Bankenregulierung: EZB senkt Hürden für Dividenden und Boni

Bankenregulierung: EZB senkt Hürden für Dividenden und Boni

, aktualisiert 15. Dezember 2016, 17:43 Uhr
Bild vergrößern

Die Bankenwächter der EZB führen neue Regeln für die individuellen Sicherheitspuffer für Banken ein.

von Yasmin OsmanQuelle:Handelsblatt Online

Die europäischen Bankenaufseher führen neue Regeln für Ausschüttungen ein. Für Banken wird es nun leichter Geld an Aktionäre oder Mitarbeiter auszuzahlen. Derzeit unterliegen nur fünf Banken einem strikten Verbot.

FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) geht weniger restriktiv mit Ausschüttungen von Dividenden, Boni sowie Zinsen für eigenkapitalähnliche Anleihen um. Zwar wünscht sich die EZB von den Banken eine ähnlich hohe Eigenkapitalquote wie bisher. Aber mit Dividenden- oder Bonus-Verboten gehen die Bankenaufseher weniger streng um: Denn die Kapitalquoten, die Banken mindestens erfüllen müssen, bevor sie Geld an Aktionäre, Mitarbeiter und Gläubiger zahlen können, werden im kommenden Jahr deutlich sinken.

Hintergrund für diese Lockerung sind neue Regeln der EZB für die individuellen Kapitalzuschläge der Banken: Von großen Banken verlangt die EZB eine Kapitaldecke, die dicker ist als das gesetzliche Minimum. Wie hoch dieser Extra-Aufschlag ausfällt, hängt davon ab, für wie riskant die Bankenaufseher der EZB ein Kreditinstitut halten. Bislang durften Banken nur dann Dividenden ausschütten oder Zinsen für eigenkapitalähnliche Anleihen zahlen, wenn sie neben dem gesetzlichen Minimum auch den individuellen Kapitalzuschlag einhielten.

Anzeige

Künftig gilt: Der Zuschlag wird ab dem Jahr 2017 in einen Pflichtteil und in eine Empfehlung aufgespalten. Strikt verboten sind Dividenden künftig nur noch für Institute, deren Kapitalquote noch unter dem Pflicht-Aufschlag liegt. Dadurch sinkt die Dividenden-Hürde im Durchschnitt von 10,2 Prozent auf nur noch 8,3 Prozent, wie aus am Donnerstag veröffentlichten Unterlagen der Notenbank hervorgeht.

Derzeit würden nur fünf der 127 von der EZB direkt beaufsichtigten Banken verstoßen. Diese Institute könnten aktuell also weder Dividenden, noch Boni zahlen und auch keine Zinsen auf eigenkapitalähnliche Anleihen (Coco-Bonds) ausschütten.

Auch wenn die EZB bei Dividenden nun die Zügel etwas lockert, an ihrer Wunsch-Kapitalquote hat sich nichts geändert. Denn berücksichtigt man auch die Kapitalempfehlungen, die allerdings kein automatisches Dividenden-Verbot mehr auslösen, dann kommt man weiterhin auf eine empfohlene Eigenkapitalquote, die knapp über zehn Prozent liegt.


Kapitalplan muss vorgelegt werden

Wohl auch deshalb unterliegen Banken, die nur den Pflichtteil erfüllen, aber noch nicht die „empfohlene“ Kapitalquote erreichen, gewissen Einschränkungen: Sie müssen einen Kapitalplan vorlegen, der aufzeigt, wie die Institute Jahr für Jahr in gleichmäßigen Schritten ihre Kapitalpuffer bis zum Jahr 2019 auf die dann gültige Zielquote der EZB aufstocken wollen.

Dividenden und Boni dürfen sie nur dann ausschütten, wenn sie dadurch nicht gegen den Kapitalplan verstoßen. Wie viele Banken von den Erleichterungen betroffen sind, war von der EZB nicht zu erfahren. Allerdings sollen die meisten Banken derzeit sowohl die Pflicht- als auch die empfohlenen Zuschläge erfüllen.

In den vergangenen Tagen hatten einige Banken bereits offengelegt, wie hoch ihre individuelle Pflicht-Kapitalquote für sie im kommenden Jahr ausfällt. Bei der EZB sinkt diese Schwelle von bislang 10,25 Prozent auf 8,5 Prozent. Bei Société Générale sinkt der Wert um zwei Prozentpunkte auf 7,75 Prozent. Bei Unicredit sind es mit 8,75 Prozent einen Prozentpunkt weniger.

Die Deutsche Bank hat die für sie geltende Kapitalanforderung noch nicht mitgeteilt. Für das Kreditinstitut ist diese Pflichtquote spannend: Von ihr hängt der Verteilungsspielraum für Zinszahlungen auf sogenannte „Coco-Anleihen“ ab. So heißen eigenkapitalähnliche Anleihen der Bank. Die Furcht vieler Anleger, die Deutsche Bank könne auf diese Papiere keine Zinsen zahlen, hatte im Januar zu starken Kursverlusten geführt.

Neben den neuen Dividenden-Regeln veröffentlichte die EZB auch ihre Aufsichtsprioritäten für das kommende Jahr: Unter anderem wollen die EZB-Aufseher mehr Personal bereitstellen, um die Fragen und Anliegen solcher Banken zügig zu beantworten, die infolge des EU-Austritts Großbritanniens Teile ihres Geschäfts in die Eurozone verlagern wollen.

Auch mit dem Thema Outsourcing wollen sich die EZB-Aufseher stärker beschäftigen. „Die Bandbreite der Aktivitäten, die Banken auslagern wollen könnten, wächst“, heißt es in einem Bericht der EZB.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%