Bankenregulierung: Die Kostenfrage

Bankenregulierung: Die Kostenfrage

, aktualisiert 29. November 2016, 17:53 Uhr
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Die Banken haben mit einer schwierigen Ertragslage zu kämpfen.

von Yasmin OsmanQuelle:Handelsblatt Online

Gerade in Deutschland machen Banken oft die strenge Regulierung für ihre mageren Renditen verantwortlich. Daten der Europäischen Zentralbank legen den Verdacht nahe, dass das eine Ausrede ist.

FrankfurtDirekt nach der Finanzkrise hielten sich Banken mit Kritik an neuen, strengeren Vorschriften noch stark zurück. Zu frisch war da noch die Erinnerung an die Unsummen an Steuergeldern, die zur Rettung des Finanzsystems eingesetzt wurden. Acht Jahre und einige Reformen später ist von dieser Zurückhaltung nur noch wenig zu spüren. „Man hat den regulatorischen Bogen überspannt“, warnte Lothar Jerzembek, Mitglied der Geschäftsleitung des Verbands öffentlicher Banken (VÖB).

Er argumentiert mit einer Studie seines Verbandes, wonach die beschlossenen und noch geplanten Reformen die Eigenkapitalrendite der 17 im VÖB organisierten Geschäftsbanken von derzeit noch 4,2 auf 2,0 Prozent drücken würde. „Man muss sich sehr gut überlegen, wie weit man diese Daumenschrauben noch anziehen sollte, um uns nicht doch durch Regulatorik aus den Markt hinauszudrängen“, sagte Jerzembek auf der Handelsblatt-Tagung zur Bankenaufsicht. Der Finanzchef der DZ Bank, Cornelius Riese, hatte die Mehrkosten, die deutschen Banken durch die Regulierung entstehen, zuvor auf zehn Milliarden Euro pro Jahr beziffert.

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Neue Bankenstatistiken der Europäischen Zentralbank (EZB) lassen allerdings daran zweifeln, dass sich die schwache Ertragslage der deutschen Bankenbranche allein auf die Regulierung zurückzuführen ist. Denn aus den Daten geht hervor, dass die Kostenquote der heimischen Institute höher ist als in jedem anderen Land der Eurozone, obwohl für alle großen Banken in der Währungsunion die gleichen Regeln gelten. Die direkt von der EZB überwachten Institute aus Deutschland mussten im zweiten Quartal fast 77 Cent aufwenden, um einen Euro zu verdienen. Die Eigenkapitalrendite erreichte gerade einmal 2,73 Prozent. Weniger erwirtschafteten nur italienische und portugiesische Institute.

Die Daten der EZB beziehen sich nur auf große, von der Notenbank direkt überwachte Banken und zeigen die Situation im zweiten Quartal. Eine EZB-Studie aus dem vergangenen Oktober, hatte aber für alle Banken gezeigt, dass die Kostenquote in Deutschland besonders hoch ist.

Entsprechend schlecht kommen die Beschwerden der Banken bei den Aufsehern an. Für Korbinian Ibel, Generaldirektor bei der Bankenaufsicht der EZB, stellt sich die Frage, inwieweit die Kosten tatsächlich von schärferer Regulierung getrieben werden — „und was vielleicht auch Nachholbedarf von ordnungsgemäßen Bankgeschäft und Risikomanagement sein mag“.

Vor kurzem wurde der Aufseher auf einer Konferenz von einem Lobbyisten gefragt, ob die EZB Regulierung in Zukunft laxer gestalten wird, um die Eigenkapitalrendite von Banken zu befördern. Ibel erteilte dem Fragesteller eine Abfuhr: „Schon das Gedankengut aus der Lobby ist etwas, was mich sehr nachdenklich stimmt, ob der Kulturwandel schon wirklich vollzogen ist“.

Auf offenere Ohren für ihre Nöte können die kleineren Banken hoffen. Vor kurzem hatte die EU-Kommission Neuerungen vorgestellt, die kleine Kreditinstitute entlasten sollen. Für Levin Holle, Abteilungsleiter im Bundesfinanzministerium, ist das „ein erster Schritt“, dem er weitere folgen lassen will. Er kritisiert, dass die Regeln, die die großen Banken sicherer machen sollten, deren Insolvenz für eine Wirtschaft verheerend wäre, unterschiedslos auch kleine Banken treffen. „Wir müssen diskutieren, ob es eine Kostenbelastung für kleine Banken gibt, die in angemessenem Verhältnis dazu steht, inwieweit sich dadurch die Finanzstabilität verbessert“, so Holle.

Quelle:  Handelsblatt Online
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