Banken und ihr Ansehen: Commerzbank schlägt die Deutsche Bank

Banken und ihr Ansehen: Commerzbank schlägt die Deutsche Bank

, aktualisiert 29. Januar 2016, 13:38 Uhr
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Anders als die Deutsche Bank musste die Commerzbank vom Staat gerettet werden. Das hindert sie nicht daran, einen guten besseren Ruf zu genießen.

von Michael MaischQuelle:Handelsblatt Online

Die Finanzkrise war Gift für die Reputation aller Banken. Doch das Ansehen der Deutschen Bank hat besonders stark gelitten, wie eine Studie nun zeigt. Und nun überholt sie ausgerechnet der kleinere Rivale.

FrankfurtEinst schienen die Machtverhältnisse am Main unverrückbar: Es gab die mächtige Deutsche Bank, und dann noch den sehr viel kleineren und schwächeren Konkurrenten, die Commerzbank. Während die Deutsche Bank halbwegs passabel durch die Finanzkrise kam und danach schnell wieder Milliarden verdiente, musste die Commerzbank teilverstaatlicht werden, und wurde zum Sanierungsfall.

Aber die Verhältnisse sind in Bewegung geraten. Gerade erst musste John Cryan, der neue Chef der Deutschen Bank, einen Rekordverlust von 6,8 Milliarden Euro verkünden, und die Anleger auf zwei weitere verlorene Jahre einstimmen. Für 2015 und 2016 gibt es für die Aktionäre keine Dividende und für das vergangene Jahr hat der Aufsichtsrat dem gesamten Vorstand den Bonus gestrichen.

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Dagegen konnte Commerzbank-Chef Martin Blessing erstmals seit seinem Amtsantritt im Mai 2008 seinen Aktionären wieder eine Dividende versprechen. 20 Cent je Aktie hat das Institut zurückgelegt. Die Commerzbank kann sich das leisten, weil sein Geldhaus in den ersten neun Monaten immerhin 850 Millionen Euro verdient hat.

Aber nicht nur in Sachen Gewinn und Dividende haben sich die Gewichte verschoben, sondern auch wenn es um weiche Werte wie die Reputation geht. Die Daten, die Stefan James Lang regelmäßig erhebt, sprechen eine deutliche Sprache. In Sachen guter Ruf hat die Commerzbank inzwischen den Marktführer Deutsche Bank überholt.

Lang ist Chef des Schweizer Wirtschaftsforschungsinstituts Econcast, das seit 2011 kontinuierlich die Markenstärke der 800 führenden Banken weltweit misst. Bei den Befragungen berücksichtigt Econcast ausschließlich geschäftsführende Gesellschafter und Vorstände. Im Gegensatz zu Privatkunden, die oft nur über ein privates Girokonto verfügen, nimmt diese Zielgruppe auch Firmenkunden- und Vermögensverwaltungsdienstleistungen in Anspruch. Sie kennen also viele Facetten einer Bank und gehören zur Kernzielgruppe von Instituten wie der Deutschen Bank oder der Commerzbank.


Seit 2012 geht es mit dem Ruf der Deutschen Bank bergab

Langs Zahlen zeigen, dass 2012 noch 40 Prozent, der von Econcast befragten 53.000 Manager die Deutsche Bank für ein gutes oder sehr gutes Geldhaus hielten. Von da aus ging es allerdings kontinuierlich bergab, und im vergangenen Jahr waren es nur noch 28 Prozent. Beim Frankfurter Rivalen Commerzbank verlief die Entwicklung genau umgekehrt. 2012 dümpelten die Reputationswerte des Geldhauses noch bei 23 Prozent herum, inzwischen sind es immerhin 29 Prozent.

All zu stolz sollten die Commerzbanker auf diese Leistung aber nicht sein. Das zeigt ein Vergleich mit dem guten Ruf von Sparkassen und Genossenschaftsbanken, der über die Jahre kaum gelitten hat. Die Werte hielten sich beinahe stabil zwischen 55 und 60 Prozent. Damit schnitten die beiden Verbünde deutlich besser ab als die Frankfurter Großbanken.

Econcast-Chef Lang warnt die Banken davor, weiche Werte wie den guten Ruf zu unterschätzen. „Kennzahlen wie Reputation, Attraktivität und Kundenloyalität gewinnen erheblich an Bedeutung“, sagt er. Und: „Je nach Berechnungsart machen diese immateriellen Werte bis zu 60 Prozent des Marktwertes mancher Banken aus.“

Quellle:  Handelsblatt Online
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