Audi Q5 im Handelsblatt-Test: Graue Eminenz

Audi Q5 im Handelsblatt-Test: Graue Eminenz

, aktualisiert 20. Juli 2017, 10:42 Uhr
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Die Linien sind nun straffer, dynamischer. Aber bei der Technik hat sich deutlich mehr getan als beim Design.

von Frank G. HeideQuelle:Handelsblatt Online

Der in Mexiko gebaute Audi Q5 tritt ein schweres Erbe an: Das SUV soll noch erfolgreicher werden als sein rund 1,5 Millionen mal verkaufter Vorgänger. Wie das, fragt man sich angesichts des Testwagens, der vor allem Grau in Grau daherkommt.

DüsseldorfWas bleibt? Das ist die Kernfrage. Wochen nachdem man den Testwagen zurückgegeben hat, sollten bei Autos der Preisklasse um 50.000 Euro nicht nur Fahrnotizen übrig bleiben. Im besten Fall hat sich dem Fahrer was Emotionales eingebrannt, von dem er schwärmen kann, oder das er leidenschaftlich verurteilt.

Im Fall des Audi Q5 2.0 TFSI quattro, der dank teurer Extras sogar auf knapp 76.000 kam, bleibt es aber trotz vieler technischer Verbesserungen am Fahrzeug ganz nüchtern bei gesammelten Fahreindrücken. Die waren nah an der Perfektion dessen, was man Alltagstauglichkeit nennt. Doch große Gefühle im felsgrauen Audi? Fehlanzeige!

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Es müssen also die Details im Gesamtpaket sein, die das mittelgroße SUV aus mexikanischer Fertigung so erfolgreich machen. Wenn der neue Q5 noch mehr Kunden gewinnen soll als der Vorgänger, dann wird er sich mehr als 1,5 Millionen mal verkaufen müssen. Und wenn er das schafft, dann wird es höchstwahrscheinlich nicht an einer Designrevolution gelegen haben, sondern an einer vorsichtigen, durchaus dynamischen Evolution. Auf die hat man sich in Ingolstadt soweit spezialisiert, dass arg verwöhnte Motorjournalisten-Kollegen schon von der Langeweile der Perfektion philosophieren.

Dabei liegt doch auf der Hand, dass Audi gar kein schrilles SUV-Lifestyle-Häppchen servieren kann. Wer würde denn die zahlungskräftige und stetig wachsende SUV-Kundschaft aus ihrer Komfortzone schrecken wollen? Dafür ist der Q5 einfach zu wichtig.

Keine Revolution also. Ein bisschen was hat Audi aber doch am Design getan, ohne dass es außenstehenden Betrachtern den Atem raubt. Der unvermeidliche Singleframe-Kühlergrill bekam einen dickeren Rahmen, einige Rundungen wurden gestrafft, die Abmessungen veränderten sich aber nur im Millimeterbereich. Eine neue Chromspange ziert das Heck, sie betont die gewaltig wirkende Breite der Karosse.

Wie variantenreich man solide und werthaltige SUV-Kost zubereiten kann, zeigt Audi am Q5-Testwagen beispielsweise an den Farben: Steingrau trifft Stadtmausgrau, Esche Graubraun trifft Marmorgrau, Titangrau trifft Felsgrau-Metallic. Das kann man so langweilig finden wie einen Grabstein, aber dunkles Silbergrau-Metallic zählt nun mal seit Jahren zu den Farben, mit denen Neuwagen am wenigsten an Wert verlieren. So sind sie, die deutschen SUV-Käufer.

Was unseren fast voll ausgestatteten Testwagen so angenehm und fast perfekt erscheinen lässt, sind natürlich die teuren Sicherheits-Assistenten und Komfortfeatures, mit denen die Premium-Anbieter gutes Geld verdienen. Fast wie in der Oberklasse fühlt man sich, wenn man auf ein Head-up-Display blickt, im MMI-System für soundstarkes Infotainment nun auch Telefonnummern auf ein Touchpad kritzeln darf, und vor allem natürlich, wenn man ins immer noch begeisternde Breitwand-Display des volldigitalen, virtuellen Cockpits blickt.

