Banken: Sparkassen ohne Schadenfreude wegen Deutscher Bank

Banken: Sparkassen ohne Schadenfreude wegen Deutscher Bank

, aktualisiert 20. September 2016, 16:11 Uhr
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Derzeit gibt es noch 408 Sparkassen. Ihre Zahl dürfte weiter schrumpfen. 20 Fusionen sind aktuell bei ihrem IT-Dienstleister fest angemeldet.

von Elisabeth Atzler und Robert LandgrafQuelle:Handelsblatt Online

Kleinen Sparkassen stehen schwere Zeiten bevor. Sie trifft die strikte Regulierung, weil die Kosten im Vergleich zur Größe hoch sind. Die Schwierigkeiten von Deutschlands größter Bank bringen da auch keine Erleichterung.

FrankfurtDie deutschen Sparkassen hatten sich als Gewinner der Finanzkrise fühlen dürfen. Mit ihrem als solide, risikoarm und lokal verbunden geltendem Geschäft kamen die öffentlich-rechtlichen Geldhäuser selbst gut durch die turbulente Zeit. Doch die Aussichten besonders für die kleinen Kreditinstitute unter den Sparkassen – Ähnliches gilt für die Volks- und Raiffeisenbanken – sind alles andere als rosig.

Schuld daran sind die Folgen der Finanzkrise, die niedrigen Zinsen und zusehends mehr Regeln für Banken „Kleinen Sparkassen bereitet die nach der Krise verschärfte Regulierung große Probleme“, sagte Gerhard Grandke, Chef des Sparkassen- und Giroverbandes Hessen-Thüringen. „Sie würden in Branchenhaft genommen, obwohl sie mit der Finanzkrise nichts zu tun gehabt hätten“, kritisiert Grandke.

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Trotzdem würden auch kleine Geldhäuser härtere Vorschriften erfüllen, etwa bei der Geldwäsche. „Allerdings steigen dadurch die Kosten gerade für die kleinen Sparkassen stark an“, beklagte Grandke – weil die Umsetzung der Regulierung bestimmte Fixkosten hat, die kleine wie große Häuser gleich treffen. Die strengeren Vorgaben sollen verhindern, dass Schieflagen von Banken wie im Jahr 2008 nicht ganze Volkswirtschaften ins Wanken bringen und dass nicht wieder Steuerzahler für Banken in Schieflage einspringen müssen.

Grandke rechnet damit, dass sich künftig mehr Sparkassen zusammenschließen, und er erwartet „Fusionen an vielen Stellen“. Bei Bedarf könnten allerdings die leinen von mittelgroßen bis großen Sparkassen problemlos aufgenommen werden. Der Sparkassenfürst kennt die Schwierigkeiten kleiner Sparkassen bestens. Sechs der zehn kleinsten Sparkassen Deutschlands sitzen in Hessen. Ihre Bilanzsumme ist maximal rund 250 Millionen Euro groß.

Das gilt ähnlich für die Volks- und Raiffeisenbank, von denen viele noch einmal deutlich kleiner sind als die kleinen Häuser unter den Sparkassen. „Wir sind die Lebensversicherung für die kleinen Banken in der Region“, drückt es der Chef einer großen Genossenschaftsbank aus, die bereits viele Fusionen hinter sich. Soll heißen: Gerät eines der kleinen Häuser in Probleme oder wird nicht mehr mit der Regulierung fertig, kann es bei dem großen Nachbarn unterschlüpfen.

Bei den Volks- und Raiffeisenbanken, von denen es Ende 2015 gut 1000 gab, wird dieses Jahr mit rund 50 Fusionen gerechnet. Beim IT-Dienstleister der Sparkassen, der Finanz Informatik, waren zuletzt rund 20 Zusammenschlüsse angemeldet, wie das Handelsblatt aus Sparkassenkreisen erfuhr. Mehrere Sparkassen haben ihre Fusion dieses Jahr bereits durchgezogen. Hatte es Ende 2015 noch 413 Sparkassen gegeben, sank die Zahl inzwischen auf 408.


Deutlich weniger Gewinn erwartet

Dabei sind Fusionen von Sparkassen kein neues Phänomen. Doch 20 geplante Zusammenschlüsse liegen deutlich über dem Schnitt der letzten Jahre. Ihr Dachverband, der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV), geht auch „von einer Zunahme der Fusionen“ aus und verweist auf den steigenden Kostendruck „durch die immer komplexere Regulierung sowie die anhaltende Niedrigzinsphase“.

Eine genaue Prognose lasse sich seriöser Weise nicht abgeben, weil der Ausgang von Fusionsgesprächen nicht sicher vorhergesagt werden könne. Der Hintergrund: Die Träger und somit Quasi-Eigentümer der Sparkassen sind die Kommunen. Nicht immer treffen Fusionsüberlegungen auf Gegenliebe von Stadt- und Kreisparlamentariern, die Verwaltungsräte der Sparkassen besetzen.

Dabei macht den Sparkassen und Volksbanken nicht nur die Regulierung zu schaffen. Sie leiden auch unter den Niedrigzinsen, weil die Geldhäuser extrem abhängig sind von den Zinserträgen, ihrer wichtigsten Einnahmequelle. Rund 80 Prozent der Gesamterträge stammen aus dem Geschäft mit Krediten und Einlagen. Dabei schmilzt zum einen die Marge im Kreditgeschäft, zum anderen ist es für die Sparkassen schwer, mit ihren Eigenanlagen noch etwas zu verdienen.

Das spüren auch die 50 die Sparkassen in Hessen und Thüringen. Ihr Betriebsergebnis vor Bewertung wird Grandke zufolge in diesem Jahr wohl um etwa 15 Prozent auf 940 Millionen Euro sinken. Das allerdings gilt als eine eher vorsichtige Prognose. Viele Sparkassen stehen bereits auf der Kostenbremse. Ein Beispiel dafür ist, dass dutzende Institute in großem Stil Filialen streichen.

Auch die eigene Situation wird schwieriger – die Sparkassen freuen sich nicht über die schwierige Lage der Deutschen Bank. Deutschland braucht laut Grandke ein Geldhaus wie die Deutsche Bank, das auch sehr große Finanzierungen stemmen könne und auch global agieren könne.

Dass die Landesbanken, die den regionalen Sparkassen und den Bundesländern gehören, bald in Sachen Größe zur Deutschen Bank aufschließen können, hält der Sparkassenfürst für unwahrscheinlich. Derzeit gibt es fünf große eigenständige Landesbanken, Zusammenschlüsse gelten aber aktuell als unwahrscheinlich. Es werde in „Schön-Wetter-Zeiten“ keine freiwilligen Veränderungen geben, so Grandke. Die Sparkassen in Hessen und Thüringen halten einen großen Anteil an der Landesbank Hessen-Thüringen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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