Bankenumzug nach Brexit: Frankfurt und die Rivalen im Westen

Bankenumzug nach Brexit: Frankfurt und die Rivalen im Westen

, aktualisiert 31. Januar 2017, 18:55 Uhr
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Die Frankfurter Hochhauskulisse: Die Stadt entwickelt sich zur populären Alternativen für internationale Investmentbanken, die sich auf die Folgen des britischen EU-Austritts vorbereiten.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Main-Metropole, Dublin und New York entwickeln sich zu den populärsten Alternativen zu London, wenn Investmentbanken im Zuge des Brexit den Rückzug von der Insel antreten werden. Die Umzugspläne der Banken.

LondonEs ist ein Dilemma, das seine Chefs in den nächsten Monaten lösen müssen: „Es gibt eine Reihe rein rationaler Argumente, die für einen Umzug nach Frankfurt sprechen“, sagt ein Londoner Banker, der für ein ausländisches Geldhaus arbeitet, „aber ein großes emotionales, das dagegen spricht: die meisten Kollegen wolle da partout nicht hin.“ Alternativen wie Dublin wären ihnen wohl lieber, unter anderem wegen der Sprache und der Nähe zu London.

Egal, wie die Entscheidung in diesem Fall ausgehen wird – beide Städte entwickeln sich zu den populärsten Alternativen für internationale Investmentbanken, die sich auf die Folgen des britischen EU-Austritts vorbereiten. Die Pläne werden konkreter, seitdem Großbritanniens Premierministerin Theresa May deutlich gemacht hat, wie sich sie den Brexit vorstellt: Sie will einen klaren Bruch mit der EU. Das Land soll auch dem Europäischen Binnenmarkt und der Zollunion den Rücken kehren.

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Um dennoch den Zugang zur EU und den Kunden dort zu behalten, müssen Banken, die derzeit vor allem von London aus agieren, ihre Präsenz in einem der verbliebenen 27 EU-Länder ausbauen. Je nachdem, wie die Scheidungsgespräche zwischen London und Brüssel verlaufen, ließe sich das unter Umständen noch vermeiden oder auf ein Minimum begrenzen, doch darauf wollen sich die Institute nicht verlassen. Sie forcieren daher ihre Umzugspläne, um für den schlimmsten Fall vorbereitet zu sein. Zu diesen Plänen gehört auch eine Verlagerung von Jobs in die Zentralen, etwa nach New York, um dort Aufgaben zu bündeln und einen Ausgleich für die voraussichtlich höheren Kosten in Europa zu schaffen, wenn London nicht mehr die Heimat der Europa-Zentralen sein kann. Der britische Lobbyverband der Finanzbranche CityUK schätzt, dass dies bis zu 35 000 Jobs auf der Insel kosten könnte.

Eine Übersicht über den Stand der Pläne bei den verschiedenen Banken und was ihre Chefs bisher über die Alternativen zu London gesagt haben:

Goldman Sachs

Die US-Investmentbank hat derzeit etwa 6000 Mitarbeiter in Großbritannien. Durch den Brexit dürfte sich diese Zahl Finanzkreisen zufolge auf etwa 3000 halbieren. Bis zu 1000 Stellen sollen nach Frankfurt gehen, der andere Teil in andere europäische Länder und nach New York. Offiziell sagte Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein beim Weltwirtschaftsforum in Davos, man habe die Pläne, mehr Geschäfte nach London zu verlegen, zurückgestellt. Denn es mache keinen Sinn, sie erst nach Großbritannien und dann wegen des Brexit anderswo umzuziehen zu lassen.

JP Morgan

Die US-Bank beschäftigt 16 000 Menschen auf der Insel. Vor dem Brexit-Referendum sagte JP-Morgan-Chef Jamie Dimon bereits, dass bis zu 4000 Jobs verlagert werden könnten. Bei Weltwirtschaftsforum in Davos ging er etwas weiter: „Es sieht so aus, als ob es in Sachen Jobs mehr Bewegung geben könnte als zunächst erwartet.“

Morgan Stanley

Vor dem Brexit-Votum hat die US-Bank bereits erwogen 1000 ihrer 6000 Stellen auf der Insel zu verlegen. Als Alternativen zu London brachte Morgan-Stanley-Präsident Colm Kelleher Dublin oder Frankfurt ins Spiel. New York könnte ebenfalls vom Brexit profitieren, heißt es bei Morgan Stanley, da US-Banken ihren Personalbestand in Europa insgesamt herunterfahren dürften.

Bank of America

Nach Ansicht von Brian Moynihan, dem Chef der Bank of America, ist es noch zu früh, um über Alternativen zu London zu sprechen. Das sei voreilig, sagte er jüngst in Davos. Man müsse zunächst dafür sorgen, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen stimmten, um in Großbritannien und außerhalb des Landes operieren zu können. Einen Großteil der dafür notwendigen Strukturen habe man bereits aufgebaut.

Citigroup

Die US-Bank hat 9000 Investmentbanker in Großbritannien. Nach Angaben von Jim Cowles, dem Europa-Chef der Citigroup, prüft das Institut den Umzug von Teilen des Geschäfts nach Deutschland und nach Irland. Man sei aber auch dabei alternative Standorte in Frankreich, Italien, Spanien und den Niederlanden zu prüfen. Entscheidungen will die Bank in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres treffen.

UBS

„Ja, wir werden Banker verlegen müssen“, sagt Andrea Orcel, Investmentbank-Chef der UBS in Davos. Dafür käme Frankfurt in Frage. „Wir haben das notwendige Set-up aber auch in Spanien”, so Orcel. Die Schweizer Bank beschäftigt 5000 Investmentbanker in Großbritannien. Von dem Umzug könnten laut UBS-CEO Sergio Ermotti bis zu 1500 Stellen betroffen sein.

Credit Suisse

Die Schweizer Bank beschäftigt 6600 Investmentbanker in Großbritannien. Credit Suisse prüfe als Folge des Brexit den Ausbau ihres Geschäfts in Dublin, sagen zwei mit den Plänen vertraute Insider. Offiziell sagte Noreen Doyle, die im Verwaltungsrat der Bank sitzt, bei einer Branchenkonferenz in Dublin: Die Suche nach einer Alternative zu London sei derzeit noch in einem frühen Stadium.

HSBC

Stuart Gulliver, Chef der britischen Großbank HSBC, hat bereits vor dem Referendum signalisiert, dass bis zu 1000 Investmentbanker nach dem Brexit nach Paris umziehen könnten. Dies hat er jüngst bestätigt. Mit einem Umzug sei aber erst zu rechnen, wenn Großbritannien nicht mehr Teil der EU sei. Die HSBC hat 5000 Investmentbanker auf der Insel.

Barclays

Die Investmentbanksparte beschäftigt 10 000 Menschen auf der Insel. Der Brexit könnte Finanzkreisen zufolge zu einer Verlegung von 150 Jobs nach Dublin führen. Grundsätzlich werde der EU-Austritt Großbritanniens ein Finanzzentrum wie London aber nicht massiv schädigen können, sagte Barclays-Chef Jes Staley jüngst in Davos.

Standard Chartered

Die Bank schwankt Finanzkreisen zufolge noch zwischen Dublin und Frankfurt, wenn es um einen alternativen Standort für ihre Europa-Geschäfte geht. Standard Chartered sei in Gesprächen mit der deutschen und der irischen Finanzaufsicht, heißt es. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen.

Lloyds Banking Group

Die britische Bank will Finanzkreisen zufolge seine Frankfurter Filiale zu einer Tochtergesellschaft ausbauen, um von dort aus Kunden auf dem Kontinent zu bedienen. Dies sei allenfalls für eine kleinere Zahl von Mitarbeitern mit einem Umzug verbunden, heißt es.

Daiwa

Das japanische Institut hat ebenfalls Dublin oder Frankfurt im Visier. Daiwa beschäftigt derzeit 450 Menschen in Europa, die meisten davon in London.

Quelle:  Handelsblatt Online
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