Ballsport in den USA: Deswegen lieben die Amerikaner ihren Baseball

Ballsport in den USA: Deswegen lieben die Amerikaner ihren Baseball

, aktualisiert 29. März 2017, 14:43 Uhr
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Baseball öffnet sich der Welt. Seit 2006 wird der „World Baseball Classic“ (WBC) gespielt, eine echte Weltmeisterschaft, die alle vier Jahre ausgetragen wird.

von Thomas JahnQuelle:Handelsblatt Online

Es ist ein bisschen wie der große Bruder des „Brennballs“ aus der Schulzeit. In Amerika beginnt die neue Baseball-Saison – und ein ganzes Land ist im Fieber. Was den Sport für die Menschen in Amerika so besonders macht.

New YorkEin Fieber breitet sich in Amerika aus. Die neue Baseball-Saison fängt Anfang April an. Bis zum Herbst spielen fast jeden Tag die Yankees, Mets oder 28 andere Mannschaften um die World Series. Eine typisch amerikanische Übertreibung, aber in der Tat ist es eine Weltmeisterschaft – das Spiel wird sonst in keinem anderen Land mit so viel Klasse, Leidenschaft und Aufwand gespielt wie in den USA.

Die Radiostimme im Auto, der laufende Fernseher in der Sportsbar, Baseball ist ein Teil amerikanischer Kultur. In Deutschland kennen die meisten das Spiel kaum und langweilen sich beim zuschauen, was kein Wunder ist. Die Spielregeln sind nicht einfach zu verstehen. Auch ist das Spiel so anders als andere Ballsportarten, oft passiert nicht viel, die Spieler stehen herum, bis plötzlich in wenigen Sekunden alle losrennen und man den Überblick verliert.

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Schade. Baseball anzuschauen ist eine faszinierende Sache. Im Prinzip geht um ein Duell: Der Werfer oder „Pitcher“ muss den harten, kleinen Ball am Schläger oder „Batter“ vorbeibekommen. Das ist ein Zweikampf, der an die Nerven geht, ähnlich wie ein Elfmeterschießen, nur dass das Tor viel kleiner ist: Die „Strike Zone“ ist ein Fenster, das vom Knie bis zur Schulter der Batters reicht. Diese Zone ist kurioserweise nicht nur unsichtbar, sondern verändert sich mit der Körpergröße des Schlägers.

Baseball ist eine Mischung aus Individual- und Mannschaftssport, was es sonst kaum gibt. Der Zweikampf löst sich sofort auf, wenn der Batter einen Ball trifft und der ins Spielfeld fliegt. Jetzt kommt es auf die Verteidigung an, die Mannschaft des Werfers will mit allen Mitteln verhindern, dass der Ball den Boden berührt. Oft kommt es dabei zu spektakulären Hechtbaggern oder Sprüngen. Dann muss der Ball schnell zurück gebracht werden, damit der Schläger nicht von Base zu Base laufen und einen Punkt sammeln kann. Fliegt der Ball über den Zaun, ist alles zu spät: Homerun.

Take Me To The Ballpark – das mehr als hundert Jahre alte Lied kennt jedes amerikanische Kind. Es handelt von einem baseballverrückten Mädchen, das lieber zu einem Spiel als zur Kirmes ausgeführt werden will. Es zeigt die sympathische, soziale Seite von Baseball. Im Publikum sitzen nicht nur Männer, sondern viele Familien und Frauen. Schlägereien und Hooligans sind fast unbekannt, das Spielfeld ist nicht mit Zäunen geschützt. Die vielen Pausen im Baseball stören keinen, sie geben Gelegenheit zum Schwatzen oder Essen.

Schon immer war Baseball Motor für sozialen Wandel in Amerika. Früher eine reine Angelegenheit für weiße Männer, kamen dort bald auch hispanische Spieler hinzu. Als 1947 Jackie Robinson als erster schwarzer Spieler bei den Dodgers auftrat, kam es zu Todesdrohungen – und zum Titel „Bester neuer Spieler des Jahres“. Schon bald waren afroamerikanische Spieler selbstverständlich.

Derzeit öffnet sich Baseball der Welt. Seit 2006 wird der „World Baseball Classic“ (WBC) gespielt, eine echte Weltmeisterschaft, die alle vier Jahre ausgetragen wird und zum ersten Mal von den USA gewonnen wurde. Die Einschaltquoten von dem WBC 2017 gingen durch die Decke, erstmals besuchten mehr als eine Million Fans die Spiele, von dem das Halbfinale und Finale in den USA ausgetragen wurde.

Die Karten kosten wenig Geld und sind leicht zu kaufen. In New York gibt es zwei nagelneue Stadien. Vor allem das Citifields von den Mets in Queens ist zu empfehlen, es ist viel schöner als das von den Yankees – und das Essen ist auch besser. Und nicht wundern, wenn im zweiten Drittel des Spiels alle aufstehen und sich recken. Es ist der Seven-Inning-Stretch. Dazu spielt man das berühmte Lied: Take me out to the ball game, Take me out with the crowd; Buy me some peanuts and Cracker Jack, I don't care if I never get back.

Quelle:  Handelsblatt Online
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