Bangkoks Träumer: Das letzte große Abenteuer

Bangkoks Träumer: Das letzte große Abenteuer

, aktualisiert 26. Februar 2017, 12:15 Uhr
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Die thailändische Hauptstadt ist für manch einen der Ort für die letzten großen Träume.

von Frederic SpohrQuelle:Handelsblatt Online

Bangkok ist ein Paradies für Lebenskünstler. Für viele ist die Hauptstadt des Königreichs Thailand die letzte große Chance zum Glück – und die ist oft gar nicht mal so klein. Eine Weltgeschichte.

BangkokEs gibt in Thailand diese Dosen, die vollgestopft sind mit Makrelen in Tomatensauce und während ich eingepfercht im Bangkoker Skytrain stehe, muss ich genau an diese Dosen denken. Warum lebe ich in dieser riesigen Millionenstadt und fahre morgens in einer Makrelendose zur Arbeit, frage ich mich, da tippt von hinten jemand an meine Schulter.

Ich drehe mich und gucke einem alten Mann ins Gesicht. Zwischen den Falten sprießen einzelne Inseln mit Barthaaren hervor, der Mann riecht nach Alkohol und Zigarettenrauch. Es ist halb neun morgens, und nach einer kurzen Inhaltsangabe seines Lebens, er war US-Offizier, stellt er sich mir vor. „Man nennt mich Funky Frankie“, sagt er. „Weil ich immer am Tanzen bin. Rechts ein Mädel, links ein Mädel.“ Er beginnt, leicht mit den Hüften zu wackeln.

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Männer in der letzten Blüte ihres Lebens, und das ist kein Geheimnis, trifft man recht häufig in Bangkok. Sie gehören zur Stadt wie die Tuktuks und Buddhas. Die Hitze, der Lärm, das macht ihnen alles nichts aus, sie schweben durch das Chaos der Megacity wie rosige, dicke Engel.

Was aber unterschätzt wird, ist der Tatendrang, den viele mitbringen. Viele kommen hierher für Projekte, für das letzte große Ding, ein letztes Abenteuer. Frank Sinatra singt über New York: „If I can make it there, I'll make it anywhere.” Über Bangkok denken sich viele: Wenn man es dort nicht schafft, dann nirgendwo. Die Arbeitskraft ist günstig, Beamte drücken auch mal ein Auge zu. Es ist das Paradies für Lebenskünstler.

Der ehemalige britische Boxer Gareth Payne, der bei einem Unfall vor 15 Jahren beide Beine verloren hat, kämpfte sich in Bangkok mit einem Burger-Stand durch und wurde kürzlich zurecht als Held gefeiert. Bangkok ist vielleicht die letzte Chance zum Glück – aber es ist keine schlechte.

Möglicherweise ist Bangkok auch die einzige Stadt, in der Geschäftsideen in der Stadtbahn geschmiedet werden: Zu mir und Funky Frankie kämpft sich ein Schweizer, der gerade noch an der Scheibe geklebt hat. Ob ich ihm vielleicht helfen könne, sagt er, er sei da an etwas dran, etwas Großem. „Seit ich acht Jahre alt bin, träume ich davon, den besten Wasserfilter der Welt zu bauen“, sagt der Schweizer. „Jetzt habe ich ihn.“

Ich überlege noch, von was ich mit acht Jahren geträumt habe, da ist Funky Frankie schon ganz aufgewühlt und will bei dem Schweizer einsteigen. Er hätte mal wieder Lust auf ein Business, sagt er, und er kenne Leute in der Botschaft, ganz oben, aber nicht nur dort, sondern auf der ganzen Welt. Für Henry Kissinger habe er mal eine Rede geschrieben.

Der Schweizer guckt mich an, Funky Frankie guckt den Schweizer an, und die Thais um uns, gucken sich gegenseitig an. Vermutlich fragen sie sich, was diese ganzen Typen aus dem Westen eigentlich in ihrem Skytrain machen, in ihrem Land, und ich würde ihnen gerne sagen, dass sie einfach nur das letzte große Abenteuer suchen.

Wir bleiben in Kontakt, sagt der Schweizer und gibt mir eine Visitenkarte. Ich lese: Preiswerte Touren in Mittelklasse-Autos in der Schweiz. Nicht wundern, sagt der Schweizer, er habe auch schon essbares Besteck an die Bundesbahnen verkauft. Ich stecke die Visitenkarte ein, quetsche mich zum Ausgang, die Tür geht auf und ich steige hinaus in die Freiheit. Für Funky Frankie und den Schweizer geht die Reise weiter. Ich wünsche ihnen alles Gute.

Quelle:  Handelsblatt Online
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