Weblog : Sachdienlicher Hinweis: Gründertagebuch

Weblog : Sachdienlicher Hinweis: Gründertagebuch

Die Gewinner des letzten WiWo-Gründerwettbewerbs schreiben ein Tagebuch im Heft. Am Montag erscheint die nächste Folge. Hier vorab ein paar Erlebnisse aus der Welt des Kölner Social Fashion Labels Armedangels.

Vor etwas über einem Jahr gründeten Anton Jurina, 28, und Martin Höfeler, 25, ihr Unternehmen Armedangels. Seit die Kölner das Gründertagebuch in der WirtschaftsWoche schreiben, haben viele Magazine, Zeitungen und Fernsehsender über sie berichtet. Demnächst sollen ihre Hemden auch deutschlandweit in kleinen Boutiquen liegen, bisher sind sie nur im Internet zu haben.

Mitgründer Anton Jurina berichtet aus seinem Gründeralltag. (Mehr Infos zum WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerb...)

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9. November

Unsere Investoren wollen Zahlen sehen. Als wir uns in den vergangenen Tagen intensiver mit unseren Ergebnissen beschäftigt haben, mussten wir feststellen, dass die Lücke zwischen unseren Zielen und der Realität auseinanderklafft. Eine Million Euro Umsatz haben wir uns für 2008 vorgenommen – davon sind wir weit entfernt. Ich ziehe mich mit Martin in den Konferenzraum zurück. Es ist mitten in der Nacht, als wir zu einem Ergebnis kommen: Wir wollen eine Firmenkollektion entwickeln, Hemden für Unternehmen mit ihrem Slogan, ihrem Logo auf ökologisch hergestellten, fair gehandelten Klamotten. Regelmäßige Aufträge mit hohen Stückzahlen würden uns finanzielle Sicherheit geben, während wir uns mit dem Markenaufbau von Armedangels beschäftigen. Außerdem wollen wir unsere Produktpalette erweitern. Ein Sommerkleid kommt ins Programm und eventuell eine Jeans.

13. November

Ein Journalist der ARD hat angerufen. Die Redaktion „Echtzeit“ will eine zehnminütige Reportage über unser Unternehmen drehen. Eine Million Zuschauer für Armedangels. Darauf wird angestoßen!

22. November

Martin hat die entscheidenden Ideen für unsere Corporate

Collection entwickelt. Es gibt bereits diverse Anbieter. Unser Plan: Wir drucken nicht einfach Firmenlogos auf Hemden. Wir wollen ein individuelles Design für die Kooperationspartner entwerfen und auf unsere fair gehandelten und ökologisch produzierten Hemden drucken. Das gibt es in Deutschland noch nicht.

23. November

Zum Preis des WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerbs gehört die Beratung der Kreativagentur Jung von Matt. Die haben wir schon mehrfach in Anspruch genommen. Heute haben uns die Werber ihren Vorschlag für eine Marketing-Strategie präsentiert. Wir sollen eine ältere Zielgruppe ansprechen, mit einem erwachseneren Design. Ich finde die Idee super. Aber richtig begeistert bin ich von einer neuen, sehr aufmerksamkeitsstarken Kampagne, die uns die Werber vorschlagen, der genaue Plan ist noch geheim. Allerdings bedeutet die Idee auch viel Arbeit. Und unser Team Sanda (Produktmanagement), Nathalie (Entwurf), Philipp (Texte) ist schon am Limit seiner Kräfte. Wir brauchen dringend Verstärkung.

30. November

Die französische Friseurkette Mod’s Hair hat unterschrieben, wir produzieren unsere erste Corporate Collection. Die Stückzahl ist nicht so hoch, wie wir gehofft hatten – aber für einen Praxistest ist die Auftragsgröße genau richtig.

11. Dezember

Als erster Schritt zur Produkterweiterung sind heute unsere neuen Kapuzenpullis geliefert worden. Damit wollen wir unser Weihnachtsgeschäft auf Touren bringen.

15. Dezember

In der Post liegen gute Nachrichten. Die KfW hat unseren Antrag auf einen Gründerzuschuss für Beratungsleistungen bewilligt. Mit 3000 Euro wird nun unsere PR-Beratung bezuschusst.

18. Dezember

Seit dem ARD-Bericht nehmen die Bestellungen kein Ende. Wir kommen mit dem Packen kaum hinterher. Überall im Büro stapeln sich Kartons. Das Weihnachtsgeschäft läuft.»

20. Dezember

Noch eine vorweihnachtliche Überraschung: ein Brief von der Sparkasse. Wir wurden für einen der renommiertesten Startup-Wettbewerbe des Landes vorgeschlagen, den „Deutschen Gründerpreis“, den die Sparkassen zusammen mit dem „Stern“, Porsche und dem ZDF ausrichten. Wir fahren sofort zur Registrierung.

18. Januar

Ich ziehe mich zur monatlichen Zahlenprüfung zurück. Zwischen November und Dezember haben wir den Umsatz um 300 Prozent gesteigert. Dezember ist der erste Monat, in dem wir operativ Geld verdient haben. Nicht viel, aber immerhin! Am Nachmittag meldet sich die Agentin der Hip-Hop-Band „Die Fantastischen Vier“. Die Stars sind bereit, unsere Shirts zu tragen, jetzt müssen wir sie nur noch fotografieren. Ein Riesenerfolg unserer PR-Arbeit!!!

12. Februar

Martin hat heute Studiengebühren bezahlt. Sein BWL-Studium ist immer noch nicht fertig. 650 Euro sind viel Geld dafür, dass er nicht richtig weiterkommt. Aber er gibt die Hoffnung nicht auf. Im Wintersemester will er seine letzten Klausuren schreiben. Doch statt zu studieren, fliegt er zunächst zu unserem Produktionspartner nach Portugal. Er holt die Musterteile für die nächste Kollektion ab. Es ist wichtig, dass wir den Produzenten endlich einmal persönlich treffen. Wir arbeiten schon Monate mit ihm zusammen und er ist der zuverlässigste unserer Partner. Verlässlichkeit ist selten bei den Fairtrade-Produzenten. Trotzdem werden wir in diesem Jahr noch mit einer Produktionsstätte in Indien zusammenarbeiten. Es ist riskant, nur auf einen Hersteller zu setzen. Fällt der mal aus, steht bei uns das Geschäft still. Die Inder sind für uns auch deswegen interessant, weil sie ein Netz von Fairtrade- und Öko-Bauern aufbauen.

13. Februar

Die Muster-Hemden der neuen Kollektion sind da, sie sehen spitze aus, und die Qualität übertrifft unseren Erwartungen bei Weitem. Ich finde die Designs frischer und erwachsener.

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