Banken-Schreck: Fintechs saugen frisches Kapital auf

Banken-Schreck: Fintechs saugen frisches Kapital auf

, aktualisiert 10. März 2016, 11:45 Uhr
von Peter KöhlerQuelle:Handelsblatt Online

Innovative Finanzdienstleiter haben 2015 so viel Geld wie nie zuvor eingesammelt. Doch es gab auch erste Dämpfer für die Konkurrenten der Banken. Ist ihr Höhepunkt schon erreicht?

Bild vergrößern

Eine Mitarbeiterin im Tech-Zentrum der US-Großbank Citi.

FrankfurtWenn es Brei regnet, muss man den Löffel raushalten, sagt der Volksmund. Und das denken sich wohl auch die Jungunternehmer, die mit immer neuen Plattformen und Web-Angeboten versuchen, den Banken und Versicherern Teile des Geschäfts abzugraben. Sie können sich offenbar kaum retten vor Geldgebern, die beim vermeintlich nächsten ganz großen Ding dabei sein wollen.

Weltweit stiegen nämlich die Investitionen in Start-ups aus dem Bereich der Finanzdienstleister (Fintechs) im vergangenen Jahr um 56 Prozent auf den neuen Rekord von 19,1 Milliarden Dollar. Spezielle Fonds für Risikokapital steuerten dabei mit 13,8 Milliarden Dollar knapp drei Viertel der Summe bei – ein Plus von über 100 Prozent gegenüber 2014. Finanziert wurden damit rund 650 Firmen.

Anzeige

Und auch die Zahl der Mega-Deals, also Investments von mehr als 50 Millionen Dollar, kletterte mit 63 Abschlüssen ebenfalls auf einen Rekordstand, zwischen 2011 und 2013 waren es noch weniger als 15 gewesen.

Dass die Fintech-Mania offenbar ihren Höhepunkt erreicht hat, spiegelt sich auch in den Bewertungen wider. Weltweit gibt es laut einer Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG jetzt 19 sogenannte Einhörner, also Unternehmen mit einer Bewertung von mindestens einer Milliarde Dollar. Fast drei Viertel davon waren im Zahlungsverkehr oder der Kreditvergabe tätig. An der Spitze stand der Finanzmarktplatz Lu.com mit zehn Milliarden Dollar, gefolgt von Zhong An Insurance mit acht Milliarden Dollar und der Zahlungsabwickler Stripe mit fünf Milliarden Dollar.

Allerdings scheint die Goldgräberstimmung zu Beginn des laufenden Jahres getrübt worden zu sein. Denn trotz der positiven Bilanz gab es im vierten Quartal 2015 auch einen Dämpfer. Die Venture-Capital-Investitionen lagen deutlich niedriger als in der Vergleichszeit des Vorjahres. „Der Rückgang im letzten Quartal deutet darauf hin, dass die Mittelbeschaffung zunehmend schwieriger wird. Auch dürften die Bewertungen etwas nach unten geschraubt werden, da sie sich inzwischen doch recht häufig von den Fundamentaldaten entfernt haben“, sagt KPMG-Partner Tim Dümichen. Das eher vorsichtige Agieren gegen Ende des vergangenen Jahres dürfte noch einige Quartale anhalten, werde das Interesse an den Fintechs aber keinesfalls dauerhaft dämpfen.


Sprunghaft gestiegen sind vor allem die Investments in die Bitcoin- und Blockchain-Technologien, insgesamt wurden hier bei 74 Transaktionen knapp 500 Millionen Dollar reingesteckt. 2015 sprangen hier beispielsweise Citibank, Santander, Wells Fargo und HSBC auf den Zug, um ihre Arbeitsprozesse effizient, schneller und sicherer zu machen. Am aktivsten unterstützten aber Citigroup und Goldman Sachs sowie JP Morgan diejenigen Fintechs, die mit Risikokapital aufgepäppelt werden.


Berlin ist im Vergleich zu Schanghai ein Zwerg

Die größten Exits über die Börse waren Lending Club mit einer Bewertung von 5,4 Milliarden Dollar, Square mit 4,7 Milliarden Dollar, OnDeck Capital, Shopify mit jeweils 1,3 Milliarden Dollar sowie PayEase mit 750 Millionen Dollar. Für die Anleger war dies aber kein Segen, denn Lending Club und OnDeck Capital haben laut Bloomberg seit der Erstnotiz rund 40 Prozent verloren. In den kommenden Jahren werden viele Firmen mit Wagniskapital den Sprung an die Börse versuchen, aber einem großen Anteil der VC-finanzierten Unternehmen wird das nicht gelingen, heißt es beim Analysehaus Pitchbook.

In Deutschland flossen 2015 gut 190 Millionen Dollar in 21 Firmen, im Jahr zuvor waren 100 Millionen Dollar an 15 Start-ups verteilt worden. Das meiste Geld für den Ausbau der Geschäftsmodelle bekamen Kreditech mit 92 Millionen Dollar sowie Raisin und Smava. Gemessen an der Zahl der Transaktionen ist Berlin die Hauptstadt der Fintechs mit zehn Deals und 79 Millionen Dollar, danach kommt Hamburg mit fünf Deals und 109 Millionen Dollar. Zum Vergleich: In Schanghai wurden 1,6 Milliarden Dollar auf fünf Unternehmen verteilt.

In Asien explodierte das Investoreninteresse an Fintechs förmlich – für 130 Deals wurden hier 4,5 Milliarden Dollar eingesammelt, mehr als in den insgesamt vier Jahren zuvor. Obwohl die Jungunternehmer so viel Kapital erhalte wie noch nie zuvor, wollen einige Experten von einer Übertreibung im Markt nichts wissen. „Von einer Blase sind wir bei Fintechs noch weit entfernt“, so die Einschätzung von Christian Nagel, Partner und Mitgründer des Wagniskapitalgebers Earlybird. Die Investitionen stiegen nicht mehr so rasant an, deshalb könne von einer Überhitzung des Marktes keine Rede sein, erklärte er auf einer Fintech-Konferenz in Frankfurt.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%