Artenschutz: Hawaii streitet über tödlichen Katzenkot

Artenschutz: Hawaii streitet über tödlichen Katzenkot

, aktualisiert 21. Oktober 2016, 12:53 Uhr
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Streuende Katzen haben auf Hawaii keine natürlichen Feinde und konnten sich so massenhaft im gesamten Staat ausbreiten.

Quelle:Handelsblatt Online

Auf den Hawaii-Inseln gibt es Hunderttausende streunende Katzen. Forscher sagen, dass ihr Kot den stark bedrohten Hawaii-Mönchsrobben den Tod bringen kann. Darf man eine Tierart verfolgen, um eine andere zu retten?

HonoluluTierschützer im US-Staat Hawaii liegen sich in den Haaren – weil sie verschieden Tierarten schützen wollen. Den Streitpunkt bildet potenziell tödlicher Katzenkot, der von streunenden Miezen produziert wird. Wissenschaftler glauben, dass die Hinterlassenschaften der Heerscharen wildlebender Katzen auf der pazifischen Inselgruppe eine Krankheit verbreiten, die für Hawaii-Mönchsrobben tödlich verlaufen kann. Die Robben zählen zu den am stärksten bedrohten Säugetierarten auf der Welt.

Daher sind manche Tierschützer dafür, die Katzen, die keiner will, zu vernichten – was nun wiederum Katzenliebhaber auf die Barrikaden bringt. „Es ist eine sehr schwierige emotionale Frage“, sagt Staatssenator Mike Gabbard. Er leitet einen Ausschuss, der sich dieses Jahr mit einem Gesetzesvorstoß befasst hat, mit dem das Füttern streunender Katzen auf Land in staatlichem Besitz verboten werden sollte. Nach einem Aufschrei der Empörung wurde die Vorlage fallengelassen.

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Das Problem ist ein Parasit, der in Katzen vorkommt und Toxoplasmose auslösen kann – eine Krankheit, die nach Angaben der für die Ozeane zuständigen Behörde NOAA seit 2001 mindestens fünf weibliche und drei männliche Hawaii-Mönchsrobben getötet hat.

„Acht Robben – das klingt vielleicht nicht nach viel“, sagt Michelle Barbieri, die an einem NOAA-Forschungsprogramm über diese bedrohte Tierart beteiligt ist. „Aber die Auswirkungen sind ziemlich groß, wenn man bedenkt, dass es derzeit nur 1300 solcher Robben gibt.“

Katzen haben auf Hawaii keine Fressfeinde

Wissenschaftler glauben, dass die Tiere durch das Trinken von verseuchtem Wasser oder das Fressen von infizierter Beute erkranken. Streuende Katzen haben auf Hawaii keine natürlichen Feinde und konnten sich so massenhaft im gesamten Staat ausbreiten. Allein auf Oahu leben nach Schätzungen aus dem Jahr 2015 etwa 300.000 in freier Wildbahn.

Katzen sind die einzigen Tiere, die Eier mit dem Parasiten Toxoplasma gondii ausscheiden können. Die Schädlinge gelangen durch infizierte Beute in ihren Verdauungstrakt, vermehren sich im Dünndarm und produzieren Eier. Diese werden im Kot ausgeschieden, der dann in den Ozean gespült wird und sich dort in wirbellosen Tieren ansammelt, wie Wissenschaftler berichten. Die Eier können in Frisch- und Salzwasser sowie im Boden bis zu zwei Jahre lang überleben und jedes warmblütige Tier infizieren.

So sind auch kalifornische Seeottern durch Toxoplasmose gestorben, und der Parasit ist einer der Hauptgründe dafür, dass die Hawaiikrähe, in der einheimischen Sprache Alala genannt, in der freien Natur ausgestorben ist. Für Menschen mit gesundem Immunsystem ist Toxoplasmose selten problematisch, aber Ärzte warnen schwangere Frauen vor dem Umgang mit Katzenstreu.


Hawaiis sensibles Ökosystem ist besonders gefährdet

Viele Städte haben es mit streunenden Katzen zu tun. Aber in Hawaii sind sie wegen des sensiblen Ökosystems und bedrohter einheimischer Arten eine besondere Herausforderung, wie Experten sagen. Nur zwei Säugetierarten stammen ursprünglich von der Insel: neben der Hawaii-Mönchsrobbe die Eisgraue Fledermaus. Alle anderen Tiere – von Rehen über Ziegen bis hin zu Mangusten – wurden von außen eingeführt, wie Expertin Angela Amlin von der NOAA erläutert.

Es gibt viele Gefahren für die Hawaii-Mönchsrobben, darunter Müllablagerung im Wasser und der Klimawandel. Aber was Krankheiten betreffe, gehe die größte Bedrohung von streunenden Katzen aus, sagt Amlin.

„Als Umweltschützer müssen wir wirklich auf das achten, was das einheimische Ökosystem beinhaltet, und Katzen sind leider kein Teil davon“, sagt die Expertin. „Was streunende Katzen betrifft, sollte es ein Programm geben, diese Tiere zu fangen, jene zu adoptieren, die dafür geeignet sind, und die anderen, die es nicht sind, schmerzlos einzuschläfern.“

Das kommt für andere Tierschützer nicht in Frage. Tiere mit Etiketten wie „einheimisch“ und „hinzugezogen“ zu versehen schaffe eine „Hierarchie, bei der der Schutz bestimmter Tiere auf Kosten des Leidens anderer geht“, argumentiert die hawaiische Vorsitzende der Tierschutzorganisation Humane Society, Pamela Brown. Andere Fürsprecher sehen es ähnlich, schlagen vor, streunende Katzen zu fangen und sie dann sterilisieren zu lassen, um eine weitere Ausbreitung zu begrenzen.

Erfolgreiches Management-Programm

Auf dem Manoa-Campus der University of Hawaii in Honolulu wurde ein solches Management-Programm gestartet, nachdem es eine Flut von Beschwerden über den Gestank von Kot und Urin Hunderter Katzen gegeben hatte. Das Projekt läuft seit 2011 und scheint die Zahl der Tiere verringert zu haben, wie Roxanne Adams von der Uni-Verwaltung sagt.

Katzen einzuschläfern sei inakzeptabel, es sei denn, sie seien extrem krank, erklärt Alicia Maluafiti, Leiterin der Tierschutzgruppe Poi Dogs and Popoki. Sie widerspricht der Verallgemeinerung, „dass für Katzenliebhaber Katzen wichtiger sind als diese bedrohten Tierarten. Wogegen wir schlicht sind, ist ein pauschales Töten, die Vernichtung einer Art zugunsten einer anderen“.

Quelle:  Handelsblatt Online
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