Banken-Umzug: Teurer Abschied von der Insel

Banken-Umzug: Teurer Abschied von der Insel

, aktualisiert 25. Juli 2016, 18:38 Uhr
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Herrscht hier bald Leerstand? In den Bankentürmen in Canary Wharf in London residieren etliche Banken. Doch das Brexit-Votum macht Umzugspläne notwendig.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Banken planen schon den neuen Firmensitz. Das „Nein“ zur Europäischen Union hat die Branche in Aufruhr versetzt. Kein Wunder – eine Studie zeigt, wie teuer der Brexit für sie werden dürfte.

Frankfurt, Amsterdam oder doch lieber Paris? In vielen Chefetagen britischer Banken wird derzeit viel diskutiert – nicht über die besten Urlaubsziele für den bevorstehenden Sommerurlaub, sondern über den zukünftigen Firmensitz. Allein im Londoner Finanzdistrikt arbeiten 400.000 Menschen, gut zwei Millionen beschäftigt die Geldbranche im ganzen Land. Nachdem die Briten in ihrem EU-Referendum am 23. Juni überraschend für einen Austritt aus der Europäischen Union (EU) gestimmt haben, sind viele dieser Arbeitsplatz auf der Insel in Gefahr.

Denn der Aufstieg Londons zur weltweit wichtigen Finanzmetropole beruht nicht zuletzt auf großzügigen EU-Regeln und dem so genannten EU-Pass, einer Lizenz, die in Großbritannien ansässigen Instituten Finanzgeschäfte in ganz Europa ermöglicht. Mit dem Austritt aus der EU gerät dieses Geschäftsmodell ins Wanken. Die Folge: Viele Banken erwägen einen Umzug. Institute wie Citigroup, Goldman Sachs und HSBC haben erklärt, dass sie wegen des Brexits Mitarbeiter auf den europäischen Kontinent verlagern werden.

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Doch das ist teuer, wie die Beratungsgesellschaft Synechron für eine am Montag veröffentlichte Studie ausgerechnet hat: 50.000 Pfund (umgerechnet rund 60.000 Euro) dürfte es kosten, wenn man Mitarbeiter ins Ausland bringt, heißt es – und zwar pro Person. Allein wenn JPMorgan-Chef Jamie Dimon seiner Ankündigung, bis zu 4000 Mitarbeiter aus Großbritannien abzuziehen, Folge leisten würde, könnte das der US-Bank somit bis zu 200 Millionen Pfund kosten.

In der Hochrechnung enthalten sind Kosten für den Umzug, die Suche neuer Mitarbeiter am neuen Standort, die Kündigung alter Mitarbeiter in Großbritannien und die Anmietung neuer Büroräume in Städten wie Amsterdam, Dublin, Paris oder Frankfurt. Keine Peanuts – aber möglicherweise unabdingbar. Denn „der EU-Pass ist für die Arbeit vieler Banken in Europa ein entscheidender Faktor“, sagt Tim Cuddeford von Synechron.

In Großbritannien gibt es viele, die diese Entwicklungen mit Sorge betrachten: Immobilienmakler, Restaurantbetreiber oder eben Banker. Andere hingegen hoffen, von einem Abzug der Banker profitieren zu können. Allerdings sind die vermeintlichen Gewinner vor allem im Ausland zu finden. Vor wenigen Tagen tourte so ein Lastwagen durch das Finanzviertel Londons mit der Aufschrift: „Liebe Start-ups, behaltet die Nerven und kommt nach Berlin.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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