Bankenkrise: Zu hohe Kosten bei deutschen Banken

Bankenkrise: Zu hohe Kosten bei deutschen Banken

, aktualisiert 05. Oktober 2016, 18:27 Uhr
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Nach Einschätzung der Ratingagentur haben deutsche Banken zu hohe Kosten.

Quelle:Handelsblatt Online

Laut einer Untersuchung der Ratingagentur Moody's haben deutsche Banken höhere Kosten im Vergleich zu den europäischen Konkurrenten. Dieses Problem belaste besonders die Gewinne der Banken.

Frankfurt Die deutschen Banken haben nach Einschätzung der Ratingagentur Moody's vor allem ein Kostenproblem. „Wir sehen die im Vergleich zu den europäischen Konkurrenten hohe Kostenbasis als die größte Schwäche und Herausforderung für deutsche Banken an“, schrieben die Moody's-Analysten in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie zu den Aussichten für die deutschen Geldhäuser bis Ende des nächsten Jahres. Das drücke auf die Gewinne der Banken und beeinträchtige ihre Fähigkeit, mehr Kapital zur Seite zu legen. Die Bankvorstände sähen zunehmend die Notwendigkeit, das Thema anzugehen. Das zeige das Sparprogramm der Commerzbank ebenso wie die Ankündigung vieler Sparkassen und Genossenschaftsbanken, ihr Filialnetz auszudünnen.

Mehr als Sparen bleibe den Banken auch nicht übrig, heißt es in der Studie. „Weil die Kapitalmärkte immer noch fragil sind und große Bankenfusionen schwierig umzusetzen, erwarten wir, dass der langsame Prozess der Kostensenkungen weitergehen wird“, schreibt Chefanalystin Andrea Wehmeier. Die niedrigen Zinsen, die Überkapazitäten und das mäßige Kreditwachstum führten zu einem anhaltend scharfen Wettbewerb, vor allem im Geschäft mit Privatkunden und dem Mittelstand. Die Ratingagentur bewertet 37 deutsche Banken, die 76 Prozent des Sektors umfassen.

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Die meisten deutschen Institute beklagen die Margen, die wegen der niedrigen Leitzinsen schrumpften. Nach Moody's-Berechnungen sind ihre Margen aber nicht weit weg vom EU-Durchschnitt - die Kostenquoten mit rund 70 Prozent der Erlöse aber deutlich darüber. Stellenabbau und Filialschließungen dürften daher noch in diesem Jahr weitergehen. Die Commerzbank hat angekündigt, bis zu 9600 Stellen zu streichen, will aber an ihrem Netz von rund 1.000 Filialen festhalten. Dort dürften trotzdem künftig weniger Menschen arbeiten als bisher. Die Nummer zwei will bis 2020 - wenn die Märkte mitspielen - auf eine Kostenquote von 60 Prozent kommen.

Kopfzerbrechen macht der Ratingagentur der Schiffsmarkt. Im Allgemeinen seien die Kreditausfallraten in Deutschland mit 3,1 Prozent sehr niedrig. Banken, die Schiffskredite vergeben haben, müssten allerdings mit einer wachsenden Zahl wackelnder Kredite rechnen - und deshalb mit höheren Rückstellungen, zumal wenn sie den Abbau ihrer Bestände forcieren. Zuletzt sei es ihnen kaum gelungen, ihr Volumen an Schiffskrediten zu reduzieren: Von 2012 bis 2015 sei der Bestand bei den fünf größten deutschen Schiffsfinanzierern - darunter NordLB und HSH Nordbank - nur auf 63 von 65 Milliarden Euro gesunken. Je nach Bank seien sieben bis 46 Prozent davon ausfallgefährdet.

Dennoch haben die deutschen Kreditinstitute nach Auffassung von Moody's „angemessen“ Kapital. Die harte Eigenkapitalquote nach dem scharfen Basel-III-Standard habe Ende 2015 im Schnitt bei 14,7 Prozent gelegen. Ein Jahr zuvor waren es erst 13,5 Prozent.

Quelle:  Handelsblatt Online
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