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Welchs Welt: Minderleister vergiften das Klima

von Jack und Suzy Welch

Jack und Suzy Welch beantworten heute folgende Frage: "Was machen Sie mit einem Arbeitnehmer, dessen Leistungen sich von 'absolut spitze' zu 'kaum noch wahrnehmbar' gewandelt haben? Ich habe mit dem Betreffenden schon mehrfach gesprochen, aber seit einem halben Jahr ändert sich nichts, im Gegenteil: Er verursacht zunehmend Unruhe im Team."

Jack und Suzy Welch Quelle: Brad Trent
Jack und Suzy Welch Quelle: Brad Trent

Sechs Monate Warnzeit erscheinen uns ein bisschen kurz für jemanden, der einst zu den Top-Leistungsträgern zählte. Dennoch müssen wir Ihnen leider empfehlen, den betreffenden Mitarbeiter zu feuern.

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Was Sie erleben, ist ein Klassiker in jeder Organisation. Solche Mitarbeiter gibt es überall. Und es gelingt nur selten, ihren eingeschlagenen Kurs noch einmal herumzureißen – und zwar bevor derjenige beginnt, seine negative Energie auf die Kollegen zu übertragen und sie mit seinem schlechten Beispiel anzustecken. Wir haben das Dutzende Male gesehen: Minderleister vergiften das Klima!

Bieten Sie neue Herausforderungen

Verstehen Sie uns nicht falsch: Wir sagen nicht, dass sich Manager sofort von jedem Minderleister trennen sollten. Manchmal rennen auch die Besten vor eine Wand und brauchen Zeit und Führung, um sich wieder zu berappeln. Vielleicht muss derjenige gerade eine private Krise bewältigen, eine Scheidung überstehen oder eine schwere Krankheit. Oder aber derjenige langweilt sich in seinem längst zur Routine erstarrten Job und braucht deshalb dringend eine neue Herausforderung.

Für all das sollten Sie Verständnis zeigen und Geduld haben. Dennoch wissen wir, dass solche vorübergehenden Phasen eher die Ausnahme sind als die Regel. Typischer ist, dass die einstigen Leistungsträger für eine lange, eine sehr lange Zeit ausfallen.

Viele ruhen sich auf ihren Lorbeeren aus

Der Grund dafür ist eigentlich ziemlich trivial: Sie denken, sie können sich das leisten. Solche Leute glauben, ihre bisherigen Erfolge wirken wie ein Schutzschirm. Und ganz häufig stimmt das ja auch. Viele Organisationen beschäftigen heilige Kühe: den Wissenschaftler, der vor 15 Jahren die Killerkomponente entdeckt hat, auf der das Unternehmen bis heute maßgeblich aufgebaut ist; den Art Director, der einst hochdotierte Preise gewann.

Oder den Vertriebler, dessen größter Wert sein einziger, aber enorm wichtiger Kunde ist. Egal, welche Gründe es auch gibt: Irgendwann beginnt so jemand, sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen und Stück für Stück weniger zu leisten. Und solange nichts passiert, außer ein bisschen Geplänkel ohne ernsthafte Konsequenzen, wird sich diese Negativspirale verselbstständigen.

Verheerende Wirkung auf Neueinsteiger

Das Kernproblem an dieser Dynamik ist, dass solche Mitarbeiter in den Augen mancher Kollegen Helden sind – vor allem für diejenigen, die schon länger dabei sind. Entsprechend hat ihr Verhalten oftmals Vorbildcharakter. Im Guten wie im Schlechten. Für Neueinsteiger hingegen kann das Beispiel noch viel verheerendere Wirkung haben. Sie lernen daran, wie das Unternehmen mit Mitarbeitern verfährt, die praktisch eine Null-Performance bieten: Sie beschäftigen sie weiter.

Warum also sollte man sich dann selbst noch anstrengen? So kann sich durch nur wenige Minderleister der gesamte Arbeitsrhythmus einer Organisation rasant verschlechtern.

Entsprechend gibt es für Sie nur zwei Optionen: Entweder, derjenige verändert sein Verhalten sofort, was nicht danach aussieht. Oder Sie lassen ihn weiterziehen, damit er ein anderes Unternehmen findet, dass ihn wieder aufweckt. Der zweite Effekt ist aber noch wichtiger: Sie zeigen Ihren Leuten, dass vergangene Erfolge nichts sind, auf dem man sich ausruhen kann.

16 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 10.09.2009, 22:16 UhrAnonymer Benutzer: Manfred Wester

    > Kann man gutfinden - finde ich aber eine sehr eindimensionale Sicht.

