Banken-Quartalszahlen: UBS erhöht Rückstellungen – RBS wieder enttäuschend

Banken-Quartalszahlen: UBS erhöht Rückstellungen – RBS wieder enttäuschend

, aktualisiert 28. Oktober 2016, 15:47 Uhr
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Die Schweizer Großbank weist einen erhöhten Vorsteuergewinn auf.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Bilanzsaison ist in vollem Gange: Mit der UBS, BNP Paribas und der Royal Bank of Scotland (RBS) haben gleich mehrere große europäische Geldhäuser am Freitag ihre Zahlen vorgelegt. Eine Übersicht.

Zürich/London/ParisNicht nur bei der Deutschen Bank wirken die nach wie vor unklaren Rechtsstreitigkeiten stark belastend auf das gesamte Geschäft. Auch die Schweizer Großbank UBS hat mit juristischem Ärger zu kämpfen – unter anderem überschatten drohende Strafen für faule US-Immobilienpapiere die Fortschritte beim Sparkurs. Die UBS bildet ausreichend Rückstellungen – im dritten Quartal um 417 Millionen auf 1,4 Milliarden Dollar.

Wie lange sich die Fälle noch hinziehen könnten, ließ Bankchef Sergio Ermotti am Freitag offen. „Wir äußern uns nie zum Zeitrahmen für eine Lösung, weil wir keine Kontrolle über diese Dinge haben“, sagte er. Parallelen zur Deutschen Bank, der allein im Rechtsstreit mit dem US-Justizministerium eine Strafe von 14 Milliarden Dollar droht, sehe er nicht. „Jede Bank hat ihre eigene Rechtsposition“, sagte Ermotti.

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Trotz der erhöhten Rückstellungen stieg der Vorsteuergewinn des Schweizer Branchenprimus im Sommerquartal um elf Prozent auf 877 Millionen Franken. Grund dafür waren neben anziehenden Geschäften in den USA sinkende Kosten im Zuge des laufenden Sparprogramm. Das kam an der Börse gut an: Die UBS-Aktie setzte zum Kurssprung an.

Die Streitigkeiten wegen fauler US-Immobilienkredite zählen zu den größten noch anhängigen Rechtsfällen der Bank. Vor der Finanzkrise hatten viele Großbanken dort Hypotheken an mittellose Familien vergeben. Die Risiken wurden anschließend an Investoren weitergereicht – in Form von hochkomplexen Anleihen, die den Banken hohe Gebühren brachten.

Als der Markt 2007 kollabierte, erwiesen sich diese Bonds als wertlos. Viele der Käufer fühlten sich über den Tisch gezogen und klagten erfolgreich gegen die Banken. Die UBS verbuchte wegen Geschäften mit Immobilienpapieren in der Finanzkrise massive Verluste und musste vom Staat gerettet werden. Konzernweit lagen die Vorsorgen für Rechtsstreitigkeiten Ende September bei 2,98 Milliarden Franken.

Im operativen Geschäft läuft es für die UBS durchwachsen: In der Vermögensverwaltung sind die reichen Kunden wegen des schwachen Wirtschaftswachstums und möglicher Umwälzungen durch die US-Präsidentschaftswahlen oder den Brexit verunsichert und halten sich mit Käufen und Verkäufen von Wertpapieren zurück. Der Bank gehen damit wichtige Gebühreneinnahmen verloren.

Allerdings konnte das Institut im dritten Quartal weltweit netto rund 10 Milliarden Franken an neuen Geldern einsammeln - vor allem von vermögenden Kunden aus Asien. In der Investmentbank brach der Gewinn wegen der Flaute im Aktienhandel ein. US-Investmentbanken hatten hier von einem boomenden Anleihenhandel profitiert, in dem die UBS jedoch nicht so stark vertreten ist.

Die Einbußen konnte UBS jedoch unter anderem durch das laufende Sparprogramm ausgleichen. Im Zuge dessen will die Bank ihre Kosten bis Ende 2017 um 2,1 Milliarden Franken senken – unter anderem durch einen Stellenabbau. Bis Ende September hatte sie 1,5 Milliarden Franken davon eingetütet. Sparprogramme seien jedoch mittelfristig nicht die einzige Möglichkeit, um Kosten zu senken, sagte Bankchef Ermotti. Dies sei branchenweit auch durch Fusionen oder branchenübergreifende Initiativen etwa zur gemeinsamen Nutzung von Infrastruktur möglich. „Das Thema ist in Wahrheit nicht 'Too big to fail', sondern 'Too small to survive'“, sagte er.


BNP: Solide in die Zukunft

Erfolgreiche Zahlen legte auch BNP Paribas vor: Die größte französische Bank hat ihren Gewinn dank guter Geschäfte im Investmentbanking ausgebaut. Der Überschuss stieg um drei Prozent auf 1,9 Milliarden Euro, wie das Geldhaus mitteilte.

