Zertifikate: Discounts: Alternative für kurzfristige Anlagen

Zertifikate: Discounts: Alternative für kurzfristige Anlagen

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Seitdem Gewinne unabhängig von der Haltefrist zu versteuern sind, werden vor allem Discount-Zertifikate zu einer Alternative für kurzfristige Anlagen.

So manche Verschlechterung kann man auch als Verbesserung verkaufen. Wenn man als Optimist eine Flasche immer als halb voll statt halb leer ansieht – oder wenn man seine Brötchen als Finanzlobbyist verdient: "Mit der Einführung der Abgeltungsteuer können Zertifikate ihre Stärken wieder voll ausspielen", sagt Hartmut Knüppel, Geschäftsführer des Deutschen Derivate Verbands. Weil jetzt alle Anleger Steuern auf alles bezahlen, spielt das Steuerargument, das früher für langfristige Investments sprach, keine Rolle mehr. Die Abgeltungsteuer schlägt zu, ob nach fünf Tagen oder fünf Jahren Haltedauer. Ergebnis: "Auffällig viele Anleger setzen derzeit auf kurz laufende Papiere, oft nur für zwei oder drei Monate", sagt Gregoire Toublanc, Zertifikate-Experte der französischen BNP. Doch lohnt sich der Trend zum schnellen Deal für Anleger wirklich? Oder droht nach den Enttäuschungen bei langlaufenden Zertifikaten bei den schnellen Kurzläufern ein ähnlicher Frust?

Beispielrechnung Discount

Fest steht: Andere Anlageformen bieten zunächst vor allem Magerkost: Wer heute für drei bis neun Monate Festgeld anlegt, bekommt aufs Jahr gerechnet meist nicht einmal mehr zwei Prozent. Dagegen locken Zertifikate mit üppigeren Renditen. Vor allem mit Discounts lassen sich für einige Monate Investments aufbauen, die das Mehrfache von Festgeldanlagen abwerfen.

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Anleger müssen am Ball bleiben

Die Tabelle zeigt, dass die möglichen Jahresrenditen bis zu 13 Prozent erreichen. Geschenkt gibt es jedoch nichts. "Anleger müssen hier immer am Ball bleiben, kaufen und liegen lassen ist keine Alternative", räumt Mathias Schölzel ein, Zertifikate-Stratege der Deutschen Bank. Die hohen Renditen sind nur deshalb möglich, weil hinter den Zertifikaten keine kontinuierliche Zinseinnahme steckt, sondern eine Kombination aus einem Basiswert (meist Index oder Aktie) und einem Termingeschäft. Wer einen Discount kauft, bekommt – ohne dass er davon etwas merkt – die einzelnen Bestandteile automatisch in einem künstlichen Wertpapier verpackt.

Wie das Ganze als Zins-Surrogat funktioniert, zeigt eine Beispielrechnung mit einem Discount mit einer Laufzeit bis zum 23. Juni 2009 und einer Gewinngrenze von 3000 Dax-Punkten. Hierbei handelt es sich um einen sogenannten Deep Discount, bei dem die Gewinngrenze weit unter dem aktuellen Stand des Basiswerts liegt. Das hat den Effekt, dass defensive Papiere dieser Art auch dann ihr Gewinnpotenzial voll ausschöpfen, wenn der Basiswert deutlich sinkt. Ein solcher Deep Discount ist also weniger eine Spekulation auf den Dax; vielmehr dient der Index hier als Basis für ein Investment, das sich mit einer hochspekulativen Anleihe vergleichen lässt.

Bei einem Dax von 3750 Punkten und einem Bezugsverhältnis von 100 zu 1 kostet ein Papier zunächst 37,50 Euro. Bis dahin wäre das ein reines Indexzertifikat. Zu diesem Indexpapier wird nun eine Call-Option auf den Dax mit einer Basis von 3000 Punkten verkauft. Der Wert der Call-Option liegt (ebenfalls bei einem Dax von 3750 und einem Bezug von 100 zu 1) bei 8,80 Euro. Der Erlös aus dem Call-Verkauf senkt den Preis der gesamten Konstruktion somit von 37,50 Euro auf 28,70 Euro. In der Regel kosten Discounts einige Cent mehr, da sich Emittenten bei dieser Gelegenheit eine Marge herausschneiden.

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