    Naja, ihre Darstellung ist nun auch nicht gerade ein beispiel für multidimensionale Sicht.
    Denn natürlich sind Unternehmen keineswegs ausschließlich dazu da, "Profit zu machen". Das wäre ja allein deshalb schon Unsinn, weil damit der Profit zum Selbstzweck wird.

    Sie sollen vielmehr einen Gesellschaftsvertrag erfüllen, der, stark vereinfacht, darauf hinausläuft, daß die Gesellschaft es Unternehmern gestattet, sich überdurchschnittlich hohe - de facto unbegrenzt hohe - Einkommen ("Profite") zu privatisieren, weil sie dadurch einen Anreiz zu schaffen glaubt, beste Produkte zu günstigsen Preisen dem Volk zu verschaffen.

    Andere Volkswirtschaften aus Geschichte und Gegenwart legten da - mehr oder weniger erfolgreich - andere Modelle zugrunde, in denen diese Form des Finanzliberalismus mehr (z.b. während des europäischen Absolutismus) oder weniger (z.b. während der chinesischen Kulturrevolution) ausgeprägt waren.

    Ob nun das gegenwärtige Gesellschaftsmodell insofern erfolgreich ist, indem es seinen Zweck erfüllt, das darf durchaus bezweifelt werden - beispielsweise dort, wo Firmen mehr Aufwand darin investieren, Konkurrenten auszuschalten, als in die Entwicklung verbesserter Produkte zu günstigeren Preisen.

    Ob also beispielsweise westliche Muster-industrien diesem Vertrag nachkommen (nennen wir der Einfachheit halber mal die Musikindustrie, die Pharmaindustrie und die Automobilindustrie), oder ob sie hingegen bei stets erheblich steigenden Preisen nur marginale Produktverbesserungen umsetzen, das steht sehr in Frage.

    Ob sich unsere Gesellschaft also einen großen Gefallen damit tut, eine Firma wie, beispielsweise die Hypo Real Estate nicht nur weiter vor sich hinwurschteln zu lassen, sondern sogar noch mit Steuergeldern vor der eigenen Unfähigkeit zu bewahren, das kann durchaus bezweifelt werden.

  • 10.09.2009, 15:45 UhrAnonymer Benutzer: Jochen Mai

    @Gast (der sich nicht traut namentlich zu seiner Meinung zu stehen): Sie übersehen da was! Der Zweck von Unternehmen ist nicht, Menschen zu beherbergen und ihnen ein Auskommen zu sichern, sondern der Profit zu machen. Und als Arbeitnehmer haben Sie einen Vertrag unterschrieben, der den fairen Austausch von Leistung gegen Geld sichert (Wenn Sie den Vertrag dennoch unfair finden, drängt sich die Frage auf, warum Sie ihn unterschrieben haben - ist aber eine andere Geschichte).

    "Minderleister" kommen qua Definition diesem vertraglich geregelten Leistungsumfang nicht länger nach. Überspitzt könnte man auch sagen: Sie begehen einseitigen Vertragsbruch. insofern kann man durchaus wie Jack Welch argumentieren, sich früher oder später von diesen Leuten zu trennen. Er selbst räumt dabei ja durchaus eine gewisse Karenz- und Kommunikationsphase ein.

    Mich wundert allerdings die süßliche "Menschsein"-Argumentation. Klar, ist man im Unternehmen auch Mensch. Aber ich möchte Sie mal erleben, wenn Sie ein Auto kaufen, bei dem die bremsen nicht funktionieren, weil ein Mitarbeiter gerade meint, lieber Mensch als Leistungsträger zu sein und seinen vertraglichen Verpflichtungen deshalb nicht mehr nachkommt. Kann man gutfinden - finde ich aber eine sehr eindimensionale Sicht.

  • 09.09.2009, 11:33 UhrAnonymer Benutzer: Horst Ernst

    Was ist das nur wieder für ein Quatsch-Artikel.
    Diese neoliberale Dampfplauderei von den pauschal herbeidefinierten "Minderleistern" ist doch durch diverse Studien längst widerlegt. Nahezu alle Firmen, die ihr Mitarbeiter-bewertungssystem in den 80er und 90er Jahren auf Welchs "Philosophie" umgestellt haben, sind davon mittlerweile wieder abgerückt - wegen Erfolglosigkeit.

    So wurden genau diejenigen Manager, die andere in "Leister" und "Minderleister" einteilen, selbst zu "Minderleistern".

    Was soll das alles bringen?

    Es bleibt das Gerede eines Management-Opas, der die Thesen aus dem letzten Jahrtausend als sein Erbe zementieren möchte. Warum die Wiwo ihm bei derart unseriösem Unsinn hilft, bleibt unverständlich. Vermutlich verlangt er kein Honorar :-)

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