Bankenregulierung: Der Hobbysanierer

Bankenregulierung: Der Hobbysanierer

, aktualisiert 25. April 2017, 14:25 Uhr
von Yasmin OsmanQuelle:Handelsblatt Online

Europas Banken sind zu schwach, kritisiert der Präsident des Verbands öffentlicher Banken, Johannes-Jörg Riegler. Er verlangt eine „konzertierte Aktion“ von Aufsicht, Politik und Banken, um die Branche zu stärken.

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Der 52-Jährige warnt davor, dass europäische Banken gegenüber der amerikanischen und chinesischen Konkurrenz ins Hintertreffen geraten könnten.

FrankfurtSanierungen sind eine Art berufliche Leidenschaft von Johannes-Jörg Riegler. Während der Asienkrise brachte er für die Deutsche Bank Krisenunternehmen wieder in die Spur, etwa einen Krawattenhersteller. Später war er Risikovorstand, etwa bei der NordLB. Seine Berufung an die Spitze der BayernLB bezeichnet er als „einen Traum“. „Ich bin nicht bekannt dafür, dass ich mich über Sektempfänge definiere“, erzählt der Hobby-Ruderer.

Genau das, so sagt er, hätte ihn auch an dem Amt als Präsident des Verbands der öffentlichen Banken (VÖB) gereizt, „weil sich die Branche in einer schwierigen Situation befindet“, wie der BayernLB-Chef konstatiert. So schwierig sei die Situation, dass es europäischen Banken zunehmend schwer fallen würde, mit amerikanischen und selbst mit chinesischen Wettbewerbern mitzuhalten – sogar in Deutschland.

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„Der Auftritt der US-Institute war noch nie so stark wie heute“, sagt er. Und auch chinesische Wettbewerber würden immer professioneller agieren und sich verstärkt an großen Finanzierungen beteiligen.

Die strenge Regulierung und die niedrigen Zinsen würden Europas Banken stark belasten. „Die Banken sind nicht mehr in der Lage, ihre Kapitalkosten zu verdienen“, sagt er. „Ich will strenge Regulatorik – aber auch Banken, die wettbewerbsfähig sind.“ Die Aufsichtsbehörden machen sich aus seiner Sicht zu wenig Gedanken darüber, wohin sich die Branche entwickeln solle. Ihm fehle ein Ziel, wie der europäische Bankensektor in fünf Jahren aussehen solle.

Vorschläge wie das Plädoyer der obersten EZB-Bankenaufseherin Danièle Nouy, die paneuropäische Geldhäuser und damit grenzüberschreitende Fusionen im Handelsblatt-Interview kürzlich als einen „logischen Schritt“ bezeichnete, hält er für keine sinnvolle Lösung. „Auf der Landkarte ist das wunderschön“, sagt er. Doch die USA seien nicht mit Europa vergleichbar. Es sei etwas anderes, ob Banken in den USA auch in den Bundesstaaten Nebraska und Arkansas aktiv würden, oder ob eine Bank in Europa nach Rumänien und Portugal expandieren wolle. „Dazu muss erst mal ein Risikovorstand unterschreiben, dass das eine gute Idee ist“, sagt er. Man sehe eher, dass auch Institute wie die italienische Großbank Unicredit sich aus einzelnen Märkten wieder zurückziehen.

Riegler plädiert für eine entschlossenere Marktbereinigung durch die Aufseher. „Manchmal ist ein schneller Eingriff besser als jahrelanges Vor-sich-hinsiechen“, so der 52-Jährige. Es sei in vielen Fällen bekannt, wo die Probleme lägen, wo es viele faule Kredite gebe. Er spricht sich dafür aus, dieses Thema auf nicht näher beschriebene Art zu lösen, „ohne dass nationale Aufseher noch ihre Hand darüber halten können“.

„Was wir aktuell machen, ist die Probleme zu verschieben.“ Besser wäre aus seiner Sicht eine „konzertierte Aktion“ von Aufsehern, Regulierern und Banken, die resümieren sollen, was erreicht wurde und was noch erreicht werden soll, „damit wir in fünf Jahren so starke Banken haben wie in den USA.“

Als Blaupause für einen Umgang mit der HSH Nordbank, die auf Geheiß der Europäischen Kommission bis 2018 verkauft oder abgewickelt werden muss, will Riegler das aber offenbar nicht verstanden wissen. Die HSH ist Mitglied in den Sicherungssystemen der Landesbanken und Sparkassen. Auf die öffentlich-rechtlichen Banken kämen bei einer Abwicklung deshalb wohl hohe Belastungen zu.

Für Riegler ist das bislang aber kein wahrscheinliches Szenario: „Keiner redet davon, den Stützungsfall auszurufen“, betont er. Er verweist auch darauf, dass die Sparkassen nur noch zu knapp sechs Prozent an der HSH beteiligt seien. „In erster Linie ist es das Eigentum, das verpflichtet“, sagt er. Damit schiebt er die Verantwortung deutlich in Richtung Hamburg und Bremen, die mehr als 90 Prozent der Anteile besitzen. Und wenn alle Stricke reißen und sich dennoch die Frage stellt, ob Sparkassen und Landesbanken einspringen müssten? „Wenn das einschlägig ist, gehe ich davon aus, dass das System hält“, sagt er.

Quelle:  Handelsblatt Online
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