Banken: Das Ende der billigen Konten

Banken: Das Ende der billigen Konten

, aktualisiert 08. Juni 2016, 18:37 Uhr
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Der Hauptsitz der Commerzbank.

von Michael MaischQuelle:Handelsblatt Online

Deutschlands Banken sind in der ultralockeren Geldpolitik gefangen, die Margen schmelzen dahin. Berater empfehlen den Instituten jetzt höhere Gebühren, um im Privatkundengeschäft mehr Geld verdienen zu können.

FrankfurtDeutschlands Banken sind in einer Art perfektem Sturm gefangen. Die ultralockere Geldpolitik frisst die Margen auf, gleichzeitig untergraben die immer härteren Vorgaben der Regulierer die Geschäftsmodelle, und junge agile Finanztechnologiefirmen jagen den etablierten Geldhäusern Marktanteile ab. Allein im Privatkundengeschäft sind die Erträge seit 2006 um 15 Prozent geschrumpft, rechnen die Berater der Boston Consulting Group (BCG) vor. Und bis 2020 werden voraussichtlich noch einmal fünf Prozent wegfallen.

Für die Banken hat BCG eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: Die Erosion der Erträge im Privatkundengeschäft kann aufgehalten werden. Die schlechte: Filialschließungen und Personalabbau werden dafür nicht genügen. „Es reicht nicht, nur Kosten zu senken und in einen Rückbauwettbewerb mit der Konkurrenz zu verfallen“, warnt BCG-Partner Holger Sachse.

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Rund zehn Milliarden Euro könnten die deutschen Banken an zusätzlichen Erträgen aus dem Privatkundengeschäft herausholen, glauben die Berater. Das entspricht einem Fünftel der derzeit in diesem Bereich erwirtschafteten Erträge, die von der Beratungsfirma auf rund 50 Milliarden Euro geschätzt werden.

Das größte zusätzliche Potenzial sehen die Berater in einem für viele Kunden sensiblen Bereich: bei den Gebühren. Höhere Preise für Girokonten und Vorsorgeleistungen versprächen zusätzliche Einnahmen zwischen 3,5 und fünf Milliarden Euro. Tatsächlich haben zahlreiche Banken bereits damit begonnen, und für den Sparkassenpräsidenten Georg Fahrenschon ist klar, dass „die Zeit von kostenlosen Girokonten vorbei ist“. Auch Uwe Fröhlich, Präsident der Genossenschaftsbanken glaubt, dass den Geldhäusern angesichts der schwierigen Ertragslage nichts anderes übrig bleibt, als für bisherige Gratisleistungen Geld zu verlangen.

BCG sieht aber noch andere Wege, die Banken aus der Ertragsmisere im Privatkundengeschäft führen könnten. Dazu zählt auch die engere Verzahnung mit jungen Technologieunternehmen, sogenannten Fintechs. Hier beziffern die Berater das Ertragspotenzial auf bis zu 3,5 Milliarden Euro. Zwei bis 3,5 Milliarden Euro könnte außerdem die Auswertung großer Datenmengen bringen.

Allerdings ist die Nutzung von Big Data gerade im Geldgeschäft heikel. „Die Kunden dürfen nicht das Gefühl bekommen, dass die Bank ihre Kontodaten durchwühlt, nur um mehr Produkte zu verkaufen“, warnt BCG-Berater Sachse. Aber eine aktuelle Umfrage von Sopra Steria Consulting zeigt, dass die Bereitschaft der Kunden wächst, persönliche Daten zur Verfügung zu stellen. Danach haben schon heute 47 Prozent der Befragten kein Problem damit, wenn ihre Kontoumsätze für individuelle Angebote ausgewertet werden.

Quelle:  Handelsblatt Online
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