Das Institut steht damit deutlich besser da als der Konkurrent Deutsche Bank, der von Juli bis Ende September trotz guter Handelsgeschäfte nur knapp 300 Millionen Euro Gewinn machte. An der Börse ist BNP Paribas derzeit rund 67 Milliarden Euro wert – mehr als drei mal so viel wie Deutschlands größtes Geldhaus.

BNP wurde wegen Verstößen gegen US-Sanktionen 2014 zu einer Strafe von acht Milliarden Dollar verdonnert. Seitdem gibt es keine großen offenen Rechtsstreitigkeiten mehr, die der Bank das Leben schwermachen. Anfang des Jahres beschloss BNP, das Investmentbanking noch stärker zurückzufahren und die Kosten auch in anderen Geschäftsbereichen zu senken. Dieser Kurs trägt nun erste Früchte. Die Kernkapitalquote des französischen Branchenprimus stieg im dritten Quartal um 0,3 Punkte auf 11,4 Prozent. "Die Bilanz unserer Gruppe ist grundsolide", erklärte BNP-Chef Jean-Laurent Bonnafe.

Als eines der ersten europäischen Geldhäuser gab das Institut zudem bekannt, welche Kapitalquote es künftig auf Druck der Europäischen Zentralbank (EZB) erfüllen muss. Die Aufseher haben alle Großbanken im Rahmen des sogenannten „Supervisory Review and Evaluation Process“ (SREP) 2016 durchleuchtet und ihnen kürzlich in einem vorläufigen Schreiben mitgeteilt, welche Mindestkernkapitalquoten sie künftig aufweisen müssen.

Finale Entscheidungen sollen bis Jahresende fallen. BNP muss nach eigenen Angaben bis 2019 eine SREP-Quote von 10,25 Prozent erfüllen. Hinzu kommen dann noch zusätzliche Anforderungen, darunter ein Extra-Sicherheitspuffer für weltweit systemrelevante Banken.

RBS: Unruhige Zeiten

Anders sieht es bei der krisengeplagten Royal Bank of Scotland (RBS) aus. Das Geldhaus schrieb im dritten Quartal erneut rote Zahlen. Sonderkosten für Altlasten und den Umbau des Konzerns sowie höhere Rückstellungen für faule Kredite setzten dem Institut aus Edinburgh zu, das seit 2007 auf Jahresbasis keinen Gewinn mehr einfahren konnte.

Von Juli bis September fiel ein Verlust von 469 Millionen Pfund (rund 523 Millionen Euro) an, erklärte die RBS. Er war mehr als doppelt so hoch wie von Analysten erwartet. Ein Jahr zuvor stand noch ein Gewinn von 952 Millionen Pfund in der Bilanz.

„Wir haben immer gesagt, dass 2015 und 2016 unruhig werden wird“, sagte RBS-Chef Ross McEwan. Die Bank arbeite sich durch die Rechtsstreitigkeiten aus der Vergangenheit und baue kräftig um. „Dieses Ergebnis spiegelt den dabei anfallenden Lärm wider.“ Im Rahmen der Restrukturierung werden Beteiligungen verkauft und zahlreiche Stellen gestrichen. An der Londoner Börse büßten RBS-Aktien zum Wochenausklang gut zwei Prozent an Wert ein.

Die roten Zahlen nähren Zweifel, ob der Staat mit der Rettung der Bank in der Finanzkrise - wie teilweise bei anderen Instituten - am Ende einen Gewinn machen kann. Über 70 Prozent der RBS-Aktien gehören der Regierung in London. 45 Milliarden Pfund wurden 2008 in die Bank gesteckt, um sie aufzufangen. Die britische Regierung hat bislang damit einen Verlust von mindestens 25 Milliarden Pfund gemacht. Beim Rivalen Lloyds lief es für den Staat dagegen bislang besser. Hier trieb die Regierung den Ausstieg kürzlich weiter voran und senkte den Anteil auf knapp neun Prozent.

RBS teilte zudem mit, die auf Kredite für Privat- und Geschäftskunden spezialisierte Tochter Williams & Glyn nicht wie geplant bis Ende 2017 verkaufen zu können. Dies war eigentlich eine der Bedingungen für die staatliche Rettung vor acht Jahren. Das Niedrigzinsumfeld setzt der Tochter zu.

Die bislang erfolglosen Versuche, Williams & Glyn abzustoßen, war ein wichtiger Grund für die Restrukturierungskosten in Höhe von 469 Millionen Pfund. Für Altlasten wurden weitere 425 Millionen Pfund zurückgelegt. Die Rückstellungen für faule Kredite erhöhten sich im Quartal um 82 Prozent auf 144 Millionen Pfund.

Quelle:  Handelsblatt Online
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