_

Welchs Welt: Neue Regeln bei der Suche nach Mitarbeitern

von Jack und Suzy Welch

Wann wird diese Rezession aufhören?

Jack und Suzy Welch Quelle: Brad Trent
Jack und Suzy Welch Quelle: Brad Trent

So ungefähr im Jahr 2010. Leider ist es schwierig, das Ende präziser vorherzusagen. Einerseits gibt es viele Anzeichen dafür, dass die Wirtschaftslage sich nicht weiter verschlechtern wird und dass – wie einige beobachtet haben – bereits erste grüne Triebe zwischen dem Schotter der Krise sprießen. Andererseits dämpfen drohende Defizite und geplante Regierungseingriffe unseren Optimismus über Ausmaß und Geschwindigkeit der wirtschaftlichen Erholung. Unser Ausblick muss deswegen ein wenig vage bleiben.

Anzeige

Sehr viel konkreter können wir aber werden, wenn wir vorhersagen sollen, was Unternehmen erwarten können, wenn die Wirtschaft sich endlich erholt: Es wird neue Regeln bei der Suche nach Mitarbeitern geben. Die Jagd nach Talenten ändert sich – und sie wird härter.

Das Ergebnis? Viele Menschen möchten nicht mehr für Herrn XY arbeiten, sondern für sich selber oder jemanden, den sie kennen und dem sie vertrauen. Eine Marketingspezialistin aus Boston hat uns das neulich so erklärt: „Mein Mann wurde gefeuert. Meine Stundenzahl wurde halbiert. Sobald wir wieder auf die Beine kommen, starten wir unser eigenes Unternehmen. Wir werden uns nie wieder dermaßen ausliefern und angreifbar machen.“

Sie ist nicht allein. Eine Flutwelle von Emotionen schwappt von Küste zu Küste – das belegen Hunderte Nachrichten, die uns über unsere Web-Seite oder Twitter gesendet werden. Die Leute sagen: Bei jemand anderem angestellt zu sein heißt, Spielball seiner Laune zu werden.

Selbständigkeit als Alternative

Dieses Phänomen könnte schwere Auswirkungen haben. Wenn sich die Wirtschaft erholt, werden viele Firmen auf einen Pool von Bewerbern treffen, die nicht besonders scharf darauf sind, für sie zu arbeiten – das gab es so vorher noch nie. Als ob es nicht schon anspruchsvoll genug gewesen wäre, die Rezession zu überleben!

Glücklicherweise können sich die Unternehmen schon jetzt auf diese neue Dynamik einstellen. Sie sollten sich daher nicht länger so bürokratisch und unpersönlich verhalten wie Großkonzerne, sondern stattdessen eine dynamische und lebhafte Atmosphäre schaffen.

Zu diesem Artikel
9 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 19.07.2009, 22:05 UhrAnonymer Benutzer: msenz

    Fortsetzung :
    Kammern und Vorschriften stellen hier aber teilweise völlig überzogene Hürden auf, die diesen Gründern/ Unternehmern den Weg schwer manchmal sogar unmöglich machen.
    Sie sind Unternehmer. Daher sollten Sie sich doch eher fragen, was in deutschen Unternehmen auf den Führungsebenen schief läuft, wenn so viele Menschen aus dem Job fliehen möchten. Meine These: Unternehmensführer sind in der Regel „Kontrollfreaks“, die die Entwicklung unserer Zeit, welche mehr Loslassen und Vertrauen in die Mitarbeiter fordert, nicht in den Griff bekommen. Früher haben die Menschen "Führer" gesucht, heute wollen sie sich entwickeln, entfalten und so ins Unternehmen und in die Teams einbringen. Die Chefs, die in der Lage sind, sich hierauf einzustellen und dies zu verstehen, sind in meinen Augen die Gewinner der Zukunft. in ihren Unternehmen wird sich jeder Mitarbeiter gleichzeitig wie sein eigener Chef wie auch als wertvolles Teil des Ganzen fühlen. ich kann nur wünschen, dass die Kontrollfreaks bald Vergangenheit sein werden.
    ich bin Managementassistentin und beobachte seit Jahren in unterschiedlichen Unternehmen, dass Manager und Unternehmensführer diese Entwicklung nicht wahr haben wollen, was wirklich sehr schade und schädlich für unsere Gesellschaft ist.