Feine Eschenholzintarsien treffen auf reichlich dickes Leder, und man greift stets gern in die Bedienelemente, weil sie - ganz Audi-typisch - keine bösen Überraschungen bieten, sondern Haptik und Druckpunkte so angenehm sind. Dazu kommt ein gutes Raumgefühl für mindestens vier Erwachsene, jeder hat genug Bewegungsfreiheit und es gibt eine Menge durchdachter Ablageflächen, ja sogar eine kleine Kühlbox für Getränke unter der Armauflage in der Mittelkonsole.


Sieben Fahrmodi, leise Reisen

Bei allen Ausfahrten konnten ausschließlich positive Eindrücke gesammelt werden, vor allem das Fahrwerk wurde im Vergleich zum Vorgänger deutlich verbessert. Luftgefedert und mit viel Spielraum in puncto Bodenfreiheit für durchaus mögliche Geländeausflüge fühlte sich der Q5 nur im Komfort-Fahrmodus wirklich sehr weich an.

Getriebeautomatik (namens 7-Gang S-tronic) und Zwei-Liter-Benziner arbeiteten wunderbar aufeinander abgestimmt zusammen, so dass man von den Schaltvorgängen spürbar nur dann etwas mitbekommt, wenn man im Drive Select zuvor „Sport“ aus nicht weniger als sieben Fahrmodi ausgewählt hat. In allen anderen Modi haben wir nur dann mal in die Schaltpaddles am Lenkrad gegriffen, wenn wir die Motorbremse einsetzen wollten, ansonsten macht die Automatik sie so gut wie überflüssig.

Positiv überrascht ist man bei den ersten Testkilometern davon, dass auch dem Benzin-Triebwerk die frühe Drehmomentwoge, mit der ein - alternativ zu bekommendes - modernes Diesel-.Triebwerk schon kurz über Standgasniveau begeistert, nicht wirklich fehlt.

Satte 370 Newtonmeter Drehmoment wuchtet der vorne liegende Vierzylinder-Ottomotor schon ab 1600 Touren an die Kurbelwelle, und dieser schöne Schub bleibt bis 4.500 Umdrehungen konstant. Die maximale Leistung von 252 PS (185 kW) spürt, wer den Gasfuß weiter bis 5.000 Umdrehungen stehen lässt. Für Anpressdruck sorgt sowohl eine Spitzengeschwindigkeit von 237 km/h, und mehr noch die Sprintzeit von nur 6,3 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100.

Mit den deutlich mehr als 1800 Kilo Leergewicht des Q5 hatte der inzwischen mehr als acht Millionen Mal verkaufte Allradantrieb leichtes Spiel, alle gestellten Alltagsaufgaben wurden mit Bravour absolviert. Vor allem als Reisemobil machte der Testwagen Spaß, weil er nicht zuletzt dank (optionaler) Akustikverglasung vorn wirklich angenehm leise blieb.

Weil der Q5 ein SUV und kein echter Geländewagen ist, muss es übrigens nicht immer quattro sein: Ab 39.500 Euro Basispreis kann man den Q5 als 2.0 TDI 6-Gang auch mit reinem Frontantrieb bestellen. Andererseits sprechen gegen diese Variante all die Argumente, die zurzeit unüberhörbar gegen den Selbstzünder vorgebracht werden, und die letztlich wohl auch für seine Abschaffung sorgen werden.

Auch hinten punktet der Q5: Die Ladekante ist nicht zu hoch, die elektrisch öffnende Heckklappe bewegt sich nicht zu phlegmatisch, und sie gibt den Blick auf 550 bis 1550 Liter Zuladung auf ebener Fläche frei, das Ganze darf bis zu 630 Kilo wiegen. Maximal 2,4 Tonnen nimmt der Ingolstädter aus Mexiko sogar noch an den Anhängerhaken.

