Welchs Welt: Neue Regeln bei der Suche nach Mitarbeitern - Seite 2

Welchs Welt: Neue Regeln bei der Suche nach Mitarbeitern

2
Gründer Sergey Brin (links) und Larry Page (rechts) mit Vorstandschef Eric Schmidt Quelle: Laif
Google-Lenker: Gründer Sergey Brin (links) und Larry Page (rechts) mit Vorstandschef Eric Schmidt Quelle: Laif

Bei einem kleinen Unternehmen zu arbeiten oder selber zu gründen hat echte Vorzüge – und die Konzerne müssen diese imitieren. Teams müssen kleiner, Hierarchien flacher und die Werte Offenheit, Zwanglosigkeit und Innovation ein integraler Bestandteil der neuen Unternehmenskultur werden.

Quer durch das ganze Unternehmen müssen die Menschen fühlen können, dass das, was sie sagen, wirklich eine Rolle spielt – ganz unabhängig von ihrem Rang und Titel. Und – das ist vielleicht am wichtigsten – die Unternehmen müssen einsehen, dass ihre besten Mitarbeiter nicht länger auf neue Entscheidungsbefugnisse und Anerkennung für gute Leistungen warten werden, wenn die wirtschaftliche Erholung beginnt. Die Alternative, seine eigene Show hochzuziehen, wird dann zu reizvoll sein.

Wir sagen nicht, dass große Unternehmen in dieser Arena nicht schon vorher kämpfen mussten. In den pulsierenden Neunzigerjahren vor dem Platzen der Dotcom-Blase sind MBA-Absolventen in einer nie da gewesenen Größenordnung in die Internet-Unternehmen ins Silicon Valley geströmt. Aufstrebende Branchen locken immer Talente an.

Die Auswahlkriterien haben sich geändert

Aber die kommende Dynamik wird kein vorübergehender Trend sein. Diese Rezession hat eine tiefe Narbe in der Psyche der Beschäftigten hinterlassen. Vorherige Krisen entwickelten sich langsamer, entlassen wurde scheibchenweise. Und die Menschen machten nicht in erster Linie die Unternehmen, insbesondere nicht die großen Konzerne, für die Fehler verantwortlich.

Nun hat sich etwas Fundamentales geändert – und das wird sich darin widerspiegeln, wie die Menschen ihre nächsten Jobs auswählen.

Aber ist das eine schlechte Nachricht?

Genau genommen könnte es sogar das Gegenteil sein. Unserer Wirtschaft wird nur geholfen, wenn noch mehr Menschen zu Unternehmern werden. Wenn sie nicht zu hart besteuert werden, avancieren ihre Startups zum Motor für neue Jobs. Und Konzerne werden nur dann Fortschritte machen, wenn sie sich auf die unternehmerischen Mitarbeiter einstellen. In der Volkswirtschaft der Zukunft werden Tempo, Flexibilität und Innovation entscheidender sein als jemals zuvor.

Nein, wir können nicht genau vorhersagen, wann diese schreckliche Rezession zu Ende sein wird. Alles, was wir wissen, ist, dass sie irgendwann einmal vorbei sein muss. Und dann werden die neuen, mutigen Beschäftigten den Ton angeben. Und nur die neuen, mutigen Unternehmen werden sie an sich binden können.

Zu diesem Artikel
9 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 19.07.2009, 22:05 UhrAnonymer Benutzer: msenz

    Fortsetzung :
    Kammern und Vorschriften stellen hier aber teilweise völlig überzogene Hürden auf, die diesen Gründern/ Unternehmern den Weg schwer manchmal sogar unmöglich machen.
    Sie sind Unternehmer. Daher sollten Sie sich doch eher fragen, was in deutschen Unternehmen auf den Führungsebenen schief läuft, wenn so viele Menschen aus dem Job fliehen möchten. Meine These: Unternehmensführer sind in der Regel „Kontrollfreaks“, die die Entwicklung unserer Zeit, welche mehr Loslassen und Vertrauen in die Mitarbeiter fordert, nicht in den Griff bekommen. Früher haben die Menschen "Führer" gesucht, heute wollen sie sich entwickeln, entfalten und so ins Unternehmen und in die Teams einbringen. Die Chefs, die in der Lage sind, sich hierauf einzustellen und dies zu verstehen, sind in meinen Augen die Gewinner der Zukunft. in ihren Unternehmen wird sich jeder Mitarbeiter gleichzeitig wie sein eigener Chef wie auch als wertvolles Teil des Ganzen fühlen. ich kann nur wünschen, dass die Kontrollfreaks bald Vergangenheit sein werden.
    ich bin Managementassistentin und beobachte seit Jahren in unterschiedlichen Unternehmen, dass Manager und Unternehmensführer diese Entwicklung nicht wahr haben wollen, was wirklich sehr schade und schädlich für unsere Gesellschaft ist.