  • 19.07.2009, 22:04 UhrAnonymer Benutzer: msenz

    Herr Schmidt,
    Sie drehen sich ja wie ein Fähnchen im Wind. J Vom zynisch Lachenden über den erfahrenen Unternehmer plötzlich zum befürworter der Ausweitung Unternehmensgründungen. Wenn Sie bei mir ein Vorstellungsgespräch führen würden und würden sich dort so winden, würde ich ihnen keinen Job geben. Dies nur als kleine Zynismusretourkutsche für ihre anfängliche Reaktion auf diesem Artikel. :-)
    Nehmen wir mal an, dass tatsächlich 80 % (angenommener Mittelwert der hier angeführten Zahlen) der Startups scheitern, dann wäre es doch mal interessant, diese mit den gescheiterten Existenzen auf Ebene der Angestellten/ Arbeiter zu vergleichen. Umfragen zeigen, dass sich ein Großteil der Deutschen in ihrem Job nicht mehr wohl fühlen und sich - wenn überhaupt -noch mit dem Unternehmen aber selten noch mit ihren Vorgesetzten identifizieren können. Dass sie öfter Stellen wechseln als früher ist kein Geheimnis. Angst vor Jobverlust hält viele davon ab, sich zur Wehr zu setzen. Nichtmotivierte bis hin zu sabotierende Mitarbeiter stellen für Unternehmen ein hohes Risiko dar und führen zum jeweils entsprechenden Schaden. Das wissen Sie als Unternehmer sicher gut. Wenn ein Mitarbeiter ersetzt werden muss, weil er das Unternehmen verlässt, so kommt ein weiterer Aufwand auf das Unternehmen zu. Der schlechte Ruf als Arbeitgeber ist ebenfalls schädlich für Unternehmen. Von daher würde ich nicht ausschließen, dass der Schritt in die Selbständigkeit kein höheres Risiko für die Volkswirtschaft darstellt als das verharren in einer ungeliebten Stellung und die Folgen daraus. Wo ich ihnen allerdings Recht gebe ist, dass eine fundierte betriebswirtschaftliche Ausbildung das Scheitern verhindern kann. Jedoch gibt es im fachlichen bereich, in dem die Deutschen oft zu steif sind, viele beispiele, wo Quereinsteiger große Erfolge aufweisen, weil sie den konventionellen Pfad verlassen und dort ihre Nischen finden.

  • 18.07.2009, 21:58 UhrAnonymer Benutzer: Syndikus

    ich habe schon einmal an anderer Stelle geschrieben, dass die Selbstständigkeit kein leichtes Unternehmen ist. Die meisten vielversprechenden Pojekte enden im Prekariat. Die potenzeillen Kunden wissen um die Konkurrenzdichte und machen unerbittlich Druck. in Grossfirmen hat es der Freiberuflicher nicht mehr mit den Entscheidern, sondern mit der Einkaufsabteilung zu tun. Der Freiberufler muss nicht nur ein ausgezeichneter Verkäufer seines Produktes und seiner Selbst sein, sondern auch kaufm. und andere Dinge, die mit Zahlen zu tun haben, beherrschen. Aber vieles hängt vom Produkt/Dienstleistung ab: Daher ist eine Martktstudie vor der Selbstständigkeit unerlässlich. Und ohne adäquates Eigenkapital läuft überhaupt nichts, ohne Unternehmerpersönlichkeit auch nicht.

Alle Kommentare lesen

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche