Banken-Stresstests: Die Schwächsten zahlen die dicksten Dividenden

Banken-Stresstests: Die Schwächsten zahlen die dicksten Dividenden

, aktualisiert 08. August 2016, 15:43 Uhr
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In sechs Jahren 6,3 Milliarden Euro ausgeschüttet.

Quelle:Handelsblatt Online

Die zehn ärmsten Banken in der EU haben seit 2011 großzügig 20 Milliarden Euro Dividende verteilt. Den Goldregen für Aktionäre bezahlen im Ernstfall die Anleihebesitzer – und die Steuerzahler.

DüsseldorfEs ist eine riesige Umverteilung zu Gunsten der Aktienbesitzer: Die Wackelkandidaten unter den europäischen Banken haben offenbar versucht, ihre Aktionäre mit üppigen Dividenden bei der Stange zu halten. Die „Financial Times“ berichtet über eine akademische Studie, wonach gerade die Geldhäuser, die in den jüngsten Stresstests besonders schlecht abgeschnitten haben, viele Milliarden für Dividenden ausgegeben haben. Sollten diese Banken pleitegehen, sind Anleihebesitzer und Steuerzahler die Dummen. 

Das akademische Team vom Mannheimer Wirtschaftsforschungszentrum ZEW, der New Yorker NYU und der Universität von Lausanne errechnete, dass die 34 stressgetesteten Banken seit 2011 insgesamt 170 Milliarden Euro Dividenden ausgeschüttet haben. Die laut Test zehn schwächsten Banken hätten allein 20 Milliarden Euro Dividende bezahlt. 

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Dabei habe die britische Barclays Bank als großzügigster Zahler in den letzten sechs Jahren 6,3 Milliarden Euro ausgeschüttet. Die Bank hat in den jüngsten Tests an siebtletzter Stelle gestanden. Ihre Kernkapitalquote, die derzeit bei 11,6 Prozent liegt, würde im ungünstigsten Fall auf 7,1 Prozent fallen.  

Die nächstgrößeren Ausschüttungen kamen von der Société Générale, die es auf 4,7 Milliarden Euro gebracht hat. Sogar die extrem schwache italienische Bank Monte die Paschi hat ihren Aktionären noch 165 Millionen Euro gegönnt. Monte dei Paschi versucht gerade, ihr Kapital mit fünf Milliarden Euro aufzustocken und gleichzeitig faule Kredite in Höhe von neun Milliarden Euro aus der Bilanz zu nehmen. 

Bei den jüngsten Stresstests der Europäischen Union wurden keine Noten danach vergeben, ob eine Bank bestanden hat oder durchgefallen ist. Aber es ergab sich, dass zwei Banken, neben Monte dei Paschi auch die Allied Irish Banks, in einem ungünstigen Umfeld die Minimalanforderungen an das Eigenkapital nicht mehr erfüllen würden. Von den 51 getesteten Banken hätten zudem zwei Drittel im schlechtesten Fall eine Kernkapitalquote von unter zehn Prozent. 

Die Studienautoren sind aber überzeugt, dass der Stresstest der EU die Not der Banken deutlich unterschätzt. Sie sind überzeugt, dass den europäischen Banken in Wahrheit bis zu 900 Milliarden Euro Kapital fehlen. 

Nur drei öffentliche Banken haben in den letzten sechs Jahren auf Dividende verzichtet, um ihre Kapitalbasis zu stärken: Die Allied Irish Banks, die Royal Bank of Scotland und die Bank of Ireland. Die Studienautoren kritisieren die Ausschüttungen der übrigen Banken aufs Schärfste.


HSBC schüttete fast 40 Milliarden Euro aus

„Wenn unterkapitalisierte Banken Dividenden bezahlen dürfen, dann ist das eine massive Umverteilung von Anleihebesitzern auf Aktionäre. Es steigt das Risiko der Anleihebesitzer, dass sie am Ende für die Kapitalnot ihrer Bank geradestehen müssen.“ Am Ende bezahle noch der Steuerzahler die Zeche: Staatliche Hilfen bei notleidenden Banken sind unter den neuen Restrukturierungsregeln zulässig, sobald die Aktionäre und Anleihebesitzer acht Prozent des fehlenden Kapitals zugeschossen haben. 

Die Autoren verweisen auf das Vorbild USA: Dort hatte die staatliche Aufsicht bei schwächeren Banken das Auszahlen von Dividenden untersagt. „Hätten die Europäischen Banken auf Ausschüttungen verzichtet, hätte das einbehaltene Kapital über 50 Prozent der von uns für 2016 errechneten Kapitalunterdeckung der Banken ausgeglichen.“ 

Befragte Banken gaben keine Stellungnahme ab. Einige verwiesen darauf, dass die Dividendenpolitik noch ihrem alten, inzwischen ausgewechselten Management zuzuordnen sei. Auch seien die Dividenden in den jeweiligen Jahren wohl gerechtfertigt gewesen. Außer Monte dei Paschi müsse im Übrigen keine Bank ihr Kapital erhöhen, um die Mindestanforderungen zu erfüllen. 

Die Bank mit den üppigsten Ausschüttungen war übrigens die britische HSBC. Sie hat in den letzten sechs Jahren umgerechnet fast 40 Milliarden Euro ausgeschüttet. Ihre Kernkapitalquote beträgt 11,9 Prozent und würde unter ungünstigen Bedingungen auf 8,76 Prozent absacken. 

Da war die Swedbank mit ihrer üppigen Kernkapitalquote von 23,05 Prozent knausriger: Die Aktionäre mussten sich binnen sechs Jahren mit gerade mal 7,7 Millionen Euro begnügen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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