Bankenkrise in Italien: „Keine Notlage des gesamten Bankensystems“

Bankenkrise in Italien: „Keine Notlage des gesamten Bankensystems“

, aktualisiert 08. Juli 2016, 13:12 Uhr
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Der Chef der italienischen Zentralbank Iganzio Visco blickt mit Sorgen auf die Stabilität der Banken des Landes, glaubt aber, dass die Probleme gelöst werden.

Quelle:Handelsblatt Online

Der italienische Zentralbank-Chef Ignazio Visco versucht die Märkte zu beruhigen. Er räumt zwar Risiken ein, zeigt sich zuversichtlich, dass die derzeitigen Schwierigkeiten der Banken in Italien überwunden werden können.

RomDie italienische Notenbank ist in Sorgen wegen des Berges an faulen Krediten im Bankensektor des Landes entgegengetreten. Es sei keine Notlage des kompletten Bankensystems, sagte Zentralbank-Chef Ignazio Visco am Freitag auf einer Veranstaltung in Rom. Ein Großteil der Problemdarlehen gehöre zu Banken, die finanziell gesund seien. Allerdings sei die gegenwärtige Situation voller Risiken für die Finanzstabilität, eine staatliche Unterstützung nötig und auch nach EU-Regeln möglich. Visco zeigte sich zuversichtlich, dass die derzeitigen Schwierigkeiten überwunden werden können.

Am heutigen Handelstag steigen die Kurse der italientischen Banken. Das Unicredit-Papier legt um mehr als fünf Prozent zu, das von der Monte dei Paschi um 0,3 Prozent. Allerdings steigen am heutigen Freitag die Kurse an europäischen Börsen insgesamt.

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Italiens Banken ächzen unter der Last von faulen Krediten über rund 360 Milliarden Euro und sind zuletzt an der Börse schwer unter Druck geraten - und die Ausfallversicherungen für Banken wurden immer teurer. Einige Experten warnen bereits vor der Sprengkraft der italienischen Bankenkrise und dass sich diese auf ganz Europa ausweiten könnte.

Die Regierung hat deswegen mit der EU-Kommission über Pläne gesprochen, den Geldhäusern mit Staatsmitteln unter die Arme zu greifen, um nach EU-Regeln Verluste für die Investoren zu begrenzen.

„Der gesamte Bankenmarkt steht unter Druck“, sagte Lorenzo Bini Smaghi, Verwaltungsratschef der französischen Großbank Société Générale, der Nachrichtenagentur Bloomberg am Mittwoch dieser Woche. Kein Wunder, dass Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi die Krisenbanken lieber heute als morgen mit frischem Staatsgeld stützen würde. Doch noch stellt sich die EU quer. Zuletzt holte sich Renzi beim EU-Gipfel vergangene Woche eine Abfuhr für den Plan einer Kapitalspritze von 40 Milliarden Euro für die Banken.

Renzi steht unter Hochdruck - im Ausland und im eigenen Land. „Die italienischen Sparer und Kontoinhaber haben kein Problem, und das hat für mich Priorität“, beeilte er sich, verunsicherte Sparer zu beruhigen. Er sieht weniger das Problem in Italien als in Gesamteuropa. „Die wirkliche Frage zu den europäischen Finanzen sind nicht die notleidenden italienischen Kredite, sondern die Derivate anderer Banken“, sagte er - was in Italien als Fingerzeig auf deutsche Banken gewertet wurde.

Renzi steht auch politisch unter Druck. Im Herbst will er das Volk über seine tiefgreifende Verfassungsreform abstimmen lassen. Umfragen deuten auf einen knappen Ausgang hin - und Renzi hat seine politische Zukunft mit dem Referendum verbunden. Sollte der Premier jetzt den EU-rechtlich vorgeschriebenen Weg gehen und die italienischen Sparer für die Banken bluten lassen, könnte das seinen politischen Tod und Neuwahlen bedeuten. Die darauf folgende Ungewissheit wäre ein Schlag für die fragile italienische Konjunktur - und damit für die Banken.

Quelle:  Handelsblatt Online
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