Banken und Start-ups: So klappt's mit der Zusammenarbeit

Banken und Start-ups: So klappt's mit der Zusammenarbeit

, aktualisiert 10. April 2017, 13:38 Uhr
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Zwölf Kompetenzzentren gibt es deutschlandweit für Technologie-Start-ups aus verschiedenen Branchen – darunter zwei sogenannte Hubs für junge Firmen aus der Finanzbranche.

von Katharina SchneiderQuelle:Handelsblatt Online

Ob Frankfurt oder Hongkong: Internationale Banken wissen, dass sie ohne Kooperation mit Finanz-Start-ups nicht auskommen. Doch diese Einsicht in die Praxis umzusetzen, ist leichter gesagt als getan, zeigt eine Studie.

FrankfurtKooperationen zwischen traditionellen Geldhäusern und den jungen, innovativen Start-up-Unternehmen gelten in der Finanzbranche aktuell als das A und O bei der Strategieplanung. Denn Banken tun sich mit Innovationen schwer. Ihre überalterten IT-Systeme und zahllosen Entscheidungsinstanzen bremsen sie aus. Die jungen Finanz-Technologiefirmen – die Fintechs – auf der anderen Seite sind zwar innovativ, doch ihnen fehlt es an Geld und Kunden. Diese beiden Seiten zusammenzubringen ist nicht nur in der Theorie die logische Konsequenz, auch in der Praxis wird das von vielen Geldhäusern und Fintechs bereits intensiv erprobt.

Welche Faktoren für erfolgreiche Kooperationen wichtig sind und wie sich die Entwicklung international unterscheidet, zeigt die Studie „Hyperfinance“ der Anwaltskanzlei Simmons & Simmons, die dem Handelsblatt vorliegt. Befragt wurden Bankmanager und Vermögensverwalter aus 200 führenden Finanzinstitute an den weltweit wichtigsten Finanzplätzen Frankfurt, London, New York sowie Honkong und Singapur. Demnach zeigen sich etwa Banken in Frankfurt in Sachen Digitalisierung bedeutend selbstbewusster als Institute in Hongkong und Singapur.

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Beim Vergleich einzelner Märkte müssen immer auch die Historie und die Rahmenbedingungen bewertet werden. „Die Infrastruktur der Finanzbranche in Asien ist völlig anders als in Deutschland“, sagt Jochen Kindermann, Partner bei Simmons & Simmons. So gibt es etwa in Fernost kein so dichtes Netz von Bankfilialen wie in Deutschland. Dadurch haben die Kunden in dieser Region tatsächlich einen Bedarf an alternativen Lösungen. In Deutschland dagegen funktioniert der Zahlungsverkehr bereits bequem und nur vergleichsweise wenige Menschen haben keinen Zugang zu Bankleistungen. Die Kunden hierzulande für Innovationen wie beispielsweise das mobile Bezahlen zu begeistern ist deshalb schwieriger als andernorts.

Zum aktuellen Stand ihrer digitalen Entwicklung sagten in Hongkong und Singapur 20 Prozent der Befragten, dass sie bei der Digitalisierung und bei Fintech-Innovationen konkurrierenden Banken hinterher hinken, jeder Dritte glaubt, den anderen voraus zu sein. In Frankfurt dagegen sehen sich nur vier Prozent im Hintertreffen, stolze 44 Prozent glauben, der Konkurrenz voraus zu sein. Anwalt Kindermann hat dafür eine einfache Erklärung: „In Asien gibt es ein paar Institute, die besonders engagiert sind. In Deutschland dagegen sind die Unterschiede zwischen den Banken kleiner.“

Tatsächlich ist es in Deutschland schwierig, unter den Banken einen Marktführer in Sachen Fintech-Kooperation und Fortschritt bei der Digitalisierung auszumachen. Inzwischen kooperiert jede größere Bank zumindest in einzelnen Geschäftsbereichen mit Fintechs. Aktuelle Zahlen dazu lieferte gerade erst die Unternehmensberatung PWC. Laut ihrer Studie kooperieren weltweit 45 Prozent der Finanzdienstleister mit Fintechs. In Deutschland sind es sogar 70 Prozent.

