Banca Popolare di Vicenza: Wie Italien eine Bankenrettung vergeigte

Banca Popolare di Vicenza: Wie Italien eine Bankenrettung vergeigte

, aktualisiert 02. Mai 2016, 19:13 Uhr
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Die Papiere der italienischen Krisenbank werden nicht gehandelt.

Quelle:Handelsblatt Online

Die italienische Börsenaufsicht verhindert den Börsengang der Banca Popolare di Vicenza. Begründung: zu wenige Interessenten. Damit ist der neue Bankenrettungsfonds „Atlante“ gleich am ersten Auftrag gescheitert.

RomInvestoren hätten sich nicht gerade darum gerissen, an der Kapitalerhöhung teilzunehmen, ätzten italienische Zeitungen schon am Wochenende über den geplanten Börsengang der italienischen Großbank Banca Popolare di Vicenza. Am Montagnachmittag kam schließlich das Verdikt der Mailänder Börse: Die Quotierung der Bank falle aus, da „die Voraussetzungen nicht gegeben sind, um ein reguläres Funktionieren des Marktes zu gewährleisten“. Damit hat die Sanierung des Bankensektors in Italien einen weiteren Schlag erlitten. Die Aktien der Geldhäuser rutschten schon am Nachmittag in Mailand in den Keller.

Am Mittwoch der laufenden Woche sollten die Papiere von Banca Popolare di Vicenza zum ersten Mal nach der Kapitalerhöhung von 1,75 Milliarden Euro an der Mailänder Börse gehandelt werden. Das wird wohl wegen der schwachen Nachfrage nicht funktionieren. Nur für rund sieben Prozent des Gesamtwerts hatten Investoren bis zum Wochenbeginn gezeichnet, davon fünf Prozent institutionelle Investoren und der Rest private. Deshalb musste der neue Rettungsfonds „Atlante“ einspringen, der nach erheblichem Druck der Regierung vor zwei Wochen von Banken und Versicherungen gegründet und mit vielen Vorschusslorbeeren versehen worden war.

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Der neue Fonds, der explizit den Banken bei Kapitalerhöhungen und beim Abbau der faulen Kredite helfen soll – ohne Staatsgeld – , muss nun für 91,72 Prozent der Kapitalerhöhung von Banca Popolare di Vicenza garantieren. Als Bedingung für einen Börsengang hatte „Atlante“ festgelegt, dass mindestens ein Viertel des Aktienkapitals an der Mailänder Börse gehandelt werden müsse. Und „Atlante“ wollte verhindern, ein Pflichtangebot für die restlichen Anteile abgeben zu müssen. Nun, da die Bank an diesen Bedingungen gescheitert ist, muss ihre Rettung auch ohne einen Börsengang gehen.

Auch intern dürfte der gescheiterte Gang aufs Parkett eine große Enttäuschung sein. Denn Chef der Banca Popolare di Vicenza, Francesco Iorio, arbeitet seit Monaten an der Umwandlung des Geldinstituts in eine Aktiengesellschaft und am Börsengang. Die italienische Regierung hatte vor einem Jahr per Gesetzesdekret verfügt, dass alle Volksbanken bis Jahresende in Aktiengesellschaften umgewandelt werden müssen. Nach der missglückten Premiere wird es jetzt schwieriger für Premier Matteo Renzi, die Reformen voranzutreiben.

Der „Fonds“ Atlante, vom Internationalen Währungsfonds über die EU-Kommission bis zur Europäischen Zentralbank als „erster Schritt“ zur Konsolidierung des Bankensektors begrüßt, ist bislang mit 4,8 Milliarden Euro ausgestattet. Jetzt muss er den Löwenanteil der 1,5 Milliarden für die oberitalienische Bank berappen. Und die nächste Kapitalerhöhung steht bevor: Im Juni muss Veneto Banca eine Milliarde zusammen bekommen.

„Der Markt hat eine klare Nachricht an Atlante: die Rettung der Banken ist eure Angelegenheit“, lautet ein erster Kommentar. Der Flop beim Börsengang sei außerdem schon die zweite schlechte Nachricht. Denn ursprünglich sollte der Fonds „Atlante“ mit sechs Milliarden Euro ausgestattet werden. Zusammen kamen aber nur 4,8 Milliarden.

Das macht auch die zweite Aufgabe von „Atlante“ komplizierter: den Abbau der faulen Kredite in den Büchern der Banken. Geplant waren 70 Prozent des Fonds für Kapitalerhöhungen und 30 Prozent für den Aufkauf fauler Kredite. Ob es bei dem Plan bleibt, ist nun ungewiss.

Quelle:  Handelsblatt Online
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