Banken und die Rohstoffkrise: Der Ölkonzern in meinen Büchern

Banken und die Rohstoffkrise: Der Ölkonzern in meinen Büchern

, aktualisiert 25. Februar 2016, 16:02 Uhr
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Viele Banken haben Kredite an Firmen mit wackeliger Kreditwürdigkeit gegeben.

Quelle:Handelsblatt Online

Der niedrige Ölpreis gefährdet die Zahlungsfähigkeit von Rohstofffirmen. Banken leiden unter den ausfallenden Krediten, doch viele Institute gehen offen mit den Problemen um. Sie ziehen eine Lehre aus der Finanzkrise.

Düsseldorf/New YorkEs ist eine Lehre aus der Finanzkrise: Wenn sich große Kreditausfälle andeuten und unklar ist, welche Banken davon betroffen sind, kann allein die Unsicherheit zu Kursverwerfungen führen. Der Ölpreis-Verfall hat bei vielen Investoren eine solche Unsicherheit ausgelöst. Denn einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte zufolge steuert fast ein Drittel der Ölfirmen in den USA auf einen Kollaps zu. Zehntausende Stellen wurden bereits gestrichen, um die Kosten zu senken. Die Banken reagieren jetzt darauf und wollen Klarheit über ihre Lage schaffen.

  • Morgan Stanley hat Kredite für 15,9 Milliarden Dollar in den Büchern (14,4 Milliarden Euro) an Energiefirmen. 40 Prozent der Firmen tragen eine Kreditwürdigkeitsnote im Bereich „Ramsch“.
  • Beim Rivalen Goldman Sachs belaufen sich die Kredite und Zahlungsverpflichtungen an Energieunternehmen auf 10,6 Milliarden Dollar (9,6 Milliarden Euro). Ebenfalls 40 Prozent gelten als „Junk“.
  • Die Großbank JP Morgan wird für Kredite, die von Energiefirmen nicht mehr bedient werden, allein im ersten Quartal zusätzlich 500 Millionen Dollar (454 Millionen Euro) zurücklegen.
  • Die Deutsche Bank versichert, dass sie weniger stark als der Branchendurchschnitt in der Branche engagiert sei.
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Kanadische Banken sind besonders stark im Energie- und Rohstoffsektor aktiv und versuchen schon, mit gelockerten Kreditregeln drohenden Zahlungsausfällen entgegen zu wirken. „Wir arbeiten von Fall zu Fall mit unseren Kunden, um die Situation zu bewerten“, sagt Mark Hughes, Risikochef bei der Royal Bank of Canada. Dann könnten beispielsweise „Covenants“ gelockert werden. Damit sind Regeln gemeint, die in einem Kreditvertrag etwa eine bestimmte maximale Verschuldung im Verhältnis zum Eigenkapital vorschreiben. „In manchen Fällen können wir Erleichterungen bei Covenants gewähren, um unsere Kunden zu unterstützen und unsere Verluste zu reduzieren.“

Unter den kanadischen Instituten sind laut Moody's besonders die Canadian Imperial Bank of Commerce (CIBC) und die Bank of Nova Scotia von der Situation auf den Rohstoffmärkten betroffen. Der Preis für Öl und andere Rohstoffe ist im vergangenen Jahr stark gefallen und hält sich in diesem Jahr auf niedrigem Niveau. In den USA leiden vor allem Fracking-Unternehmen darunter, die mit dieser aufwendigen Technik Schieferöl fördern. Das lohnt sich bei Preisen von um die 30 Dollar nicht und Firmenpleiten greifen um sich. Damit ziehen die Kreditausfälle bei Banken an. Während Verbraucher sich über fallende Preise an den Tankstellen freuen, drohen Banken aus dem niedrigen Ölpreis ernste Probleme zu erwachsen.

Die Ratingagentur Moody's geht bislang aber davon aus, dass Kreditausfälle bei den großen US-Banken im Verhältnis zu den erzielten Gewinnen „handhabbar“ seien. Dennoch sei von einer weiter steigenden Vorsorge für Kreditausfälle auszugehen. Darüber hinaus werde es schwieriger, Erträge aus dem Ölgeschäft zu ziehen, da Dienstleistungen wie Kapitalerhöhungen oder Börsengänge weniger stark gefragt sein dürften.


Besser reinen Tisch bei Krediten machen

Große US-Banken haben schätzungsweise unterm Strich 123 Milliarden Dollar (112 Milliarden Euro) an ausstehenden Krediten und Finanzierungszusagen in der Energiebranche. Das geht aus Analysten-Berichten von RBC Capital Markets, Janney Montgomery Scott und Susquehanna International hervor, die in diesem Monat veröffentlicht worden sind.

Die Berechnungen seien wegen der Transparenz der Banken möglich geworden, analysiert die Finanzagentur Bloomberg. Das zeige, „was im US-Finanzsystem so viel besser ist als in Europa“: Es werde versucht, relativ schnell mögliche Probleme zu quantifizieren und diese dann anzugehen – „statt sie vor sich hinköcheln zu lassen in der Hoffnung, dass sie von alleine wieder verschwinden.“

Es gehört zum ganz normalen Bankgeschäft, Kredite in der Annahme zu vergeben, dass einige davon nicht zurückgezahlt werden können. Investoren und Aufsichtsbehörden wollen jetzt einen Eindruck davon bekommen, wie groß die Auswirkungen sein könnten, falls die Energiefirmen ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen können. Denn sollten die Banken hohe Verluste im Zusammenhang mit Energiekrediten erleiden, hat das womöglich auch Auswirkungen auf die Volkswirtschaft als Ganzes.

John Shrewsberry, Vorstandschef der Großbank Wells Fargo, ging auf einer Konferenz im Februar in die Offensive. Sogar die meisten ausstehenden Kredite an Öl- und Gasfirmen in Höhe von 17 Milliarden Dollar habe sein Institut an Firmen vergeben, deren Verbindlichkeiten von den Ratingagenturen mit Ramsch eingestuft werden. Dennoch: Im Vergleich zum gesamten Kredit-Portfolio dieser Banken stellen die Verbindlichkeiten von Öl-und Gasfirmen lediglich einen Bruchteil dar. Das Engagement bei den Top-20-Banken „ist zu bewältigen, selbst bei dem undenkbarsten Szenario“, schreiben auch die RBC-Analysten.

Laut Daten der Ratingagentur Moody's haben die großen US-Investmentbanken zwischen 1,5 und fünf Prozent ihrer Kredite an die Öl- und Gasindustrie gegeben. Größere Risiken als in den USA beständen für Banken in ölexportierenden Ländern des Nahen Ostens, Russlands, in Afrika oder Südamerika. „Die niedrigen Ölpreise drücken auf die Kreditportfolien aller Banken“, so die Bonitätswächter.

Noch stehen die Alarmzeichen nur auf gelb – doch eine länger anhaltende Preisschwäche könnte die Einschätzung ändern. „Wenn die Ölpreise weiter auf diesem Niveau von plus-minus 30 Dollar bleiben, wird das in sechs bis neun Monaten eine riesige Auswirkung auf die Branche haben“, sagt Brian Pawluck, Geschäftsführer des kanadischen Restrukturierungsberaters Duff & Phelps.

Quelle:  Handelsblatt Online
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