Beim Verbrauch gibt sich der große Wagen zurückhaltend, was natürlich in erster Linie vom Fahrstil abhängt, aber auch an der zunächst beim Diesel eingeführten Ultra-Technologie liegt: Sie koppelt (nur beim Automatikgetriebe natürlich) die Hinterachse komplett ab, lässt sie bei genügend Schub frei rollen. Dass wir im Test dennoch stets rund zwei Liter über dem angegebenen Normverbauch von 7,2 Liter lagen, muss also an den vielen schweren Extras sowie unserer dynamischen Fahrweise liegen.

Abschließend ein kleiner Minuspunkt: Aus so viel sachlich-kühl präsentierter Perfektion im Innenraum ragen kleine Fehler umso deutlicher heraus. Probleme bei der Stimmeingabe für die Navigation zählten ein ums andere Mal dazu. Wir fanden einfach keine gemeinsame Sprache. Offenbar verstimmt empfahl uns die Dame im Gerät später mehrfach auf von Hand eingegebener Route bitte zu wenden, oder bei nächster Gelegenheit links abzubiegen. Auf der dritten Spur der A44 Richtung Düsseldorf ist beides keine wirklich gute Idee.

Fazit: In puncto Fahrwerk ist der neue Q5 deutlich besser geworden, und der Zweiliter-Benziner muss keinen Vergleich mit einem Diesel scheuen. Was das Audi-SUV wirklich herausragend macht, sind die vielen guten (Oberklasse-)Extras, von denen aber in den Serienausstattungen wenig zu sehen ist. Innenraum und Ausstattung, Wohlfühl-Atmosphäre und weltmeisterliche Bedienelemente-Haptik, das hat halt bei Audi seinen (stolzen) Preis. Insofern bleibt auch beim neuen Q5 vieles beim Alten.

Technische Daten

Audi Q5 2.0 TFSI quattro S-tronic

Motor:Vierzylinder-Turbo-Benziner mit Direkteinspritzung
Hubraum:1.984 ccm
Max. Leistung:185 kW / 252 PS bei 5.000 - 6.000 U/min
Max. Drehmoment:370 Nm bei 1.600 - 4.500 U/min
Antrieb:Allrad
Getriebe:7-Gang-Automatik
Kraftstoff:Benzin 95 ROZ, Super

Maße und Gewichte

Länge:4.663 mm
Breite (ohne Außenspiegel):1.893 - 2.140 mm
Höhe:1.659 mm
Radstand:2.819 mm
Wendekreis:11,7 m
Räder / Reifen8,0 J x 17 / 235/65 R17
Leergewicht:ab 1.795 kg
zul. Gesamtgewicht:2.400 kg
Anhängelast (ungebremst / gebremst):750 / 2.400 kg
zul. Dachlast / Stützlast:75 / 100 kg
Luftwiderstandsbeiwert:0,30
Tankinhalt:70 Liter
Zuladung:630 kg
Kofferraumvolumen (ohne/mit umgeklappter Rückbank):550 - 1550 Liter
Basis-Preis / Testwagen-Preis:51.850 / 75.900 Euro

Fahrdaten

Höchstgeschwindigkeit:237 km/h
Beschleunigung 0 - 100 km/h:6,3 Sek.
Durchschnittsverbrauch Stadt/Land/kombiniert:8,6 / 6,4 / 7,2 Liter / 100 km
CO2-Emission:164 g/km
Effizienzklasse:B
Schadstoffklasse (94/12/EG):EU6

Versicherung & Steuer

Klasse
Haftpflicht17
Vollkasko25
Teilkasko25
Jahressteuer158 Euro
Quelle:  Handelsblatt Online
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