Bankenregulierung: Immer auf die Kleinen

Bankenregulierung: Immer auf die Kleinen

, aktualisiert 28. März 2016, 15:25 Uhr
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Kleine Banken sehen sich in Großbritannien benachteiligt gegenüber den mächtigen Großinstituten.

von Katharina SlodczykQuelle:Handelsblatt Online

Die britische Politik will mehr Wettbewerb zu den Großbanken auf der Insel. Doch die Herausforderer sehen sich durch neue Regulierungsauflagen weiter benachteiligt. Wird sich daran bald etwas ändern?

LondonEs ist ein Versprechen, das britische Politiker regelmäßig abgeben, sobald es um den Bankensektor geht: „Wir werden für mehr Wettbewerb in der Bankenbranche sorgen“, sagte beispielsweise Finanzminister George Osborne vor den Parlamentswahlen im Frühjahr vergangenen Jahres und kündigte eine Reihe von Schritten an, um dieses Ziel zu erreichen und vor allem neuen, kleineren Instituten das Geschäft zu erleichtern.

Die Wirklichkeit sieht dagegen offenbar deutlich anders aus: Die Herausforderer im britischen Bankensektor klagen, dass neue Regulierungsauflagen, die seit Monatsanfang gelten, die kleineren Geldhäuser deutlich stärker belasten als die etablierten Konkurrenten. Die neuen Regeln sollen dazu beitragen, dass man Topbanker künftig bei Fehltritten besser als in den vergangenen Jahren zu Verantwortung ziehen kann. Bei gravierenden Übeltaten droht Spitzenmanagern in den Bankenbranche daher eine Gefängnisstrafe.

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Grundsätzlich könnten diese Auflagen zwar Transparenz und Verantwortlichkeit verbessern, sagte Rishi Khosla, Chef von Oak North, einem britischen Herausforderer der etablierten Großbanken, der Nachrichtenagentur Reuters. Aber andererseits sei es jetzt vor allem für kleinere Institute schwerer als zuvor, geeignetes Führungspersonal zu finden – eine Erfahrung, die offenbar auch andere der jüngeren Geldhäuser teilen. Angesichts einer Regulierung, die nicht zwischen den Bedürfnissen von Neueinsteigern und etablierten Banken unterscheide, werden es schwierig bis unmöglich für die neueren Institute, ihren Marktanteil signifikant auszubauen, sagte der Spitzenmanager einer anderen erst vor wenigen Jahren gegründeten Bank.

Seit etwa sechs Jahren versucht eine wachsende Zahl von Neueinsteigern den etablierten Anbietern HSBC, Barclays, Lloyds und Royal Bank of Scotland auf der Insel Paroli zu bieten, kommt dabei aber nur langsam voran. So kommen die vier Platzhirsche bis heute bei Girokonten auf einen gemeinsamen Marktanteil von 75 Prozent und bei Krediten an kleine und mittelständische Betriebe sogar auf 85 Prozent.

Osborne will die Dominanz von Barclays & Co. mindern, indem er mehr Banklizenzen vergibt. Das dürfte allerdings nicht reichen, denn die Neueinsteiger sehen zunehmende Probleme, um sich auf Dauer im Bankgeschäft behaupten zu können. Dazu hat ihrer Meinung nach bereits eine neue Bankenabgabe beigetragen, die Osborne im vergangenen Jahr angekündigt hat.


Neue Regulierungsauflagen erhöhen Kosten weiter

Die neuen Regulierungsauflagen, die jetzt in Kraft getreten sind, erhöhen offenbar die Kosten der neuen Banken noch weiter. Um Mitglieder für den Verwaltungsrat zu gewinnen, müsste man jetzt mehr zahlen, denn die Zahl solcher potenzieller Verwaltungsräte sei begrenzt und deren Bereitschaft, für eine neue Bank zu arbeiten, sei offenbar nur bei entsprechender Bezahlung vorhanden, sagte Paul Lynam von der Secure Trust Bank der Nachrichtenagentur Reuters.

Auch die Kosten, um die neuen Regulierungsvorgaben intern umzusetzen, belasten die kleineren Banken vergleichsweise stärker. „Wir müssen teilweise einen ähnlichen Aufwand wie eine Großbank in Sachen Regulierung betreiben und das, obwohl wir einen deutlich kleineren Gewinn erzielen und eigentlich auch viel zu klein sind, um die Finanzmarktstabilität zu gefährden, wenn bei uns etwas schief geht“, klagt der Manager eines Herausforderers.

Zumindest in einem Punkt hat Finanzminister George Osborne bei seinen jüngsten Haushaltsplänen, die er vor etwa zwei Wochen verkündete, Erleichterungen angedeutet: Die Kapitalvorgaben für kleinere Banken sollten künftig im Vergleich zu der Größe der Institute angemessener ausgefallen, gab er zwischen den Zeilen zu verstehen. Die kleineren Banken sind allerdings skeptisch: „Zuletzt standen Osbornes Worte“, sagt ein Bankmanager, „im Widerspruch zu seinen Taten.“ Daher glaube man derzeit noch nicht daran, dass sich die Rahmenbedingungen deutlich bessern würden.

Quelle:  Handelsblatt Online
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