Banken und Fintechs: Spielerei oder Erfolgsfaktor?

Banken und Fintechs: Spielerei oder Erfolgsfaktor?

, aktualisiert 21. Juni 2016, 14:03 Uhr
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Die strategische Relevanz von Fintechs wird noch gering geschätzt.

von Katharina SchneiderQuelle:Handelsblatt Online

Kooperationen hier, Beteiligungen da, dazu ein paar hippe „Technologielabore“: Fintechs, so scheint es, sind für Banken zum wichtigen Thema geworden. Eine Studie allerdings lässt daran erhebliche Zweifel aufkommen.

FrankfurtSie kooperieren mit ihnen, sie investieren und schaffen eigene Brutkästen, in denen sie Finanztechnologie-Start-ups heranzüchten. Nach anfänglicher Skepsis scheinen Banken die Fintech-Branche heute ernst zu nehmen. Kaum eine Woche vergeht, in der sie nicht mindestens ein neues Fintech-Engagement verkünden. Doch eine am Dienstag veröffentlichte Studie der GFT, einem internationalen Technologiedienstleister für Banken und Versicherungen, zeigt: Nur wenige Banken stufen die Kooperation mit Drittanbietern wie Fintechs als erfolgsrelevant ein.

Fintechs tummeln sich inzwischen in sämtlichen Geschäftsbereichen der Banken. Sie bieten einfache und schnelle Bezahllösungen, automatisierte Vermögensverwaltung, ermöglichen die Kreditvergabe zwischen Privatleuten und machen mit vielen kleinen Technologie-Innovationen das Online- und Mobile-Banking einfacher. Ziel ist dabei häufig eine Vereinfachung gegenüber dem klassischen Bankangebot. Inzwischen sind die Fintechs auch in den Versicherungs- und Immobilienbereich vorgedrungen, so dass ihre Anzahl in Deutschland bei deutlich mehr als 400 liegt.

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Für die GFT-Studie wurden 260 Vertreter der Finanzindustrie aus sieben Ländern (Brasilien, Deutschland, Großbritannien, Italien, Mexiko, Schweiz und Spanien) befragt – alle Länder, in denen die GFT im Retail-Banking aktiv ist. Nur insgesamt 57 Prozent der Befragten werteten Fintechs als strategischen Erfolgsfaktor für Banken – Rang sieben von sieben.

„Banken sind immer noch sehr auf sich selbst fokussiert. Sie müssen sich jedoch kulturell öffnen. Sowohl Kooperationen – sei es mit Fintechs oder anderen strategischen Partnern – als auch der branchenübergreifende Wissensaustausch werden in einer zunehmend globalen und digitalen Welt den Ausschlag geben“, sagt Marika Lulay, COO der GFT.

Der Fokus der Banken liegt aktuell auf Sicherheitsaspekten, insgesamt 84 Prozent der Befragten wählten dies zum Top-Erfolgsfaktor. Auf Platz zwei rangiert das sogenannte „einheitliche und konsistente Nutzererlebnis auf allen Endgeräten“, gefolgt von „Co-Innovation mithilfe von Kundenfeedback“. Auch die Wahl der richtigen Plattform und Angebote zur Personalisierung wurden wichtiger als Kooperationen bewertet. Auch Im Vergleich zum Vorjahr ist die Bedeutung von Sicherheitsaspekten stark gestiegen. Global hatten sie 2015 nur Rang sieben erreicht.


Schweiz ist „Strategiemeister“

Besonderheit in Deutschland: Während Sicherheitsaspekte im globalen Durchschnitt auch als bedeutendste operative Barriere genannt werden, stehen hierzulande „Schwierigkeiten bei der Implementierung in bestehende IT-Systeme und -Infrastrukturen“ auf Platz eins. Es folgen die „Gewährleistung einer begeisternden User-Experience“ und „Regulatorik- und Compliance-Aspekte“.

Die Studie zeigt auch: Mit ihrer Digitalstrategie tun sich Banken noch schwer. Insgesamt haben neun Prozent aller Institute eine solche Strategie bereits erarbeitet und umgesetzt. Im Deutschland haben 36 Prozent der Institute zumindest auf dem Papier eine Strategie, 81 Prozent arbeiten an der Implementierung – vorwiegend parallel zum Strategieprozess. Allerdings sei hier im Gegensatz zu den anderen Ländern bislang noch keine dieser Strategien vollständig umgesetzt worden. Und sechs Prozent geben an, keine Strategie zu besitzen.

Im Ländervergleich haben sich die Schweiz und Spanien als klare „Strategiemeister“ hervorgetan. 58 Prozent der Schweizer Banken gaben an, die Strategieentwicklung abgeschlossen zu haben. Bei der Implementierung wiederum sei Spanien mit 36 Prozent führend. Wenig überraschend: Insgesamt besitzen große Bankhäuser eher eine Digitalisierungsstrategie als mittlere oder kleine Finanzinstitute.


Als Motivation für den Aufbau einer solchen Strategie nennen 84 Prozent der Befragten die Steigerung der Kundenzufriedenheit, 83 Prozent wollen die Kundenloyalität steigern und 82 Prozent versprechen sich eine höhere Profitabilität. Beraterin Lulay rät den Instituten dringend dazu, das Thema Digitalisierung anzugehen: „Nur wer die digitale Bank der Zukunft konsequent und mit Nachdruck aufbaut, wird seine Kunden begeistern, die Kosten in den Griff bekommen und letztendlich den Wettbewerb klar für sich entscheiden.“

Der Druck von Kundenseite ist aktuell aber noch gering. Laut einer Studie des Technologieverbands Bitkom scheuen viele Deutschen noch vor Neuerungen zurück und 66 Prozent gaben an: „Ich verstehe viele digitale Angebote rund um Banking und Bezahlen nicht.“ 67 Prozent erklären zudem: „Ich verstehe die Finanzwelt immer weniger.“ Der Bitkom fordert deshalb: „Banken und Fintechs müssen jetzt Aufklärungsarbeit leisten und Vertrauen aufbauen.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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