Banken in Singapur: Riesen an die Leine

Banken in Singapur: Riesen an die Leine

, aktualisiert 14. November 2011, 19:16 Uhr
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Die DBS ist die größte Bank in Südostasien.

Quelle:Handelsblatt Online

Singapur ist einer der wichtigsten Bankenstandorte in Südostasien. Zwar sind die Regularien überschaubar, doch wenn es um die Sicherheit der Wirtschaft geht, übertrifft der Staat international vorgeschriebene Regelungen.

MumbaiIm Jahr 2010 gehörte die Finanzbranche zu den am schnellsten wachsenden Sektoren in Singapur. Mit 12,2 Prozent Plus auf Jahressicht blieb sie lediglich hinter der verarbeitenden Industrie und dem Handel zurück. Sowohl der Tourismus als auch die allgemeinen Unternehmensdienstleistungen konnten nicht mit dem Finanzsektor des Stadtstaats mithalten. Dennoch entschied sich die Regierung, die eigenen Banken enger zu kontrollieren - und wagte den Spagat zwischen einfachen Regeln zur Niederlassung von ausländischen Banken und strenger Kontrolle der Geldmittel der heimischen Institute.

Denn was Basel III, der von den 20 großen Wirtschaftsnationen G20 beschlossene Standard für das Eigenkapital von Banken vorschreibt, das hat Singapur strenger geregelt. Seit Mitte des Jahres hat der Stadtstaat eigene Vorschriften erlassen, um die sechs heimischen Institute sicherer zu machen. Nach Einschätzung der dortigen Regierung wäre ein Bankrott jeder dieser sechs Banken eine Gefahr für die Stabilität der dortigen Wirtschaft - und bei der machen die Politiker keine Kompromisse. Geschadet hat dieses Verhalten dem Bankenstandort Singapur bisher nicht.

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Im Gegenteil: Noch immer streben sowohl Kunden als auch Bankhäuser nach Singapur. Zur Jahresmitte rüttelte der „Global Private Banking and Wealth Management Report 2011“ der Beraterfirma Pricewaterhouse Coopers (PwC) die Bankenwelt auf, der voraussagte, dass bereits 2013 nicht mehr die Schweiz der wichtigste Standort der Welt für Wealth Management sein würde, sondern Singapur. Als Grund nennt der Report neben einer grundsätzlichen Tendenz, Investitionsschwergewichte nach Asien zu verschieben, vor allem drei Dinge: Steigender Reichtum in Asien, wachsende Regularien in Europa und das Schwinden des Schweizer Bankgeheimnisses.

So hat etwa die DBS, Singapurs und gleichzeitig Südostasiens größtes Geldhaus, im dritten Quartal 2011 wieder einen deutlichen Aufschwung gespürt. Nettogewinn, vergebene Kredite und Kundeneinlagen stiegen spürbar an. Gleich drei der zehn größten Unternehmen in Singapur sind laut aktueller Forbes-Liste der wertvollsten Unternehmen weltweit Banken.


Strenge, aber einfache Regeln

Kern der neuen Vorschriften in Singapur ist, dass die Institute ihr Eigenkapital schneller und stärker erhöhen müssen, als von Basel III verlangt. Bis 2019 verlangt die Finanzaufsicht von den heimischen Instituten, dass ihr Eigenkapital 12,5 Prozent der risikogewichteten Bilanzposten ausmacht. Das harte Kernkapital muss mindestens 9,0 Prozent betragen. Damit ist gemeint, dass es sich ausschließlich aus Aktien oder einbehaltenen Gewinnen zusammensetzen darf. Bei beiden Kennzahlen übertrumpfen die Regularien des Stadtstaats die G20-Regelungen um glatte zwei Prozentpunkte.

Damit greift Singapur lokal einer Regelung vor, die wahrscheinlich auch zumindest für die großen Banken bald international gelten dürfte. In der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht wird mit hoher Wahrscheinlichkeit international vernetzten Großbanken verschärfte Eigenkapitalregeln auferlegen - und sie damit wieder in die Nähe der Anforderungen rücken, die Singapur bereits an seine Banken stellt.

Auch hier scheint der Stadtstaat wieder einmal erkannt zu haben, auf was es zurzeit in der Weltwirtschaft ankommt. Die eigene Wirtschaft wird durch klare Regeln für die eigenen Banken geschützt, gleichzeitig werden Kapitalströme ins Land aber so wenig wie möglich behindert. Wenn große Banken in Singapur investieren wollen, ist ihr größtes Hindernis seit einiger Zeit nicht mehr die Bürokratie, sondern schlicht und einfach Personalmangel. So viele neue Präsenzen und Filialen wurden in den vergangenen beiden Jahren eröffnet, dass der Markt für gute Berater mit westlichem Auftreten und Verständnis für die Finanzmärkte so gut wie leer gefegt ist.

Quelle:  Handelsblatt Online
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