Assistenz-Roboter: Wenn Lucy dem Menschen unter die Arme greift

Assistenz-Roboter: Wenn Lucy dem Menschen unter die Arme greift

, aktualisiert 24. April 2017, 10:22 Uhr
Bild vergrößern

Das System greift dem Menschen wortwörtlich unter die Arme, indem sie diese mit einem Halteapparat unterstützt und die entsprechenden Kräfte über die Hüfte auf die kräftige Oberschenkelmuskulatur ableitet.

von Martin WocherQuelle:Handelsblatt Online

Auf der Hannover Messe präsentieren viele Aussteller Roboter, die den Menschen die tägliche Arbeit erleichtern sollen. Darunter auch Lucy. An Hüfte und Schultern befestigt soll sie Menschen neue Kräfte verleihen.

HannoverWer schon mal eine Decke gestrichen hat oder mehrere Bohrlöcher über Kopf zur Befestigung einer Lampe setzen musste, kennt das Problem: Schon nach kurzer Zeit werden die Arme lahm, schmerzen die Schultern, fängt die Arbeit an zu nerven. Hier könnte schon bald „Lucy“ entscheidend dazu beitragen, dass einem auch schwierige Tätigkeiten künftig leichter von der Hand gehen.

Lucy sieht aus wie ein kleiner, schmaler Reiserucksack, der an Hüfte und Schultern befestigt ist und dem Menschen neue Kräfte gibt. Es handelt sich um ein Unterstützungssystem auf der Basis eines Human-Hybrid-Roboters. Entwickelt wurde es von einer Gruppe von Nachwuchsforschern der Hamburger Helmut-Schmidt-Universität. Zwar gibt es Lucy noch nicht zu kaufen, aber „eine Umsetzung ist geplant“, sagte Robert Weidner anlässlich der Präsentation des Systems auf der Hannover Messe.

Anzeige

Dort wird in den folgenden Tagen viel von der Mensch-Roboter-Kollaboration die Rede sein: Alle großen Hersteller präsentieren Modelle, die den früher als notwendig erachteten Schutzraum verlassen haben und nun Schulter-an-Schulter mit ihren menschlichen Kollegen an den Produktionstischen arbeiten.

Lucy geht das Thema Kooperation ganz anders an, viel direkter: Das leichtgewichtige System (gerade fünf Kilo) greift dem Menschen wortwörtlich unter die Arme, indem es diese mit einem Halteapparat unterstützt und die entsprechenden Kräfte über die Hüfte auf die kräftige Oberschenkelmuskulatur ableitet. Zwischen fünf und sechs Kilo Traglast kann Lucy dem Menschen direkt abnehmen.


Überlastung verhindern

„Wir wollen keinen Superman schaffen, sondern einfach nur eine Überlastung verhindern“, sagt Weidner. Dem Menschen alles abzunehmen, wäre auch gar nicht sinnvoll: Schließlich soll seine Muskulatur leistungsfähig bleiben. Und das schafft sie nur, wenn sie beansprucht wird. Nur was darüber hinausgeht, übernimmt Lucy.

Einsatzmöglichkeiten sieht Weidner viele: In der Produktion ebenso wie auf dem Bau, aber auch im Krankenhaus oder in Altenheimen, wenn es darum geht, schwere Lasten in ungewohnten oder ungünstigen Positionen zu heben. Die Qualität der Arbeit wird ebenso verbessert wie die Produktivität.

„Wir reduzieren mit einem solchen System die Belastung, die Nacken- und Schultermuskulatur kann sich besser entspannen“, sagt Weidner. Dafür arbeiten Ingenieure und Biomechaniker eng zusammen, um erst einmal die körperlichen Voraussetzungen zu erfassen, bevor Lucy zum Einsatz kommt.

Natürlich verfügt Lucy auch über eine gewissen Intelligenz: Sensoren erkennen an der Armposition, wie viel zusätzliche Kraft benötigt wird. Über einen Drehknopf in Höhe des Schultergelenks kann der Nutzer zusätzliche Unterstützung abrufen – wie bei einem Turbolader im Formel-1-Boliden.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%