegt sich doch

Wissen Sie, was Sie begeistert, aus welchen Quellen Sie Energie schöpfen und wo Ihre kreativen Stärken liegen? Wenn nicht, wird es Zeit. Denn unsere Arbeitswelt werde von einer Revolution erschüttert.

Wer diese Fragen nicht beantworten kann, ist bei der nächsten Entwicklungsstufe der Wirtschaft nicht dabei. Das glauben jedenfalls Imke Keicher und Kirsten Brühl. Ihr jüngstes Buch "Sie bewegt sich doch!" ist ein lehrreicher Ausflug in die neue Arbeitswelt der Kreativarbeiter und deren Gegenentwurf zur Angestelltenkultur. Ihre Protagonisten sind nicht nur Anhänger der flippigen Berliner Milchkaffee-Avantgarde. Zu den neuen Kreativarbeitern gehören alle, die sich und ihr Produkt immer wieder neu definieren wollen. Zu dieser Gruppe rechnen Keicher und Brühl mehr als 15 Prozent der in Deutschland Beschäftigten: Landschaftsgärtner wie Chemiker, Manager, Zahnärzte und Ingenieure, die Gruppe, die Richard Florida auch in seinen Bestsellern über die "Creative Class" beleuchtet hat. Kein Wunder, dass gerade er in dem Buch auch immer wieder zitiert wird. Vieles was die Autorinnen schreiben, hat er auch schon so oder ähnlich formuliert. Interessant ist es dennoch, zudem oft mit aktuelleren Studien belegt. Weltweit nimmt der Wettbewerb zu. Die Preise für Produkte und Dienstleistungen fallen. Vielen Unternehmen bleibt nur, sich mit Innovationen und Mehrwert zu differenzieren. Dafür brauchen sie Menschen mit frischen Ideen. Kreativarbeiter, die mal frei und mal fest angestellt arbeiten, suchen nach einem inspirierenden, multikulturellen, toleranten Umfeld. Sie eint, dass sie von einem inneren Anliegen getrieben werden: Sie haben ihre "Uniquability" gefunden, ihren individuellen Mix aus Stärken, Talenten und Leidenschaft. Sie kennen Antworten auf die Fragen: Wie will ich leben? Mit wem will ich arbeiten? Was ist meine Botschaft? Ihre Einzigartigkeit ist der Rohstoff, mit dem sich Unternehmen voneinander absetzen. Nur ist dieser Rohstoff ohne Beziehungen zu Mitarbeitern, Auftraggebern, Kunden und Geschäftspartnern wertlos. Beziehungen sind der wahre Schmierstoff der kreativen Wirtschaft. Doch für lebendige Beziehungen reicht kein dickes Adressbuch. Es bedarf Empathie, also Einfühlungsvermögen. Wer im Markt innovativ sein will, muss sich in die Lebenswirklichkeit seiner Kunden eindenken können. Wer kreativer werden will, braucht Inspiration und Freiräume. In den besten Unternehmen werden deshalb Künstler zum Gespräch mit Angestellten eingeladen. In solchen Firmen ist Stechuhrmentalität eine Haltung von gestern. Aber es ist nicht nur die Aufgabe von Unternehmen, Kreativitätsinseln zu schaffen, wo sich Menschen austauschen und Ideen entwickeln können. Jeder muss eigenverantwortlich nach Antworten suchen: Welche Umgebung fördert meine Offenheit? Was blockiert mich? Lösungen geben sie nicht. Keicher und Brühl ermuntern dazu, eigene Antworten zu suchen: Denn "Patentrezepte gibt es für die Arbeit der Zukunft nicht mehr". Das ist vielleicht die wichtigste Botschaft der Autorinnen. Das kreative Zeitalter braucht Menschen, die etwas über sich wissen und die Verantwortung für ihre Lebens- und Arbeitsgestaltung übernehmen - nicht immer alleine, aber stets eigenverantwortlich.

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