Bafin: Aufsichtsbehörde fürchtet keine neue Finanzkrise

Bafin: Aufsichtsbehörde fürchtet keine neue Finanzkrise

, aktualisiert 22. Februar 2016, 10:33 Uhr
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„Es gibt Marktteilnehmer, die ganz gezielt auf den Kursverfall wetten.“

Quelle:Handelsblatt Online

Der oberste deutsche Bankenaufseher, Felix Hufeld, äußert sich kritisch zum Kursverfall von Bankaktien. Der Verfall spiegele nicht die fundamentalen Fakten wieder. Die Kurse der Geldhäuser behält er dennoch genau im Blick.

Frankfurt am MainDie Finanzaufsicht BaFin sieht in den jüngsten Börsenturbulenzen keinen Vorboten einer neuen Finanzkrise. „Die derzeitigen Ausschläge an den Aktienmärkten spiegeln nicht die fundamentalen Fakten wider, so wie wir sie in den Bilanzen sehen“, sagte BaFin-Präsident Felix Hufeld der „Süddeutschen Zeitung“. „Wir glauben nicht an eine krisenhafte Zuspitzung, die mit 2008 vergleichbar wäre.“ Die Geldhäuser hätten heute dickere Kapital- und Liquiditätspuffer.

Dass die Kurse von Bankaktien und Anleihen zuletzt eingebrochen sind, kann für die Institute aus Sicht von Hufeld nur unter bestimmten Bedingungen zu einem Problem werden – etwa wenn eine Bank in großem Umfang frisches Kapital aufnehmen muss oder wenn sich ihr Rating deutlich verschlechtert. „Ganz entscheidend ist die Frage, ob sich im operativen Geschäft etwas verschlechtert. Wir beobachten zum Beispiel ganz genau, ob die Investoren einem Institut Liquidität entziehen.“

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Bankaktien sind seit Jahresbeginn besonders stark unter die Räder gekommen. Das hat nach Einschätzung des BaFin-Präsidenten verschiedene Gründe. „Da gibt es zum einen Marktteilnehmer, die ganz gezielt auf den Kursverfall wetten. Und dann gibt es welche, die generell besorgt sind wegen bestimmter makroökonomischer Indikatoren.“

Am Markt gab es zuletzt zudem Sorgen, dass kriselnde Banken neuartige Bonds, sogenannte Coco-Anleihen, nicht bedienen könnten. Die Deutschen Bank, die 2015 einen Rekordverlust von fast sieben Milliarden Euro verbuchte, versicherte daraufhin, sie habe genug Geld, um die Zinsen auf die Bonds zu zahlen. Derartige Anleihen sind zunächst Fremdkapital, werden aber automatisch in Eigenkapital umgewandelt, wenn der Kapitalpuffer der Bank unter eine bestimmte Schwelle sinkt. Dann erhalten die Investoren entweder Aktien oder die Papiere werden vorübergehend abgeschrieben, womit die Käufer der Zwangswandelanleihen die Verluste tragen. Die Kapitaldecke der Banken wird auf diese Weise gestärkt.

„Coco-Anleihen sind Risikopapiere“, betonte Hufeld. Sicherheitsbewusste Investoren wie kleine und mittelgroße Lebensversicherungen sollten solche Bonds deshalb nicht erwerben. „Den großen Teil der Papiere haben Fonds gekauft, die landläufig oft dem Schattenbankensektor zugeordnet werden. Da sieht man mal, wie kompliziert Regulierung ist. Die bösen, spekulativen Schattenbanken sind auf einmal willkommene Investoren, weil sie der Sicherheit des Bankensektors dienen.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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