Außenhandel: Durchlauferhitzer in Südostasien

Außenhandel: Durchlauferhitzer in Südostasien

, aktualisiert 07. November 2011, 13:57 Uhr
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Das hohe Außenhandelsvolumen wird vor allem durch die Lage Singapurs und den großen Hafen möglich.

Quelle:Handelsblatt Online

Trotz seiner geringen Größe hat Singapur eines der größten Außenhandelsvolumina der Welt. 2010 war es rund drei Mal so hoch wie das BIP. Singapur profitiert dabei von seiner Lage als Drehscheibe in Südostasien.

MumbaiBis auf Reis, Autos, Benzin, Zigaretten und Alkohol gibt es kaum Produkte, die in Singapur grundsätzlich nur mit Einschränkungen oder gegen Zoll eingeführt werden können. Der Hafen des Landes und seine Zollbehörde zählen zu den effizientesten der Welt. Und die Regierung legt großen Wert auf ihre 18 bisher abgeschlossenen bilateralen Freihandelsabkommen, die sie als „Schnellverbindungen“ zu wichtigen Volkswirtschaften und neuen Märkten bezeichnet.

Diese Rahmenbedingungen machen Singapur schon seit mehr als einem Jahrzehnt zu einem der stärksten Länder im weltweiten Außenhandel. Als kleines Land ohne eigene Bodenschätze war der Stadtstaat von jeher abhängig von anderen Volkswirtschaften - und die politische Führung hatte dies schnell erkannt und die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen. Logistiker treffen hier auf weltweit führende Infrastruktur, die Bürokratie ist überschaubar. Mehr als 95 Prozent aller Importe sind zollfrei, Importlizenzen sind nur für sehr wenige Waren nötig und die Zollverfahren sind einfach.

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Von den im Land produzierten Gütern werden vor allem Elektronikartikel und verarbeitete Erdölprodukte exportiert - auch wenn Singapur in den vergangenen Jahren schrittweise versucht, diese Abhängigkeit durch den Ausbau von Serviceleistungen, Biotechnologie und Chemie zu verringern. Die Abhängigkeit von der Elektronik ist für Singapur vor allem wegen der Nachbarschaft zu China, aber auch Vietnam, Malaysia und Thailand eine Gefahr - und wegen der starken Abhängigkeit des Sektors von der allgemeinen Konjunktur. Der durch die günstiger produzierende Konkurrenz von dort bereits in Mitleidenschaft gezogene Sektor verlor in den Krisenjahren 2008 und 2009 deutlich an Volumen, konnte jedoch 2010 wieder stark wachsen.

Transport statt Produktion

Der größte Anteil der Exporte aus Singapur sind jedoch nicht dort produzierte Waren, sondern einfach nur Umschlag. Aktuell wird mehr als die Hälfte der Importe ohne weitere Be- oder Verarbeitung einfach wieder exportiert - der wohl wichtigste Grund, warum Im- und Exporte des Landes fast im Gleichschritt steigen.

Die Beziehungen zu Deutschland und der Europäischen Union sind gut. Die EU ist der größte Handelspartner des Landes, und Singapur war Anfang 2010 das erste Land der südostasiatischen Gemeinschaft ASEAN, mit dem sie Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen aufnahm. Innerhalb der EU ist Deutschland der größte Handelspartner. Im Jahr 2010 exportierte Deutschland Waren im Wert von rund 5,9 Mrd. Euro nach Singapur und führte im Gegenzug Waren im Wert von rund 4,8 Mrd. Euro ein. Im Vergleich zu 2009 ist das eine Steigerung von 20 bzw. 44 Prozent.


Starke Abhängigkeiten

Deutschland war damit im vergangenen Jahr auf Platz elf der wichtigsten Lieferländer für Singapur, dessen gesamte Einfuhren rund 234 Mrd. Euro betrugen, während die Exporte sich auf rund 265 Mrd. Euro beliefen. Das ist ein Plus von 19 bzw. 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Allerdings reagiert die Wirtschaft des Landes wegen dieser engen Verflechtungen so sensibel wie kaum eine andere auf Änderungen in der weltwirtschaftlichen Lage. Bereits jetzt geht das Wachstum des Außenhandels stark zurück. Im September betrug es auf Jahressicht noch sieben Prozent, im Juli hatte der Wert aber auch schon nahe Null gelegen.

Für die Zukunft deutet jedoch nichts darauf hin, dass Singapur seine Position als wichtigster Warenumschlagplatz in der Region verliert. Seine Strategische Position zwischen Indien, China, Japan und Australien machen es ebenso attraktiv wie die wirtschaftsfreundlichen Regularien. In den vergangenen Jahren hat sich der Anteil der Waren, die ohne jegliche Bearbeitung einfach wieder das Land verlassen, von rund 47 auf heute rund 54 Prozent erhöht. Die Abhängigkeit von der weltweiten Konjunktur wird zwar so eher noch gestärkt - bei dem von der Regierung des Stadtstaats eingeschlagenen Wachstumspfad ist sie jedoch alternativlos.

Quelle:  Handelsblatt Online
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