Wetterfühlige Aktien: Wettereinfluss an der Börse

Wetterfühlige Aktien: Wettereinfluss an der Börse

von Martin Gerth, Stefan Hajek und Annina Reimann

Wie das Wetter Aktienkurse von Energieversorgern und Fluglinien sowie die Rohstoffpreise wie etwa von Öl oder Weizen beeinflusst.

Frostige Rendite

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Die Aktie des Reifenhändlers Delticom profitiert stark vom Wintereinbruch

Wenn ein strenger Winter droht, brummt das Geschäft der Reifenbranche. Die Aktienkurse ziehen an – je mehr das Unternehmen vom Reifengeschäft abhängig ist, desto stärker (Grafik zu den Reifenhändlern). Gestiegene Nachfrage treibt den Heizölpreis (Grafik zum Heizölpreis), auf den Anleger mit Zertifikaten spekulieren.

Starker Temperatursturz Ende November verteuert Heizöl

Starker Temperatursturz Ende November verteuert Heizöl

Auch der Streusalzhersteller K+S kann von hartem Winterwetter profitieren. Wer es ausgefallener mag, kauft Schweizer Bergbahn-aktien wie Jungfraubahn Holding oder Titlis.

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Agrar-Trends

Trockenheit in Russland und Nässe in Kanada treiben den Weizenpreis an

Trockenheit in Russland und Nässe in Kanada treiben den Weizenpreis an

Starker Regen im Frühjahr dieses Jahres in Kanada sowie extreme Trockenheit im Juli und August in Russland treiben den Weizenpreis durch die Decke (siehe Grafik). Wetten auf steigende Agrarpreise sind vor allem dann erfolgreich, wenn in mehr als einem der Hauptanbaugebiete wegen Dürre, Flut oder starken Niederschlägen eine schlechte Ernte zu erwarten ist. Weitere wichtige Faktoren sind die Lagerbestände und Exportverbote. Bei zwei schlechten Ernten hintereinander wegen Dürre, Fluten oder zu viel Regen sind die Silos meist leer – wie derzeit die Zuckerdepots in Indien. Drohen im Inland die Nahrungsmittel knapp zu werden, verhängen Regierungen häufig Exportverbote. Thailand, der weltgrößte Reisexporteur, beschränkte 2008 die Ausfuhr von Reis. Der Reispreis zog kräftig an. Leere Lager und Exportverbote heizen die Spekulation weiter an. Werden Weizen oder Reis wegen wetterbedingter Missernten knapp, ziehen Agrarlogistiker wie Archer-Daniels, Cargill und Louis Dreyfus meist zusätzliche Aufträge an Land.

Energie-Poker

Die Aussicht auf einen milden Winter drückte 2006 den Kurs von E.On

Die Aussicht auf einen milden Winter drückte 2006 den Kurs von E.On

Wegen des milden Winters 2006/07 drehten viele Haushalte in Europa die Heizungen nicht voll auf. Beim Energieversorger E.On hat das Gasgeschäft einen besonders hohen Anteil – etwa ein Drittel des Umsatzes. Die Aktie verlor im September und Oktober, während der Dax zulegte (siehe Grafik). Der aktuelle Wintereinbruch hilft E.On derzeit aber wenig, weil die Gaspreise wegen eines Überangebots am Markt kaum anziehen. Neu in den USA erschlossene Vorkommen in Schiefergestein setzen den Gaspreis unter Druck. Für die USA vorgesehenes Flüssiggas aus der Golfregion wird, statt nach Nordamerika, nach Europa verschifft. Der Strompreis in einer bestimmten Region setzt sich aus den durchschnittlichen Kosten im jeweiligen Energiemix zusammen. Ein Beispiel: Norwegen und Schweden nutzen hauptsächlich billigen Strom aus Wasserkraftwerken. Fällt dort wenig Regen, drohen die Stauseen auszutrocknen, und der Anteil des Ökostroms am Energiemix sinkt. Die Stromhändler wetten dann auf steigende Preise.

Verkehrswerte

Die Aktie der regionalen Airline Airtran bricht wegen des Hurrikans Katrina ein

Die Aktie der regionalen Airline Airtran bricht wegen des Hurrikans Katrina ein

Die Aktie der regionalen US-Fluglinie Airtran aus Florida wird im August 2005 vom Wirbelsturm Katrina verweht (siehe Grafik). Lufthansa ist als internationale Airline dagegen von regional begrenzten Problemen kaum betroffen. Trotz des aktuellen Wintereinbruchs in Deutschland, dem viele Flüge zum Opfer fielen, schnitt die Aktie im November und Dezember dieses Jahres deutlich besser ab als der Dax. Je kleiner der Radius eines Unternehmens, desto empfindlicher reagiert die Aktie auf lokale Wetterereignisse.

Würde der Salz- und Düngemittelhersteller K+S nur Streusalz in Europa verkaufen, dann hätte der harte Winter 2009/10 der Aktie zu einem deutlichen Sprung nach oben verholfen. Es blieb aber nur bei einem kleinen Hüpfer im Januar dieses Jahres, weil sich bei der US-Tochter Morton wegen des milden Winters in den USA und Kanada die Salzsäcke in den Lagern stapelten. Wird der Winter 2010/11 sowohl in den USA und Kanada, als auch in Europa kälter als im langjährigen Mittel, hätte eine Wetter-Wette über mehrere Wochen auf K+S bessere Chancen.

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