Weibliche Topmanager: Quatsch mit Quote

KommentarWeibliche Topmanager: Quatsch mit Quote

Die EU-Kommissarin Viviane Reding will mit Hilfe einer verbindlichen Quote bis zu 40 Prozent der Aufsichtsräte in europäischen Unternehmen mit Frauen besetzen. Eine fatale Idee - sie würde Mittelmaß Tür und Tor öffnen. Ein Kommentar von Manfred Engeser.

Weibliche Topmanager

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Manager auf dem Weg zur Arbeit.

Jetzt also auch aus Brüssel: Viviane Reding, EU-Kommissarin für Justiz- und Gleichstellungsfragen, fordert eine Frauenquote.

Ihr Wunsch: Ein neues Gesetz soll dafür sorgen, dass in den kommenden zehn Jahren der Frauenanteil in Aufsichtsräten europäischer Unternehmen auf 40 Prozent steigt.

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Zugegeben: Frauen sind in den Top-Etagen der Wirtschaft kaum vertreten. In Deutschland sind gerade mal 13 Prozent aller Aufsichtsräte Frauen, in den Vorstandsgremien der 30 größten börsennotierten Unternehmen findet sich gerade mal eine Frau. Und nur drei Prozent aller Vorstandschefs großer europäischer Unternehmen sind nach Redings Statistik weiblich.

Dabei hat die Unternehmensberatung McKinsey ausgerechnet, dass Unternehmen mit hohem Frauenanteil im Top-Management messbar erfolgreicher sind: Die Eigenkapitalrendite liegt um zehn Prozent, der Gewinn um 48 Prozent höher und der Aktienkurs soll um das 1,7-Fache schneller wachsen als bei Unternehmen, die Frauen in der Top-Etage nur zum Kaffeekochen und Diktat einsetzen.

Nur: Eine Frauenquote brauchen wir deswegen nicht.

Eine Frauenquote ist ungerecht und fördert Mittelmaß

Diese wäre so sinnvoll wie der Versuch, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben. Denn sie ist ungerecht und fördert Mittelmaß.

Warum?

Erstens: Eine Quote zugunsten der einen Gruppe ist immer auch eine Diskriminierung einer anderen. Geht es darum, eine Stelle zu besetzen – egal, ob an der Pforte, im Vorzimmer der Macht oder im Chefsessel selbst – kann nur eines zählen: die Qualität des Bewerbers.

Soll heißen: Wer, wie die Mehrzahl der Studentinnen, lieber Kommunikationswissenschaften oder Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Marketing studiert als Elektrotechnik oder Maschinenbau, weil er sich nicht die Bohne für Zahlenakrobatik oder technische Zusammenhänge interessiert, muss sich nicht wundern, wenn der Finanzvorstand von Salzgitter oder der Technikvorstand von Volkswagen auch künftig eine männliche Domäne bleiben wird.

Zweitens heißt das auch: Wer die Frauenquote will, tut niemandem einen Gefallen. Nicht den besseren, wegen der Quote ausgebooteten Männern oder Angehörigen anderer, unter Naturschutz stehender Gruppierungen.

Und schon gar nicht den Frauen, die es gar nicht nötig haben, sich als Quotenfrau beschimpfen zu lassen. Sondern die die viel zitierte Glasdecke auch ohne Quotenhammer zertrümmert hätten. Diese topqualifizierten Frauen werden auch nicht nach einer Quote rufen.

Sie brauchen schlichtweg keine – weil sie stark und schlau genug sind. So wie Carla Kriwet: Die Linde-Managerin führt ab 2011 das Marketing- und Vertriebsressort bei Drägerwerk. Und zwar nicht, weil der Medizin- und Sicherheitstechnik-Hersteller eine selbst oder von irgendeinem Gesetzgeber in Berlin oder Brüssel auferlegte Frauenquote zu erfüllen hatte. Sondern weil Frau Kriwet unter allen in Frage kommenden Männern und Frauen schlicht der beste Kandidat für den Posten war, den Drägerwerk bekommen konnte.  Davon bitte mehr.

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