Welche Strategie in Bezug auf Fintechs bislang die erfolgreichste war, wird von den Befragten der Simmons & Simmons-Studie ebenfalls sehr unterschiedlich bewertet. Während in Asien eine deutliche Mehrheit der Institute die besten Erfahrungen damit gemacht hat, Fintechs zu kaufen (77 Prozent), stecken die meisten Frankfurter (85 Prozent) lieber Risikokapital in die Start-ups – sogenanntes Corporate Venturing. Knapp darauf folgt der Kauf der Unternehmen (81 Prozent). Sich einem Konsortium mit anderen Instituten anzuschließen war dagegen bisher nur für 62 Prozent der Befragten in der Mainmetropole eine erfolgreiche Strategie. In New York sind alle drei Varianten mit 88 bis 90 Prozent etwa gleich beliebt. In London liegt der Kauf von Fintechs nur leicht zurück.


Furcht vor Datenschutzrisiken

Je nach Stadt werden auch unterschiedliche Gründe dafür genannt, warum der Kauf eines Fintechs in den nächsten drei Jahren nicht ansteht. „Während man in Asien Käufe offenbar so lange hinausschiebt, bis man sich sicher ist, das beste Ziel gefunden zu haben (29 Prozent), spielt dieses Argument für Londoner kaum eine Rolle (sechs Prozent)“, sagt Kindermann. Dort würden jedoch die zu hohen regulatorischen Risiken (19 Prozent) und die zu teure oder gar unrealistische Bewertung der Start-ups (je 19 Prozent) ins Feld geführt. Die Bewertung der Fintechs bremst Frankfurter Banken dagegen nicht aus (0 Prozent), hier speist sich die Zurückhaltung aus den Regulierungsrisiken (18 Prozent).

Als besonders hoch wird auch das Risiko im Bereich Cyber-Sicherheit eingeschätzt. 71 Prozent der etablierten Institute fürchten, dass sie durch Kooperationen in Schwierigkeiten geraten könnten. „Wenn man sich mit anderen Unternehmen zusammentut, sind die Datenschutzrisiken enorm“, sagt Kindermann. Im Gegensatz zu den Start-ups wäre ein etabliertes Finanzinstitut wohl nicht gleich in seiner Existenz gefährdet, aber ein Imageverlust und mögliche Strafzahlungen wirken auf die Banken auch schon bedrohlich.

Laut einer Studie der Unternehmensberatung Accenture wird das Risiko von IT-Angriffen von deutschen Banken sogar noch unterschätzt. Accenture-Berater Thomas Schumacher sagte dem Handelsblatt kürzlich, dass 78 Prozent der befragten Bank-Manager auf ihre bestehenden Schutzmaßnahmen vertrauen. „Sie verkennen aber, dass die Angreifer ihre Methoden ständig weiterentwickeln und ihre Attacken immer ausgeklügelter werden“, so Schumacher.

Gute Erfahrungen haben Banken bereits mit separaten Unternehmenseinheiten wie Acceleratoren oder Inkubatoren gemacht. Von den Befragten, die in den vergangenen drei Jahren in diesem Bereich aktiv waren, sagen 38 Prozent, dass sie damit die digitalen Innovationen sehr effizient verbessert haben. Die Berater von Simmons & Simmons empfehlen dieses Modell gleich aus drei Gründen.

Erstens könnten dort neue Prozesse ausprobiert werden ohne dass gleich eine komplexe juristische Prüfung nötig wird. Zweitens bekommen Innovationsteams mehr Freiheiten, um Entwicklungen voranzutreiben. Drittens agiere die Bank dabei außerhalb der Zwänge der Hauptorganisation, so dass die Zusammenarbeit mit den Start-ups besser funktioniere.

Quelle:  Handelsblatt Online
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