Außerordentliche Hauptversammlung: 99,9 Prozent der LSE-Eigner für Börsenfusion

Außerordentliche Hauptversammlung: 99,9 Prozent der LSE-Eigner für Börsenfusion

, aktualisiert 04. Juli 2016, 17:02 Uhr
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Die Aktionäre der London Stock Exchange (LSE) haben über eine Fusion abgestimmt, deren Eckpunkte sich im Anschluss noch einmal deutlich verändern könnten.

Quelle:Handelsblatt Online

Mit überwältigender Mehrheit haben die Aktionäre der London Stock Exchange (LSE) für den geplanten Zusammenschluss mit der Deutschen Börse votiert. Doch damit sind längst nicht alle Hürden überwunden.

London, Frankfurt99,9 Prozent der Aktionäre der London Stock Exchange (LSE) stimmten am Montag in London auf einer außerordentlichen Hauptversammlung für eine Fusion mit der Deutschen Börse. Trotz scharfer Kritik aus Deutschland zeigte sich LSE-Aufsichtsratschef Donald Brydon zuversichtlich, von den Aufsichtsbehörden grünes Licht für die 25 Milliarden Euro schwere Fusion zu bekommen. „Es gibt keinen Grund, heute von etwas anderem auszugehen.“

Nach dem britischen Referendum für einen EU-Austritt haben die Finanzaufsicht BaFin und hochrangige deutsche Politiker deutlich gemacht, dass sie die geplante Ansiedlung der fusionierten Börse in London für nicht akzeptabel halten. Die Forderung eines Aktionärs, den Zusammenschluss deshalb abzublasen, wies Brydon zurück.Es werde noch mindestens zwei Jahre dauern, bis Großbritannien aus der EU austrete.

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Somit gebe es für beide Börsenbetreiber genügend Zeit, die „optimale Struktur“ für den Deal zu finden, sagte Brydon, der auch den Aufsichtsrat der Mega-Börse führen soll.

Die Hauptversammlung der LSE dauerte lediglich eine halbe Stunde und verlief unspektakulär. Große Proteste, wie man sie von den Hauptversammlungen deutscher Konzerne kennt, gab es nicht. Und von den rund 50 anwesenden Aktionären meldeten sich lediglich zwei zu Wort - darunter Kleinaktionär Dinesh Jain.

Er sagte, die LSE sollte nach dem Brexit keine Verbindung mit einer europäischen Börse eingehen. „Wollen wir uns eine Leiche ans Bein binden?“ Es sei unwahrscheinlich, dass Deutschland dem Zusammenschluss zustimme, wenn Großbritannien kein EU-Mitglied mehr sei. Deshalb solle sich die LSE lieber um „lebendige" Deals mit asiatischen oder lateinamerikanischen Börsenbetreibern bemühen.


Brexit macht Deal für LSE-Aktionäre attraktiver

Die LSE-Aktionäre stimmten über eine Fusion ab, deren Eckpunkte sich im Anschluss noch einmal deutlich verändern könnten. Ein Referendums-Komitee beider Konzerne soll sich in den kommenden Wochen mit möglichen Reaktionen auf den Brexit befassen. Die große Frage ist Insidern zufolge, ob London bereit ist, sich beim Hauptsitz zu bewegen - die Deutsche Börse stellt mit Carsten Kengeter schließlich schon den Vorstandschef.

Wenn die britische Politik nach dem Brexit einen Sitz der Mega-Börse in der EU akzeptiere, könne der Deal noch gelingen, sagten mit dem Prozess vertraute Personen. Sollte Großbritannien dagegen auf einen eigenbestimmten, komplett unabhängigen Kapitalmarkt pochen, werde sie platzen. Politische Sondierungsgespräche sind derzeit allerdings schwierig, schließlich steht noch nicht einmal fest, wer die Nachfolge von Premierminister David Cameron antritt.

Trotz aller Unsicherheit war die Zustimmung der LSE-Aktionäre zur Fusion erwartet worden. Da der Pfund-Kurs seit der Brexit-Entscheidung eingebrochen ist, sei der Deal für die LSE-Eigentümer heute attraktiver, betonten Großaktionäre. Beide Konzerne hatten im Februar festgelegt, dass Deutsche-Börse-Aktionäre gut 54 Prozent am fusionierten Konzern halten sollen und LSE-Eigner knapp 46 Prozent.

„Für die LSE-Aktionäre ist das super, für die Aktionäre der Deutschen Börse nicht“, sagte ein Großinvestor, der an beiden Konzernen beteiligt ist. Er hat noch nicht entschieden, ob er im Rahmen eines Umtauschangebots auch seine Deutsche-Börse-Aktien andienen wird. Die Eigentümer des Dax-Konzerns müssen bis zum 12. Juli Farbe bekennen.

Erst im Anschluss werden die Aufsichtsbehörden über den Deal entscheiden - allen voran die EU-Kommission und die hessische Börsenaufsicht. Letztere hat Insidern zufolge große Vorbehalte gegen eine Ansiedlung der Mega-Börse in London. Wenn beide Unternehmen ihre Fusionspläne nicht noch anpassen, dürfte sie den Zusammenschluss blockieren.

Quelle:  Handelsblatt Online
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