Arriva-Projekte: Wo die Bahn neue Verkehrs-Ideen testet

Arriva-Projekte: Wo die Bahn neue Verkehrs-Ideen testet

, aktualisiert 28. Juni 2017, 18:02 Uhr
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Das ursprünglich rein britische Unternehmen betreibt inzwischen in 14 europäischen Ländern Bus- und Eisenbahnverkehr.

von Dieter FockenbrockQuelle:Handelsblatt Online

Wie moderner Nahverkehr auch in ländlichen Regionen funktionieren kann, probiert die Deutsche Bahn in vielen europäischen Ländern aus. Konzerntochter Arriva testet neue Konzepte, die auch Deutschland gebrauchen könnte.

BerlinIn der niederländischen Provinz Limburg, nicht weit von der deutschen Grenze entfernt, probiert die Deutsche Bahn den Nahverkehr der Zukunft aus. So betreibt das Tochterunternehmen Arriva etwa einen Bedarfsverkehr, bei dem Taxiunternehmen die Fahrgäste auf Anforderung abholen. Oder es kommt der Nachbarschaftsbus vorbei, der zwar Arriva gehört, aber von Bürgervereinen selbst gefahren wird. Erst zum Jahreswechsel hat die Bahn-Tochter den mit 2,5 Milliarden Euro umfangreichsten Verkehrsvertrag in den Niederlanden übernommen. Bedingung des staatlichen Auftraggebers war, auch in Regionen abseits der viel befahrenen Routen ein öffentliches Verkehrsangebot aufzubauen.

Auch in der englischen Grafschaft Kent probiert das Unternehmen Neues aus – unter dem Label „Arriva Click“. Über eine Smartphone-App können Kunden zu jedem Zeitpunkt einen Minibus für die Fahrt zum gewünschten Ziel bestellen. Dieser Bus hält nur wenige Minuten später an einer nahegelegenen Straßenecke, unabhängig von Fahrplan oder Haltestelle. Der Kunde gibt in die App Abhol- und Zielort ein, prüft, ob ein Platz verfügbar ist, und bucht die Fahrt. Dabei gleicht das Programm automatisch die Daten mit denen anderer Nutzer ab, deren Fahrtziel in derselben Richtung liegt. Der Fahrpreis wird vom zuvor aufgeladenen App-Konto abgebucht; Vorreservierungen bis zu einem Monat sind möglich.

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Solche Projekte könnte sich Arriva-Chef Manfred Rudhart auch für Deutschland vorstellen. Aber das ist nicht sein Job. Arriva bündelt für die Deutsche Bahn den Personenverkehr im Ausland. Und für die Verkehrsangebote sind hierzulande immer noch die sogenannten Besteller , also die Verkehrsverbünde und Bundesländer verantwortlich. DB Regio und andere Nahverkehrsbetreiber fahren nach deren Vorgabe.

Mehr Synergien sieht Rudhart dafür bei der Bahntochter Arriva. Das ursprünglich rein britische Unternehmen betreibt inzwischen in 14 europäischen Ländern Bus- und Eisenbahnverkehr. Von den 60.800 Mitarbeitern werden gut 53 Prozent außerhalb der Insel beschäftigt. „Wir sind jetzt ein paneuropäisches Unternehmen“, sagt Rudhart, der den Chefposten vor anderthalb Jahren übernommen hatte. Zuvor leitete er die Bahntochter DB Regio in Deutschland.

Rudhart denkt zunächst daran, Synergien im Einkauf und Fahrzeugeinsatz zu nutzen. Arriva betreibt in den unterschiedlichen Ländern fast 23.000 Busse und 1100 Züge. So könnten Fahrzeuge zwischen den einzelnen Landesgesellschaften verschoben werden, wenn sie wegen auslaufender Verträge nicht mehr gebraucht werden. Arriva soll auch seine Einkaufsmacht besser ausspielen. Denn Rudhart hat festgestellt: „Allein durch den Zukauf weiterer Firmen kann der Wert von Arriva nicht gesteigert werden.“

Die Deutsche Bahn hatte 2009 gegen heftigen Widerstand die britische und damals noch börsennotierte Verkehrsgesellschaft Arriva für 2,7 Milliarden Euro gekauft. Das Unternehmen wurde in den Folgejahren zur Tochtergesellschaft für den Personenverkehr im Ausland ausgebaut. Arriva befördert Passagiere in England, Skandinavien, auf der Iberischen Halbinsel und in zahlreichen mitteleuropäischen Ländern. Der Umsatz wurde seit der Übernahme auf zuletzt 5,1 Milliarden Euro mehr als verdoppelt.

Das Ergebnis konnte mit dem rasanten Wachstum allerdings nicht Schritt halten. Der Betriebsgewinn (Ebit) liegt bei 280 Millionen Euro, die Umsatzrendite bei 5,4 Prozent. Immer wieder belasten Abschreibungen, etwa auf zu optimistische Verkehrsverträge, das Ergebnis.

Rudhart ist davon überzeugt, dass der Kauf durch den Bahnkonzern damals die „richtige Entscheidung“ war. Der Bahnmanager glaubt auch nicht, dass der Ausstieg der Briten aus der Europäischen Gemeinschaft nachteilige negative Folgen für Arriva haben wird. Er hofft allerdings, dass London jetzt keine Hürden aufbaut, um seinen Mitarbeitern, die zwischen den Standorten pendeln müssten, das Leben schwer zu machen. Und dass Arriva weiter expandieren kann wie bisher. „Wir gehen davon aus, dass wir als britisches Unternehmen mit deutschem Eigentümer weiterhin ein kroatisches Unternehmen kaufen dürfen“, sagt Rudhart.

Quelle:  Handelsblatt Online
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