  • 19.07.2009, 22:04 UhrAnonymer Benutzer: msenz

    Herr Schmidt,
    Sie drehen sich ja wie ein Fähnchen im Wind. J Vom zynisch Lachenden über den erfahrenen Unternehmer plötzlich zum befürworter der Ausweitung Unternehmensgründungen. Wenn Sie bei mir ein Vorstellungsgespräch führen würden und würden sich dort so winden, würde ich ihnen keinen Job geben. Dies nur als kleine Zynismusretourkutsche für ihre anfängliche Reaktion auf diesem Artikel. :-)
    Nehmen wir mal an, dass tatsächlich 80 % (angenommener Mittelwert der hier angeführten Zahlen) der Startups scheitern, dann wäre es doch mal interessant, diese mit den gescheiterten Existenzen auf Ebene der Angestellten/ Arbeiter zu vergleichen. Umfragen zeigen, dass sich ein Großteil der Deutschen in ihrem Job nicht mehr wohl fühlen und sich - wenn überhaupt -noch mit dem Unternehmen aber selten noch mit ihren Vorgesetzten identifizieren können. Dass sie öfter Stellen wechseln als früher ist kein Geheimnis. Angst vor Jobverlust hält viele davon ab, sich zur Wehr zu setzen. Nichtmotivierte bis hin zu sabotierende Mitarbeiter stellen für Unternehmen ein hohes Risiko dar und führen zum jeweils entsprechenden Schaden. Das wissen Sie als Unternehmer sicher gut. Wenn ein Mitarbeiter ersetzt werden muss, weil er das Unternehmen verlässt, so kommt ein weiterer Aufwand auf das Unternehmen zu. Der schlechte Ruf als Arbeitgeber ist ebenfalls schädlich für Unternehmen. Von daher würde ich nicht ausschließen, dass der Schritt in die Selbständigkeit kein höheres Risiko für die Volkswirtschaft darstellt als das verharren in einer ungeliebten Stellung und die Folgen daraus. Wo ich ihnen allerdings Recht gebe ist, dass eine fundierte betriebswirtschaftliche Ausbildung das Scheitern verhindern kann. Jedoch gibt es im fachlichen bereich, in dem die Deutschen oft zu steif sind, viele beispiele, wo Quereinsteiger große Erfolge aufweisen, weil sie den konventionellen Pfad verlassen und dort ihre Nischen finden.

  • 18.07.2009, 21:58 UhrAnonymer Benutzer: Syndikus

    ich habe schon einmal an anderer Stelle geschrieben, dass die Selbstständigkeit kein leichtes Unternehmen ist. Die meisten vielversprechenden Pojekte enden im Prekariat. Die potenzeillen Kunden wissen um die Konkurrenzdichte und machen unerbittlich Druck. in Grossfirmen hat es der Freiberuflicher nicht mehr mit den Entscheidern, sondern mit der Einkaufsabteilung zu tun. Der Freiberufler muss nicht nur ein ausgezeichneter Verkäufer seines Produktes und seiner Selbst sein, sondern auch kaufm. und andere Dinge, die mit Zahlen zu tun haben, beherrschen. Aber vieles hängt vom Produkt/Dienstleistung ab: Daher ist eine Martktstudie vor der Selbstständigkeit unerlässlich. Und ohne adäquates Eigenkapital läuft überhaupt nichts, ohne Unternehmerpersönlichkeit auch nicht.

Alle Kommentare lesen

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche