Asien und der Nationalsozialismus: Hitler als Management-Ratgeber

Asien und der Nationalsozialismus: Hitler als Management-Ratgeber

, aktualisiert 14. Oktober 2016, 09:51 Uhr
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Immer wieder wollen indische Geschäftsleute aus Adolfs Hitlers Vergangenheit Kapital schlagen.

von Frederic SpohrQuelle:Handelsblatt Online

In Asien gibt es oft einen etwas anderen Blick auf die deutsche Geschichte. Bei manchen Indern genießt Adolf Hitler großes Ansehen. Das kann zu unangenehmen Situationen führen. Eine Weltgeschichte.

AhmedabadDer Bezirkschef hat eine hohe Meinung von Deutschland. Er lobt die guten deutschen Wissenschaftler und überhaupt seien die deutsch-indischen Beziehungen ja etwas Besonderes, sagt der Beamte. Da habe ich schon eine Vermutung, was kommt.

Ob ich denn dieses Symbol kenne, fragt er und malt eine Swastika. Das hinduistische Zeichen hätte ja schon viele Deutsche inspiriert. Klar, sage ich, aber in Deutschland kämen Hakenkreuze mittlerweile nicht mehr so gut an. Der Beamte winkt ab. „Hitler hat doch auch viel Gutes getan”, sagt er. Es folgt das Übliche: Hitler habe Deutschland groß gemacht und so weiter und so fort.

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Natürlich hat man in Asien einen etwas anderen Blick auf die deutsche Geschichte. An meinem Wohnsitz Bangkok sehe ich ständig Motorradfahrer, die einen Stahlhelm mit SS-Zeichen tragen. Häufig ist es einfach Unwissenheit oder mangelnde Sensibilität für ein Land, das tausende Kilometer entfernt ist.

In der Regel ist das auch in Indien so: Allerdings bekunden manche Inder ihre Hitler-Sympathien sogar mit einem pseudo-wissenschaftlichen Unterbau. Ein Tierarzt in Neu Delhi erklärte mir einmal, dass Nordinder und Europäer den anderen Rassen überlegen seien. Beide, so erklärte er mir, seien schließlich „Arier”.

Das positive Hitler-Image hat teils historische Gründe: In den 30er-Jahren hatten führende Hindu-Nationalisten, die sich gegen die britische Besatzung wehrten, Sympathien für den Faschismus – beide hatten schließlich die Briten zum Feind. Die Bewunderung beruhte teilweise auf Gegenseitigkeit: Heinrich Himmler hatte in seiner SS-Uniform stets eine Mini-Ausgabe der Bhagavad Gita dabei, eine der wichtigsten Schriften des Hinduismus.

In dem Bundesstaat Gujarat, in dem ich mich gerade aufhalte, wurde erst vor ein paar Jahren ein Schulbuch aus dem Verkehr gezogen, das Hitler glorifizierte und den Holocaust vollkommen ausklammerte. Laut der Historikerin Maria Framke, die über die Wechselwirkung zwischen Indien und dem Nationalsozialismus promovierte, lesen manche indische Wirtschaftsstudenten „Mein Kampf” als „eine Art Management-Literatur”: Sie wollen wissen, wie man ein Land, das am Boden liegt, wieder auf die Beine stellt. Und erhältlich ist das Buch ohnehin fast überall.

Da wundert es nicht, dass Geschäftsleute aus der Beliebtheit Hitlers immer wieder Kapital schlagen wollen. In Ahmedabad, der Hauptstadt von Gujarat, machte vor einigen Jahren ein Mode-Geschäft mit dem Namen „Hitler” auf, nannte sich dann aber doch wieder um. Ein Eisproduzent taufte sein Produkt „Hitler Eis”. Ein Problem sah er darin nicht: In seinem Dorf würde jeder, der etwas zackig drauf sei, den Spitznamen „Hitler” bekommen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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